Aachen - Attacke mit Machete gibt viele Rätsel auf

Attacke mit Machete gibt viele Rätsel auf

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. „Wir wollten doch nur ins Kino gehen, Herr Richter, warum sollten wir denn Waffen bei uns haben?” Das war die unschuldig klingende und dabei meistgestellte Frage im Strafprozess um einen versuchten Totschlag vor dem Cineplex am Abend des 12. Mai 2009.

Mit der rhetorisch eleganten Frage versuchten beide Parteien, die Anklage- wie die Opferseite, in dem gestern beginnenden Strafprozess vor dem Aachener Schwurgericht zu punkten. Und schließlich wollte ebenso der Vorsitzende Richter Gerd Nohl dringend wissen, wo denn der scharfe, nach Zeugenaussagen etwa 40 Zentimeter lange Macheten-Dolch plötzlich herkam. Mit der Tatwaffe soll der türkischstämmige Levent A. (23) dem jüngsten Mitglied (19) eines albanischstämmigen Brüderquartetts an jenem Abend schwere Kopfverletzungen beigebracht haben.

Das bestritt der Angeklagte A. auch nicht. Er erzählte aber eine Vorgeschichte, die erst zu der Auseinandersetzung geführt habe. „Wir wollten in den Film "International" gehen”,sagte der Abiturient. Dann habe er plötzlich einen von den Brüdern vor dem Kino erkannt.

Einer habe ihn im Jahr 2005 auf dem Parkplatz vor dem Aachener Tierpark mit Waffen (darunter eine Maschinenpistole) bedroht und dann vermöbelt. Die Auseinandersetzung habe er bis heute nicht vergessen können, erklärte er den Richtern. Als A. ihn dann vor dem Kino sah „gab ich ihm eine Faust” - ins Gesicht.

Der Angeklagte sagte, Spetim A. (27) habe kurz innegehalten, dann schnell den vierten Bruder gerufen, Worte wie „pistoja” (Pistole) seien gefallen, Angst vor Schusswaffen sei umgegangen. Und sofort hätten alle drei Brüder („Wir machen dich alle”) in ihrem Taschen nach Waffen gekramt.

Spetim A. habe sofort ein Messer gezückt, der zweite Bruder eine Kette und der Jüngste eine lange schwarze Klinge, eben jene scharfe Machete. Die rang der Angeklagte laut seiner Einlassung dem Jüngsten ab. Damit habe er sich sodann vor der wütenden Brüderschar verteidigt.

Letztlich floh er, als die Brüder Konditionsschwächen zeigten - einen blutigen Treffer habe er nicht bemerkt. Am nächsten Tag hätten ihn die Brüder in der ganzen Stadt gesucht und ihn erneut mit einer Axt bedroht.

Die Bruder-Version

Die Version der Brüder sieht völlig anders aus. Der Faustschlag ins Gesicht sei als nicht so tragisch empfunden worden, erklärte der Getroffene. Seit etwas mehr als einem Jahr hätten alle Brüder dem kriminellen Leben abgeschworen. Der ältere Bruder, heute ein Autohändler, im Zeugenstand: „Wir haben viel Mist gebaut. Das ist aber vorbei. Wir denken jetzt nur an unsere Kinder und Familien.” Spetim A. wollte auch nichts von der schicksalhaften „Begegnung” am Tierpark wissen.


Verteidigerin Martina Nadenau brachte Zeugen in den Saal, die die Schilderung ihres Mandanten eindeutig belegten. Mit dem Strafregister der Brüder kennt sie sich aus, hat sie doch mindestens einen schon vor dieser Sache vertreten. Sie nutzte dies vor Gericht gründlich aus, zum Missvergnügen der Nebenklaganwälte, die eine Interessenkollisionen der Anwältin sehen.

Die Brüder tischten einfache Erklärungsmuster auf: Sie seien aus unerfindlichen Gründen angegriffen worden, zuerst mit der Faust, dann mit der Machete und ihr Jüngster nur glücklich dem Tod entronnen.

Nun steht das Gericht vor völlig gegensätzlichen Aussagen, das Verfahren geht am Montag weiter.
 


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