Aachen - Auch der OB findet klare Worte der Kritik für Bombardier-Chefs

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Auch der OB findet klare Worte der Kritik für Bombardier-Chefs

Von: Heiner Hautermans
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Der OB reihte sich ein: Am End
Der OB reihte sich ein: Am Ende der offenen Betriebsversammlung reichte Philipp dem BR-Vorsitzenden Josef Keutz und IG Metall-Chef Franz-Josef Beckers (r.) die Hand zum Ritual: „Wir bleiben!” Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eine Stadt rückt zusammen. Solidarität mit den gegen die Werksschließung kämpfenden Talböttern zeigen nicht nur IHK, Verwaltung und Rat, der am Mittwoch einstimmig einen Aufruf beschließen wird.

Sondern auch Carlita Grass-Talbot, deren Familie die traditionsreiche Waggonfabrik 1995 an Bombardier verkauft hatte, und Konsul und ALRV-Ehrenpräsident Klaus Pavel, mit dem IG Metall-Chef Franz-Peter Beckers im Zusammenhang mit Entlassungen bei Rhein-Nadel schon so manchen Strauß ausgefochten hat.

Dennoch, so Beckers, habe er sich über Pavels Anruf bei ihm sehr gefreut. Carlita Grass-Talbot, die die Dinge sehr bewegten, wird am Mittwoch am Firmensitz an der Jülicher Straße zu den Bombardier-Beschäftigten sprechen: „Auch das ist ein großartiges Signal.” Und Immobilienmaklerin Caroline Reinartz, die am Montag in einem bewegenden Auftritt an das Vorbild des Wehrhaften Schmieds im Kampf der Region Aachen gegen den Weltkonzern Bombardier erinnerte, wurde auf Beckers Vorschlag zur „Ehren-Talbötterin” ernannt.

Einigkeit herrscht aber auch in einer anderen Frage. Kritik an der Bombardier-Chefetage kommt längst nicht nur von Arbeitnehmervertretern. Auch Oberbürgermeister Marcel Philipp, der am Dienstagmittag eine Solidaritäts-Visite absolvierte, fand klare Worte. Seit eineinhalb Jahren habe die Stadt Gespräche mit der Geschäftsführung geführt, habe Kontakte zur RWTH angeboten, um neue Produkte zu entwickeln oder niederländische Partner ins Boot zu holen. „Diese Gespräche waren nichts wert. Diese Möglichkeiten sind immer wieder ausgeschlagen worden.” Immer wieder sei von den Managern gesagt worden, dass ein Schienenfahrzeug erst entwickelt werde, wenn der Auftrag schon eingegangen sei.

Der OB sprach in diesem Zusammenhang von einem Fehlverhalten der Geschäftsführung. „Über diese Entwicklung ist die Stadt sehr enttäuscht.” Die Nachricht von der Schließungsabsicht habe auch ihn unvermittelt getroffen: „Sie stehen in einem Kampf und ich wünsche, dass Sie diesen Kampf gewinnen”, schlug sich CDU-Mann Philipp auf die Seite der Arbeitnehmer: „Sie müssen eine Position aufbauen, dass der Geschäftsführung klar wird: Das wird so teuer für Euch, dass Ihr es besser nicht macht. Hier ist ein Standort, der weiß, was er wert ist.” Der Oberbürgermeister kündigte an, dass auch er versuchen wird, Gespräche mit der Geschäftsführung in Berlin zu führen, bot aber auch jede Hilfe an: „Die Türen der Stadt stehen Ihnen weit offen.”

IG Metall-Bevollmächtigter Beckers zitierte aus dem Brief eines Bombardier-Beschäftigten, der abends erschöpft von der Arbeit kommt, aber stolz in den Spiegel schauen könne: „Du hast etwas bewegt.” Die Auseinandersetzung werde wohl noch lange andauern: „Das Gefühl werden wir noch lange brauchen. Wir haben alle gemeinsam etwas bewegt hier.”

Zunächst schaue man, so Beckers weiter, aber gebannt auf den Donnerstag und das Ergebnis der Wirtschaftsausschusssitzung. Seitens der Unternehmensleitung habe man seit letzter Woche nichts Neues vernommen: „Die Entscheidung fällt in Kanada. Wir haben den Eindruck, dass die Situation in Deutschland dort nicht richtig bekannt ist.”

Die Aufgaben eines Wirtschaftsausschusses

Ein Wirtschaftsausschuss muss nach dem Betriebsverfassungsgesetz in Betrieben mit mehr als 100 Mitarbeitern eingerichtet werden. Der Unternehmer muss ihn regelmäßig, rechtzeitig und umfassend über die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Unternehmens und die Auswirkungen auf die Personalplanung unterrichten.

Dabei hat das Gremium das Recht zur Einsicht in die wirtschaftlichen Unterlagen des Unternehmens. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass wirtschaftliche Zusammenhänge ab einer gewissen Firmengröße derart komplex sind, dass dem Betriebsrat durch ein zusätzliches Gremium Hilfestellung geleistet werden muss.

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