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Auch ohne Mandat zieht es den Aachener Piraten nach Berlin

Von: Gerald Eimer
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Strategischer Kopf: Marc Salgert sieht die Piraten inhaltlich inzwischen gut und breit aufgestellt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Merkwürdig ist das schon: Als die Piraten noch neu und unerfahren im Polit-Geschäft waren und mehr Fragen stellten als Antworten gaben, flogen ihnen die Sympathien und Stimmen ohne viel Zutun nur so zu. Doch dem Höhenflug ist längst der Absturz gefolgt.

„Wir sind offenbar nicht mehr so interessant für die Medien“, stellt Marc Salgert leicht frustriert fest. Im gegenwärtigen Wahlkampf bemüht er sich nach Kräften, zumindest in Aachen wieder mehr Wind in die Segel zu kriegen.

Als Direktkandidat der Aachener Piraten tourt er derzeit durch die Säle, um die Wähler zu überzeugen, dass seine junge Formation den Status der Schmalspurpartei (Internet und Transparenz) hinter sich hat. „Wir sind nicht mehr die lustige Nerd-Partei ohne Inhalt und Programm“, versichert er. „Die Inhalte sind da, wir kriegen sie nur nicht mehr in die Öffentlichkeit gespült.“

Das Internet alleine genügt ganz augenscheinlich nicht, um die Themen unters Volk zu bringen, hat er inzwischen einsehen müssen. Umso schmerzlicher, dass in den klassischen Medien zuletzt die parteiinternen Konflikte mehr Aufmerksamkeit erregten als etwa die für ihn so wichtige Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal der Piraten, ist der Wirtschaftswissenschaftler Salgert überzeugt. Aus seiner Sicht ist es die einzig richtige Antwort auf die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung, in der immer weniger Menschen noch Arbeit finden, von der sie auch leben können.

Der 38-Jährige, der lange als selbstständiger IT-Berater tätig war und zehn Jahre lang Mitglied der FDP war, ordnet die Piraten mit der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen eher dem linken Spektrum zu – allerdings ohne Klassenkampf. Er sieht sich selbst als durch und durch liberalen Menschen.

Da passen die Piraten, zu denen er 2009 während seines Wirtschaftsstudiums gestoßen ist, ideal ins Weltbild. „Wir wollen weg von Parteizwängen und hin zu den Sachthemen.“ Dass die Piraten deswegen von den klassischen Parteien auch als unzuverlässig angesehen werden, passe ins Bild: „In den Augen der Großen stellt die Absage an Fraktions- und Koalitionszwänge eine Gefahr dar.“

Bereits 2012 hat sich Salgert um den Bundesvorsitz beworben – und nach wie hofft er, auf Bundesebene ein gewichtiges Wort mitreden zu können. Das rhetorische Talent und strategische Geschick hat er ohne Zweifel. Realistische Chancen auf den Einzug in den Bundestag hat er hingegen nicht. Dennoch stellt er Zeit und Kraft inzwischen ganz in die Dienste der Piraten. Sollte die Partei den Sprung über die Fünfprozenthürde doch noch schaffen, könnte er sich wohl mit guten Chancen um einen Posten in der Fraktion bewerben.

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