Aachen - Atomtransport möglicherweise über Aachen

Atomtransport möglicherweise über Aachen

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Bildnummer: 55225786 Datum: 01.04.2011 Foto: montage

Aachen. Es ist nicht auszuschließen, dass ein Transport von plutoniumhaltigen sogenannten MOX-Brennelementen die Stadt Aachen tangieren wird.

Ratsherr Horst Schnitzler von der Unabhängigen Wählergemeinschaft hat in der letzten Ratssitzung eine entspreche Anfrage eingereicht, die nach seinen Angaben weitgehend auf Informationen englischer Atomkraftgegner beruht. Die Stadtverwaltung kann zu den detaillierten Fragen von Schnitzler aber nicht viel sagen und erklärt sich im Großen und Ganzen für nicht zuständig. So bleibt auch die Frage ungeklärt, was passiert, wenn ein derartiger Transport auf Aachener Grund und Boden havariert.

Den Informationen zufolge soll ein derartiger Transport von 16 Brennelementen in drei Lkw aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield über einen belgischen Hafen - möglicherweise schon im März - über Autobahnen in Belgien und NRW zum Atomkraftwerk Grohnde in Niedersachsen transportiert werden.

Zuständig für die Genehmigung eines derartigen Transports ist das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter. Dessen Sprecherin Anja Schulte-Lutz bestätigt, dass ein entsprechender Antrag zum Transport von MOX-Elementen vorliege und derzeit geprüft werde. Über die Dauer dieses Vorgangs könne sie keine Vorhersage machen, ebenso wenig wie über den Transportweg: „Über die Route können wir keine Prognose abgeben.”

Das Bundesamt prüft nämlich, ob die Sicherheitskriterien nach dem Atomgesetz erfüllt sind und die Rechtsvorschriften über die Beförderung gefährlicher Güter eingehalten werden, etwa die Sicherheit der Behälter oder die Zuverlässigkeit des Antragstellers. In die Prüfung der Frage, ob „der Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter gewährleistet ist”, wird die Kommission „Sicherung und Schutz kerntechnischer Einrichtungen” einbezogen, an der die Innenminister der Länder beteiligt sind. Untersucht wird beispielsweise, ob ein öffentliches Interesse der Art des Transports, der Route oder der Zeit entgegenstehe. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, habe der Antragsteller einen Anspruch auf die Genehmigung.

Eines der giftigsten Elemente

In der Regel, so das BfS, werden mehrere Alternativen beantragt, so dass spätestens da Aachen wieder im Rennen sein dürfte.

Die Aufsicht über die Transporte von Kernbrennstoffen obliegt wiederum den Landesbehörden. Welche Route schließlich genutzt wird, legt der Transporteur fest, die Innenministerien haben aber das Recht, Route und Termin zu ändern.

Ratsherr Schnitzler passt jedenfalls die ganze Richtung nicht. Die Beherrschung eines Atomreaktors mit MOX-Elementen sei nämlich noch schwieriger und die Folgen eines GAUs seien noch folgenschwerer als in Fukushima: „Diese Brennelemente stellen bei einem Transport eine erheblich größere Gefahr dar als reine Uranbrennelemente.” Unter anderem könne Plutonium als eines der giftigsten Elemente schon in kleinsten Partikeln zu Krebs führen. Schnitzler will unter anderem wissen, wie die Aachener Bevölkerung geschützt wird und ob Präventivmaßnahmen für den Katastrophenschutz getroffen werden.

An höherer Stelle

Abschließend stellt Schnitzler Oberbürgermeister Marcel Phi­lipp die Frage: „Werden Sie sich -nach heutigem Kenntnisstand der Gefahren - an höherer Stelle dafür einsetzen, dass derartige Atomtransporte untersagt werden?”

Stadtverwaltung erklärt sich für nicht zuständig

Die Stadtverwaltung Aachen erklärt sich nicht zuständig für die Beantwortung der Fragen des Ratsherrn Horst Schnitzler über einen möglichen Atomtransport. Wörtlich heißt es in der Antwort: „Zur Klärung der Fragen wurde mit den Fachbereichen Umwelt, Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen sowie Sicherheit und Ordnung Kontakt aufgenommen. Die genannten Stellen erklärten jeweils, dass keine Zuständigkeit in der Sache gegeben sei.”

Auch der Fachbereich Feuerwehr sei nicht zuständig. Von dort sei auch mitgeteilt worden, dass von dem geplanten Transport nichts bekannt sei und „die Feuerwehr auch vorab nicht über solche Transporte informiert werde”. Eventuell, so die Stadtverwaltung weiter, könne die Nutzung der Straßen in die Zuständigkeit der Städteregion fallen.

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