Aachen - Auf dem Pferderücken wieder Mut und Vertrauen aufbauen

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Auf dem Pferderücken wieder Mut und Vertrauen aufbauen

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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Hoch zu Ross fühlen sich Abraham (hinten) und Lars wohl. Die Pferde Jan und Blicka sind den Kindern sehr ans Herz gewachsen. Reitpädagogin Kristina Wisgens (rechts) arbeitet mit den Therapiepferden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Abraham ist glücklich, wenn er auf Jan, seinem Therapiepferd, sitzt. Er ist neun Jahre alt und freut sich auf die wöchentliche Reitstunde. „Jan ist mein Freund. Er fühlt sich schön warm an.“ Seine Schwester Mira, 11 Jahre, begeistert sich: „Das Beste am Reiten ist das Traben. Am Anfang braucht man allerdings ein bisschen Mut für das Pferd.“

„Vor zwei Jahren ist der Vater der Kinder überraschend verstorben“, erzählt ihre Tante Melake. „Die Trauergruppe hat ihnen sehr geholfen, und wir sind sehr dankbar, dass es sie gibt.“

Auch die Eltern von Lars, 11, sind froh über die Trauergruppe. „Lars besucht die Gruppe für Kinder, wir besuchen die Erwachsenengruppe“, berichtet die Mutter. „Besonders das Reiten tut ihm sehr gut, und wir konnten sogar Medikamente absetzen, die er nach dem Tod seines großen Bruder nehmen musste.“ Lars war neun Jahre alt, als sein Bruder ermordet wurde. Die Eltern und die große Schwester fürchten, dass es ihm bald wieder schlechter geht, denn das therapeutische Reiten ist finanziell nicht mehr gesichert.

„Wir würden uns freuen, wenn wir Sponsoren finden, die unseren Kindern den Kontakt zum Pferd sichern können“, erzählen Adelheid Schönhofer-Iyassu und Maria Pirch von der Kinder-Trauergruppe „diesseits“ und der Erwachsenen-Trauergruppe „Tabitha“. Beide sind Trauerbegleiterinnen und arbeiten als Vertreterinnen des Malteser Hilfsdiensts und der Pfarrei Franziska von Aachen zusammen.

Seit vier Jahren haben Kinder und Jugendliche, die einen geliebten Menschen verloren haben und sich in ihrer Trauer alleine fühlen, in Aachen eine Anlaufstelle beim Trauerprojekt „diesseits“. Seit Herbst letzten Jahren konnten die Kinder, die nicht über Gespräche einen Weg aus der Trauer finden, zusätzlich zu der Arbeit in den Gruppen das therapeutische Reiten nutzen. Ermöglicht wurde das Pilotprojekt durch die Geburtstagsspende eines Aachener Unternehmers, doch jetzt ist das Geld aufgebraucht. Eine erste Bilanz nach rund einem halben Jahr fällt positiv aus – die Kinder finden wieder Vertrauen zu sich und bekommen Boden unter die Füße.

„Therapeutisches Reiten ist eine ganzheitliche Fördermaßnahme für Körper, Seele und Geist. Die Kinder spüren sich wieder und merken, dass das Pferd eine deutliche Körpersprache braucht. Das stabilisiert sie, und sie gewinnen an Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl“, sagt Diplom-Sozialpädagogin und Reitpädagogin Kristina Wisgens vom Deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten (DKThR).

Sie hat auf ihrem Hof in Richte­rich die beiden Therapiepferde Jan und Blicka, die ruhig und geduldig mit den Kindern arbeiten. „Anfangs braucht man ein bisschen Mut, aber Mut tut gut“, ermuntert sie die Kinder, aufs Pferd zu steigen.

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