Auch ein Riesenei kann ein Heiligtum sein

Von: Nina Krüsmann
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Präsentieren die Ausstellung „Heiligtümer des Alltags“ in der Citykirche St. Nikolaus: Von links Manfred Körber, Sibylle Keupen (Bleiberger Fabrik), Künstlerin A.M. Can und Dieter Spoo (Citykirche). Foto: Nina Krüsmann

Aachen. Die Ausstellung „Heiligtümer des Alltags“ ist ab Samstag in der Citykirche St. Nikolaus zu sehen. Sie ist eine Kunstaktion zur Heiligtumsfahrt 2014 der Bleiberger Fabrik in Zusammenarbeit mit dem Bistum Aachen.

Ganz persönliche Heiligtümer sind liebevoll in einem nostalgisch-schönen Koffer drapiert. Ein großes Ei ist in einem Nest geborgen. Diese und weitere Objekte und Installationen sind Teil einer Kunstaktion zur Heiligtumsfahrt: Im Nachklang zu der großen Wallfahrt in diesem Sommer haben 20 Gruppen aus dem gesamten Bistum Aachen ihre „Heiligtümer des Alltags“ dargestellt. Die Teilnehmer haben sich gefragt: „Was ist den Menschen heute heilig?“ Was dabei herausgekommen ist, präsentieren die Künstler jetzt in der Citykirche St. Nikolaus.

„Für die vielen tausend Pilger, die im Juni die Heiligtumsfahrt in Aachen miterlebten, haben die Reliquien als Sinnbilder ihres Glaubens im Vordergrund gestanden. Die Tücher sind nun wieder im Marienschrein eingeschlossen“, sagt Dr. Manfred Körber, Leiter der Abteilung Grundfragen und -aufgaben der Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat. Den Gedanken der Wallfahrt fortzuführen, eine zeitgemäße Verhüllung zu zeigen – das war der gemeinsame Ansatz.

Gestartet ist das Projekt bereits im Mai mit den überaus engagierten ersten Interessenten bei der Auftaktveranstaltung im Theater Aachen. Begleitet und unterstützt wurden die Teilnehmer von A.M. Can, Vera Sous, Antonio Nunez, Dominique Muszynski, Aylien Can und Sebastian Schmidt. Entstanden sind textile Arbeiten, Skulpturen und Gemälde. Einige der Kunstwerke präsentieren sich ganz oder teilweise verhüllt, andere zeigen sich ganz offensichtlich.

„Der Funke ist schnell übergesprungen, die Ergebnisse sind spannend und sehr persönlich“, sagt Sibylle Keupen, die Leiterin der Bleiberger Fabrik. Einige erinnern dabei in der Tat an klassische Reliquiare, die durch ein kleines Fenster den Blick auf Knochen oder Blut des Heiligen freigeben. „Statt Knochen und Blut sind in den Kunstwerken allerdings Gegenstände wie Kaffeebohnen oder Salz zu erkennen. Das Salz steht für die bosnische Heimat einer Künstlerin, Kaffeebohnen für den Genuss und die Ruhe am Morgen“, erklärt Keupen. „Was sind Götzen?“ Das haben sich einige Teilnehmer gefragt. Ein weiterer Ansatz war die Frage: „Was ist existenziell?“

„Es ist nicht nur das fertige Produkt, sondern vielmehr der künstlerische Prozess, der die Teilnehmer berührt und gefesselt hat. Das eigentlich entstandene Heiligtum ist der Gruppenprozess, der die Gemeinschaft untereinander gefestigt hat“, betont A.M. Can.

Zu den jüngsten Teilnehmern gehört die vierte Klasse der Grundschule Gerderath. Die älteste Künstlerin ist eine 99-jährige Bewohnerin des Aachener Altenheims St. Elisabeth. Auch der Kinderpflegedienst der Stadt Aachen, der Bibelkreis Immerath, die Pfadfinderinnenschaft St. Georg Aachen und das Aachener Hospiz am Iterbach haben ihre Ideen beigesteuert.

Freunde, Familie, Liebe, Musik, der Fußballverein? – Die Facetten der persönlichen Heiligtümer sind vielfältig. „Und die Citykirche ist genau der richtige Ort für diese Schau. Sich im Advent damit zu beschäftigen, was wichtig, was heilig ist, unbefangen die Exponate zu betrachten, das passt wunderbar“, freut sich Dieter Spoo von der Citykirche.

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