Auch mit 77 Jahren tourt er noch durch die Welt

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Der weltberühmte Klarinettist spielt am Samstag in Aachen: Giora Feidman. Foto: Christian Debus

Aachen. Der weltberühmte Klarinettist Giora Feidman ist trotz seiner 77 Jahre weiterhin auf Tournee durch Deutschland. Am Samstag um 18 Uhr ist „The Giora Feidman Jazz Experience“ in St. Jakob am Jakobsplatz 5 in Aachen zu erleben.

Neben klassischen Stücken von Schubert, Gershwin, Piazzolla sowie zeitgenössischen israelischen Kompositionen spielt Feidman auch traditionelle Klezmer-Musik. Im Gespräch mit Anne Kirchberg verrät Feidman, warum er besonders gerne in Deutschland auftritt.

Welchen besonderen Bezug haben Sie zur Klarinette?

Feidman: Ein Instrument kann immer nur ein Medium sein. Die Musik hat man in seiner inneren Stimme und jedes Instrument, wie eine Geige oder eine Posaune, bringt sie nach außen. Ich habe zur Klarinette gegriffen, da mein Vater sie bereits gespielt hat. Er gab mir das Instrument wie ein Spielzeug und ich konnte mich an ihr ausprobieren. Wäre mein Vater ein Flötist gewesen, würde ich jetzt vielleicht Flöte spielen, wer weiß. Ich denke jedenfalls nicht, dass ein Instrument schöner oder besser ist als ein anderes. Aber für mich ist die Klarinette das Medium meiner Seele!

Wie würden Sie den Klang der Klarinette beschreiben?

Feidman: Nicht als den einer Klarinette, sondern als den Klang meiner Stimme. Da jeder Mensch eine andere Stimme hat, klingt somit auch die Klarinette immer anders.

Neben vielen anderen Projekten spielten Sie die Musik für Filme wie „Schindlers Liste“ ein. Unterscheidet sich Filmmusik sehr von Konzerten?

Feidman: Ja, die Musik für einen Film ist etwas anderes. Dort verwandelt man seinen Atem und seine Stimme in etwas Vorgegebenes, da der Film ja bereits vorhanden ist. Man muss sich an etwas anpassen, was man in diesem Moment sehen kann. Ein Musiker ist deshalb nicht ganz so frei wie bei Konzerten. Ich habe diese Arbeit trotzdem geliebt und fühlte mich sehr geehrt, dass mich diese großen Regisseure dazu eingeladen haben.

Macht es für Sie einen Unterschied, vor vielen oder wenigen Menschen zu spielen?

Feidman: Nein, absolut nicht. Der Papst lud mich 2005 ein und ich trat vor 800.000 Menschen auf. Alles, was ich sagen kann, ist: Man kann immer spüren, dass wir alle eine große Menschen-Familie sind. Für mich war dieser Auftritt wie ein Experiment. Mit dem Ergebnis, dass sobald viele Leute zusammen singen, es sich anhört, wie von einer Person. Ich verändere mich oder meine Art zu spielen nicht, egal ob ich vor 100 oder 2000 Leuten stehe. Es kann ja auch sein, dass dort zwar 1000 Körper sind, aber wesentlich mehr Seelen. Ich spiele nicht für die Körper oder die Gehirne, sondern für die Seelen der Menschen.

Ist das universell verständlich?

Feidman: Ja, das ist eine Sprache für alle Menschen und für vieles weitere, wie zum Beispiel die Blumen. Ich trete auch in Tokio auf, spreche kein Japanisch und überall in der U-Bahn sowie den Hotels muss man mir alles übersetzen. Aber sobald ich auf der Bühne stehe, spielt es keine Rolle mehr für mich, ob ich in Tokio, Berlin oder sonst wo bin. Hier muss niemand übersetzen. Es geht nur um ein Gefühl! Musik ist nichts, das man verstehen muss, sondern etwas, das gefühlt wird.

Wo auf der Erde fühlen Sie sich zu Hause?

Feidman: Glücklicherweise spreche ich die Sprache der Musik und der ganze Planet ist mein Zuhause. Meine Heimat Israel hat jedoch etwas Einzigartiges, sowohl in ihrer Menschlichkeit als auch in ihrer Geschichte. Am zweitmeisten fasziniert mich Deutschland. Ich bin hier zu Hause, weil ich Jude bin. Und mich begeistert die Beziehung zwischen Deutschen und Juden, die nichts mit der Vergangenheit zu tun hat, sondern jetzt in der Gegenwart stattfindet. Natürlich respektieren beide Völker die Vergangenheit und lehren ihre Kinder die Geschichte. Aber wir alle wollen in Frieden leben. Krieg oder sich gegenseitig umbringen, ist niemals eine Lösung. Ich liebe es an Deutschland, wie die Menschen meiner Musik zuhören, wenn ich auf der Bühne stehe.

Das Konzert findet am Samstag statt. In einer ersten Version des Textes war von Sonntag die Rede. Dies ist nun korrigiert.

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