Auch Tihange ist ein Thema in der Kappertz-Hölle

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Mit stoischen Gesichtern in der Kappertz-Hölle: das Duo Diagonal. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Kohl, umgangssprachlich auch Kappes genannt, ist bei guter Zubereitung ein sehr wohlschmeckendes und vor allem in der Region selber gezogenes Gemüse. Die diesjährige Zubereitung beim dritten Kappesball der Session 2015/2016 geriet zum wiederholten Male bestens.

Vor einem lindgrünen großen Kappes auf der Bühne der Kappertz-Hölle (Saalbau Rothe Erde) trollten sich erneut in 20 Nummern die Jecken aus der alternativen Ecke. Und sie taten es wieder mit großem Spaß, Mutterwitz und mit heftigen politischen Tritten in die rechte Ecke.

Der erste Vorturner der bunten Truppe ist wie gewohnt kaum zu übersehen: Der „lange Meikel“ (Michael Freialdenhoven) geht in ganzer Größe voran, die Show beginnt mit dem Sound aus den Instrumenten der Kappes-Band „The Four Shops“ direkt mit einem politischen Rap und dessen aktueller aufrüttelnder Refrainzeile „ja, wir können das schaffen!“, auch die Variante „ja, wir schaffen das!“ nimmt das Credo der Kanzlerin auf die Arbeiter-Schippe, was visuell durch das Outfit der Akteure in einem schlichten Blaumann (Arbeitsanzug) mit quietschgelbem Sicherheitshelm auf den Köpfen farblich unterstrichen wird.

Der Meikel macht den Eisbrecher, bietet Sprachspiele an. „Angela Merkel“, ulkt der Lange, könnte auch den Slogan hergeben „angel mal lecker“ oder „lagern am Ekel.“ Doch auch die Grenzen der Willkommenskultur werden nicht ausgespart, „manche fürchten, Merkels Dach ist nicht dicht“, hieß es da etwa.

Sozialkritik mit Schultüte

Das sogar nett und ordentlich im karnevalistischen Look verkleidete Publikum geht jetzt zur Freude von Mitorganisator Peter Kappertz richtig mit und freut sich an den Berichten von „Hoppla – das Duo!“ (Michael Dannhauer und Thorsten Neumann), die den Atomschutz in einer Stadt nahe den Meilern im belgischen Tihange in weißen Schutzanzügen aufs Korn nehmen.

Kurt Radermacher glänzt mit einer sozialkritischen „Hartz-IV-Nummer“, steht als kleiner Schulanfänger mit der Schultüte auf der Bühne. Echter Öcher Humor macht sich breit und der völlig integrativ absorbierte Necip Tokoglu macht als Hans Hase vom deutschen Ordnungsamt seine Späße vom Rand der Bühne. Das „Duo Diagonal“ mit Deana Kozsey und Holger Ehrich kommen, er im schillernden Outfit eines Eintänzers, sie im kleinen Schwarzen. Gag bei der Feuer-Jonglage: Die Wurfstangen bleiben ohne jedes Feuer.

Was wäre eine Kappesshow ohne die Öcher Migrations-Expertin Liza Kos. Die auch als „Lizuscha“ von vielen Bühnenauftritten bekannte russische Öcherin, die mit perfektem Platt entzückt, ist absolut wandlungsfähig. Jetzt beim „Kappes“ beglückt sie zuerst als türkische Migrantin mit klassischen Kopftuch und langem Gewand und nimmt dabei das Ostviertel auf die Schippe, dann singt sie fröhliche Lieder zur Gitarre zum recht deutschen Thema „Karnevalsintegration“ als russisch-deutsche Migrantin „Swetlana Kalashnikova“, in einer dritten Nummer glänzt sie stimmgewaltig in einem fließend-langen rotem Kleid als singende Diva, die unter tobendem Applaus zu den Klängen des Songs „Sex machine“ abtritt, Liza hat eben viele (schöne) Gesichter.

Erwähnung finden muss auch die Band „The Four Shops“, die zu den „S6X-Shops“ aufgestockt wurde und mit den Musikern Sören Leyers, Andy Zingsem, Mario Adler, Heiko Glauch, Andy Reinhard und Joonas Lorenz einen funkigen, hörenswerten und den Szenen angemessenen Sound kreierte. Hervorzuheben ist dabei Sören Leyers mit seinem Soloauftritt gegen Rechts, wie auch eine Anti-Pegida-Nummer mit deutlichen Worten zu den rechten Umtrieben.

Ein letztes noch zum Ende: Für den Fettdonnerstag sind noch Karten zu haben, auch für die restlichen Tage (Freitag, Samstag, Sonntag) gebe es noch einige Restkarten, macht Peter Kappertz noch mal mobil, schließlich sollte der alternative Karneval in Aachen auch drei Jahre nach Strunx seinen verdienten Platz behalten.

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