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Auch Denkmalschützer gegen den Bunker-Abriss

Von: Heiner Hautermans
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Die Spuren heftiger Kämpfe sind auch heute noch sichtbar: An der Außenwand des Bunkers zwischen Rütscher Straße und Försterstraße befinden sich zahllose Einschüsse und Krater.

Aachen. Oberst Wilck widersetzte sich dem Befehl Hitlers. Der Führer hatte angeordnet, die Stadt Karls der Großen, den Krönungsort der deutschen Kaiser und „Mahnmal des Germanentums“, bis zum letzten Mann zu verteidigen. Militärisch hatte Aachen eher untergeordnete Bedeutung, die Hauptkampflinie verlief östlich der Stadt am Westwall.

Das Schicksal Aachens wurde freilich nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch bei den Alliierten aufmerksam verfolgt. Es ging darum, den Bann, der die Grenzen des Deutschen Reichs zu schützen schien, zu brechen. Als dann der erst wenige Tage vorher zum Stadtkommandanten ernannte Oberst Gerhard Wilck am 21. Oktober 1944 um 12.05 Uhr vor den durchgebrochenen US-Divisionen die weiße Flagge hisste, hatte das gewaltige Symbolkraft, Fotos und Filme der Ereignisse finden bis heute große Beachtung.

Die Kapitulation Aachens erfolgte im Hochbunker zwischen Rütscher Straße und Försterstraße, der wie in vielen anderen Städten des Reichsgebiets Anfang der 1940er Jahre zum Schutz der Zivilbevölkerung in aller Eile errichtet worden war. Noch heute erinnert eine Mahntafel am Eingang an den historischen Tag: „Hier endet am 21. 10. 1944 für Aachen die Naziherrschaft, und es begannen Freiheit und Demokratie.“

Dieser Bunker war im Bundesbesitz und ist, an eine GmbH im Umfeld des Aachener Investors Norbert Hermanns verkauft worden, der das trutzige Kriegsrelikt abreißen und dort moderne Wohngebäude errichten will. Das ist nur deshalb möglich, weil der Bunker, anders als vergleichbare Gebäude an der Kasinostraße oder Lütticher Straße nicht unter Denkmalschutz steht.

Ausschlaggebend für diese gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland getroffene Entscheidung sei gewesen, dass der Bunker im Inneren nach dem Krieg stark verändert worden sei, weiß Oliver Moritz, Pressesprecher der Bezirksregierung Köln: „Aufgrund der umfangreichen Umbauten ist die Aussagekraft verloren gegangen.“

Anderer Meinung ist Dietmar Kottmann, Schriftführer des Aachener Geschichtsvereins und Vorsitzender der Laurensberger Heimatfreunde. Er hat deshalb Regierungspräsidentin Gisela Walsken angeschrieben und bittet dringend, die Entscheidung der Behörde überprüfen zu lassen: „In Aachen droht ein Objekt, das für die Niederwerfung des NS-Staates von geradezu symbolischer Bedeutung ist und das bislang im öffentlichen Eigentum steht, verloren zu gehen.“

Es sei „nicht verständlich und auch rechtlich befremdlich“, dass der Bunker nicht in die Denkmalliste aufgenommen worden sei: „Wie kann sich der Staat hier selbst aus seiner Verantwortung für ein (der Sache nach unzweifelhaftes) Denkmal der Geschichte des II. Weltkrieges aus der Verantwortung nehmen, während private Denkmaleigentümer demnächst gänzlich ohne Hoffnung auf staatliche Zuschüsse bei außergewöhnlichen Belastungen da stehen?“

Der städtische Rechtsdirektor im Ruhestand irrt sich jedoch in der Annahme, dass die Bezirksregierung noch für den Denkmalschutz zuständig ist. Die Immobilie ist an eine Privatgesellschaft verkauft worden, damit wechselt die Zuständigkeit zur Stadt Aachen als untere Denkmalbehörde. Und die zeigt wenig Neigung, das Verfahren noch einmal aufzurollen.

Theoretisch könnten nämlich der Eigentümer, die Stadt und der LVR noch einmal den Antrag auf Eintragung in die Denkmalliste stellen, bei Differenzen kann es sogar einen Ministerentscheid geben. Da sich der Landschaftsverband jedoch schon einmal dagegen entschieden hat, zeigt sich auch die Stadt desinteressiert. „Der LVR hat sicherlich seine Gründe dafür gehabt“, meint Axel Costard vom Presseamt. Der Bauherr habe ein Anrecht auf die Baugenehmigung, die (inklusive Abrissgenehmigung) bereits erteilt worden sei.

Anwohner des Bunkers hatten sich ebenfalls gegen den Abriss des wuchtigen Gebäudes ausgesprochen. Sie fürchten sich vor monatelangen Lärm- und Staubbelästigungen und haben inzwischen 150 Unterschriften gesammelt.

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