Auch das alte Mauerwerk zeugt von Wallfahrern aus aller Welt

Von: Esra Güner
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Stadtführerin Sabine Mathieu neben der Statue des Heiligen Stephan I. vor der Ungarnkapelle des Aachener Doms, die von ungarischen Pilgern gestiftet wurde. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Auf den ersten Blick scheint es sich beim Eingang zum Domhof am Fischmarkt um ein einfaches Mauerwerk zu handeln. Was viele nicht wissen: An den langen Rillen haben nicht nur die Fischhändler in späteren Jahrhunderten ihre Messer geschärft.

Auch die Pilger pflegten an Wallfahrtsorten, am Mauerwerk der Kirchengebäude zu kratzen und den Staub einzufangen.

Die Rillen gehören zu den vielen Spuren in Aachen, die Pilger als frühe Touristen hinterließen. Ab sofort hilft der aachen tourist service e.V. dabei, sie zu finden: Der Fischmarkt ist eine von siebzehn Stationen einer neuen Pilgerführung, die in das Programm der Stadtführungen aufgenommen wurde. Mit der Heiligtumsfahrt 2014 haben bereits zahlreiche Bürger und Besucher Aachen als Pilgerstadt wiederentdeckt. Damit dieser Entdeckung noch viele weitere folgen, hat Dompropst Helmut Poqué sich etwas Besonderes ausgedacht: Er bat Stadtführerin Sabine Mathieu, eine Pilgerführung zu entwickeln.

Gemeinsam mit den Teilnehmern will Mathieu den Blick für die Pilgerorte schärfen und auch der Begrifflichkeit auf den Grund gehen. Mit einer Pilgerreise, einer „peregrinatio“ ging der mittelalterliche Mensch schließlich bewusst „in die Fremde“. Weshalb aber kamen die Pilger nach Aachen? Welche Reliquien befinden sich hier? Auf diese und viele weitere Fragen gibt Mathieu Antworten, sie will damit gleichzeitig eine Brücke zwischen Stadt und Kirche schlagen. Vor allem ist ihr aber auch der Bezug in die heutige Zeit wichtig. „Es gibt so viele Praktiken, in denen wir unseren Vorfahren ähneln“, stellt sie fest.

Die anderthalbstündige Führung beginnt an der Jakobsmuschel am Fischmarkt und endet auf dem Katschhof, dem Platz im Mittelalter, auf dem die Zeigung der Heiligtümer bis heute verfolgt werden kann. Die Teilnehmer erwarten zudem traurige und amüsante Geschichten rund um den Aachener Dom, von 1349 bis heute. Zum Pilgerrundgang gibt es außerdem ein Begleitheft, in dem auch ein Abstecher zur Propsteikirche St. Kornelius in Kornelimünster gemacht wird.

Neuer Aspekt

Werner Schlösser, Geschäftsführer des aachen tourist service, freut sich über das neue Angebot im Programm. „Nach Führungen rund um Wasser, Öcher Platt und Sagen/Legenden zeigen wir, dass diese Stadt einen Aspekt mehr zu bieten hat“. Seit mindestens 800 Jahren ist Aachen schon ein beliebter Wallfahrtsort. Touren mit Themenschwerpunkten würden ohnehin immer beliebter; längst reiche den Besuchern die einfache Stadtführung nicht mehr aus. Vor allem aber nach der Heiligtumsfahrt rechnet Schlösser weiterhin mit einer Menge an Publikum.

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