Aachen - Auf dem Vennbahnweg kommt es wiederholt zu brenzligen Situationen

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Auf dem Vennbahnweg kommt es wiederholt zu brenzligen Situationen

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Achtung, Fußgänger! Dreieckige Warnschilder weisen Radfahrer an der Bahnhofsvision in Kornelimünster zwar auf querende Kellner hin. Doch längst nicht alle Radfahrer nehmen darauf Rücksicht. Foto: Andreas Steindl
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Achtung, querende Fußgänger: An der Bahnhofsvision sollten Radfahrer stets besonders vorsichtig unterwegs sein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein wachsames Auge hat Karen Wasser eigentlich immer auf ihren Sohn. Nach dem Schrecken vor einigen Wochen wird sie am Vennbahnweg aber in Zukunft noch achtsamer sein. Erst recht, wenn sie mit ihrem vierjährigen Filius an der Bahnhofsvision in Kornelimünster Rast macht und der Kleine neben Biertischen und -bänken auf der Wiese spielt.

Schließlich wisse man nie, wann ein Radfahrer am Biergarten des Restaurants vorbeibrettere – und dabei keinen Blick für besonders junge Passanten habe, die plötzlich und unbedarft auf den Weg laufen.

Wie schnell es dann knallen kann, ist Karen Wasser bewusst. „Wir haben einen Moment nicht richtig aufgepasst, und schon war unser Sohn mit einem Radfahrer zusammengestoßen“, berichtet die Mutter, immer noch erschrocken.

Ernsthaft verletzt worden sei er glücklicherweise nicht. Das Kind kam mit ein paar Schürfwunden, blauen Flecken und dem Schrecken davon. Dass dabei auch eine ordentliche Portion Glück mitspielte, weiß Wasser. „Das Bild hat sich bei mir eingebrannt. Ich werde meinen Sohn dort nie wieder aus den Augen lassen.“

„Kellner-Warnung“

Dass ein wachsames Auge nicht immer ausreicht, weiß Petra Schillings. Seit gut 20 Jahren betreibt sie das Restaurant im ehemaligen Bahnhof Kornelimünster. Vor allem im Sommer erfreut sich die Außengastronomie mit den rund 15 Biertischen großer Beliebtheit.

Während Schillings’ Mitarbeiter längst wissen, dass sie immer einen prüfenden Blick nach rechts und nach links werfen müssen, bevor sie die Vennbahntrasse überqueren, um vom Restaurant zum Biergarten zu gelangen, sind die Restaurantbesucher selbst nicht immer so aufmerksam – erst recht nicht kleine Kinder.

Dreieckige Warnschilder weisen Radfahrer zwar auf querende Kellner im Bereich des Biergartens hin. Ein Besuch an einem warmen Nachmittag im Sommer zeigt jedoch: Rücksicht nehmen darauf längst nicht alle. „Es kommt immer wieder zu brenzligen Situationen“, sagt Schillings nicht nur mit Blick auf den Unfall vor einigen Wochen. „Zum Glück ist in den vergangen 20 Jahren noch nie etwas Schlimmes passiert.“

Diesen Eindruck bestätigt auch die Polizei. Dass sich vermehrt (Beinahe-)Unfälle im Bereich des Biergartens ereignen, ist Petra Wienen von der Pressestelle jedenfalls nicht bekannt. „Zwischen Mai 2017 und Juli 2018 wurden bei uns keine Unfälle in diesem Bereich gemeldet“, ergab eine entsprechende Suche der Sprecherin in der polizeilichen Datenbank.

„Das heißt nicht, dass keine Unfälle stattfinden“, betont Wienen. „Aber polizeilich gemeldet werden sie nicht.“ Auch Karen Wasser musste nach dem Unfall ihres Sohnes weder die Polizei noch den ärztlichen Notdienst einschalten.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, würde Inhaberin Schillings gerne entsprechende Vorkehrungen treffen, um die Situation für ihre Gäste zu verbessern. Denkbar wäre etwa ein umzäunter Spielplatz. Oder andere Maßnahmen, mit denen das Tempo der Radfahrer gedrosselt werden könnte.

„Dafür würde ich dann auch die Kosten übernehmen“, sagt Schillings, die das Gelände für die Außengastronomie von der Stadt gepachtet hat. Bislang habe es jedoch an der entsprechenden Genehmigung gehapert.

Auch Karen Wasser kann nicht nachvollziehen, warum die Stadt nicht längst etwas unternommen hat, um die Situation zu entschärfen. „Man könnte die Fahrbahn, wie in Belgien, farblich unterlegen“, sagt sie. Oder die Radfahrer mit der Installation von Pollern dazu zwingen, ihre Geschwindigkeit zu drosseln.

Rückenwind von der SPD

Rückenwind bekommt sie dabei von der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim. Die will nach eigenen Angaben nicht auf den ersten schweren Unfall warten, um tätig zu werden. „Ich habe selbst schon beobachtet, dass einige Fahrradfahrer in dem Bereich sehr schnell fahren“, sagt SPD-Bezirksvertreter Bernd Krott. In einem Antrag von Ende Juli bittet die Fraktion die Verwaltung, auf der Vennbahntrasse „geschwindigkeitsreduzierende und sicherheitsfördernde Maßnahmen“ zu ergreifen.

Die Politik soll darüber in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung im September diskutieren. „Wenn die Radfahrer in dem Bereich Schritttempo fahren, wäre schon eine Menge gewonnen“, meint Krott. Schließlich gehöre die Bahnhofsvision zu den ganz wenigen Lokalen mit Außengastronomie im Stadtbezirk.

„Wir wollen den Biergarten auf jeden Fall erhalten, aber die Besucher besser schützen“, betont Krott. „Die Verwaltung prüft, was man an der Stelle machen kann“, teilt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt auf Anfrage mit. Dann kann vielleicht auch Karen Wasser mit ihrem vierjährigen Sohn am Vennbahnweg wieder etwas entspannter sein.

 

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