Auch das ist Euregionale: Schule mit Schaufel und Spitzhacke

Von: Amien Idries
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Sarina Hertel sitzt am Steuerknüppel des Kleinbaggers, ihre Mitschülerinnen hantieren derweil mit Schaufeln. In einer großen Gemeinschaftsaktion verschönern junge Leute des Gymnasiums St. Leonhard ihren Schulhof. Die Aktion ist Teil der Euregionale 2008. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Ein Kleinbagger wühlt sich durch das Aachener Erdreich und das Dröhnen eines Presslufthammers erfüllt die Luft. Was wie eine alltägliche Baustellenszene wirkt, wird dann interessant, wenn man einen genaueren Blick auf die Bauarbeiter wirft.

Der Presslufthammer wird von der zierlichen Anna Nyland geführt, und am Steuerknüppel des Baggers sitzt Sarina Hertel. Beide sind Schülerinnen des St. Leonhard Gymnasiums und verschönern im Rahmen des Projekts „SchulenBauenPartnerschaften” den bisher eher tristen Schulhof.

Das Projekt ist Teil der Euregionale 2008 und wurde vom Verein „Stadtoasen” bisher an sieben Schulen durchgeführt. „Uns geht es nicht nur darum, urbane Lebensqualität durch mehr Grünflächen zu verbessern”, so der Biologe Norbert Kuntz, „sondern wir wollen vor allem eigenverantwortliches Handeln stärken.”

So ist zu erklären, dass die Umgestaltung des Schulhofs nicht einfach von Fachbetrieben erledigt wird, sondern ein Großteil der Arbeiten von Schülerhand erledigt wird. Etwa 1000 Arbeitsstunden der Schüler werden bis zur Vollendung in das Projekt fließen.

Während der Projektwoche ist erstmal Schwerstarbeit angesagt. 400 Quadratmeter des Schulhofs gilt es, von seiner Betonhülle zu befreien. Dabei kommen neben dem erwähnten schweren Gerät auch Spitzhacke und Schaufel zum Einsatz. „Wenn ich sehe, mit welchem Engagement die Schüler bei der Sache sind”, zeigt sich Schulleiter Günther Dick begeistert, „bin ich geneigt, von einer pädagogischen Sternstunde zu sprechen.” Vor allem im Hinblick auf die Bildung der Gesamtpersönlichkeit sei die Wirkung eines solchen Projekts nicht zu unterschätzen.

Nach der Projektwoche werden die Arbeiten von Fachfirmen fortgeführt, so dass die Neugestaltung bis zu den Sommerferien abgeschlossen sein wird. „Bis jetzt kann ich mir das Endergebnis noch nicht wirklich vorstellen”, sagt die 17-jährige Anne, die den Presslufthammer kurz zur Seite gestellt hat. Geplant sind ein Kletterbereich, eine Ruhezone mit Liegenetzen und ein Balancierparcours.

In einer anderen Ecke des Schulhofs sind die Arbeiten schon ziemlich weit fortgeschritten. Unter Anleitung des freiberuflichen Kunsttherapeuten Sebastian Schmidt fertigen Schüler eine Mosaikbank im Stile Antoni Gaudis an. Nico Falck, der vorher noch nie eine Maurerkelle in der Hand gehabt hat, trägt gerade die letzte Putzschicht auf, bevor das von den Schülern entworfene Mosaikdesign aufgebracht werden kann.

„Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch Lust zur Gestaltung hat”, so Schmidt, der mit seiner mobilen Kunstwerkstatt Station am St. Leonhardt gemacht hat, „es gilt im Prinzip nur, dieses teilweise verschüttete Potenzial wieder hervorzukitzeln.” Dies helfe den Schülern auch außerhalb des Gestaltungsbereichs, kreativ zu agieren.

Im Hinblick auf das Engagement gibt es jedenfalls kaum etwas zu bemängeln. Auch nach dem „Schichtwechsel” um zwölf Uhr bleiben viele noch da und packen mit an. Sie wissen ja wofür sie es tun.
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