Art’n Schutz Orchester: Letzte Neujahrskonzerte

Von: Martina Feldhaus
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Sie mögen’s ungewöhnlich: (v.l.) Jürgen Sturm, Ulla Marks und Heribert Leuchter vom Art’n Schutz Orchester haben sich für unser Bild hinterm Bauzaun versteckt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eingefleischte Fans werden es kaum fassen wollen: Seit acht Jahren wissen sie genau, wie sie den Start in ein Neues begehen – mit einem ungewöhnlichen Konzert, mit kreativer Jazzmusik und mit Uraufführungen komponiert von Aachener Jazz-Künstlern.

 Doch jetzt, am kommenden 1. und 2. Januar, spielt das Art’n Schutz Orchester rund um Heribert Leuchter, Ulla Marks alias Anirathak, Jürgen Sturm, Uli Jend, Ludger Singer, Lothar Galle und Hans Günter Eisele zum letzten Mal seine beliebten Neujahrskonzerte.

Gründung im Sommer 2004

„Wir haben uns entschieden aufzuhören, wenn es am schönsten ist, und nicht, wenn es nicht mehr so gut läuft“, begründet Gitarrist Jürgen Sturm die Entscheidung. Dass es einmal nicht mehr so laufen könnte – danach sah es seit Gründung des Ensembles als Werkstattorchester des Aachener Labels Luxaries im Sommer 2004 jedoch bisher kaum aus.

Eine verlässliche Zuhörergemeinde aus Nah und Fern reiste stets zu Jahresbeginn an, um in der Klangbrücke des Alten Kurhauses den alten Lieblingsstücken und neuen Kompositionen von Leuchter, Singer, Sturm und Jend zu lauschen, die sie gemeinsam mit dem Rest von Art’n Schutz „zwischen den Jahren“ arrangiert haben. Das Besondere: Jedes Jahr gab es echte Uraufführungen, und jedes Jahr durften die Zuhörer den Zauber jazziger Improvisation erleben. Das kam an bei „ihrem“ Publikum, sagt Heribert Leuchter rückblickend.

An anderer Stelle aber vermissen er und die anderen Künstler eine positive Resonanz – und zwar bis heute. Leuchter: „Die Idee unseres Orchesters war es, das Aachener Musikleben zu bereichern. Wir wollten einen Anstoß geben für mehr Vielfalt. Daher auch der Name Art’n Schutz.“ Doch eine entsprechende Nachfrage von außen sei über die ganze Zeit ausgeblieben – etwa von Seiten der Stadt. So habe diese nur ein einziges Mal auf das schöpferische Potenzial des Ensemblemitglieder zurückgegriffen, beim grenzüberschreitenden Festival „Across the Borders“. „Es wird insgesamt stark auf kulturelles Establishment und Mainstream-Kunst gesetzt“, erklärt Leuchter. „Unsere musikalische Kunst wird nicht beachtet.“

Er und die anderen sind sich einig: Sie liefern hohe Qualität und sind als Künstler prinzipiell auch idealistisch unterwegs. „Aber wir müssen von unserer Musik auch leben können“, erklärt Jürgen Sturm. „Und auf Dauer haben wir einfach nicht die Mittel und die Kapazitäten, um so anspruchsvolles Konzerte wie zu Neujahr ganz alleine auf die Beine zu stellen“, schließt Leuchter an. Schließlich hätten die Musiker alles selbst organisiert – vom Kartenvorverkauf bis hin zum Wasserkästen schleppen. Ein hoher Einsatz, der sich eine Zeit lang lohnte, aber der für die Art’n Schutzler nicht dauerhaft zu stemmen war.

In den vergangenen Monaten haben sich Ensemblemitglieder deshalb immer wieder darüber unterhalten, ob und wie lange sie noch weitermachen wollen. Ulla Marks, die als Jazz-Sängerin Anirathak in Aachen sehr bekannt ist, nahm schließlich das Heft des Handelns in die Hand. „Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht, uns also gefragt: Was stecken wir rein und was kommt am Ende raus?“ Das Ergebnis: Der Input an Zeit, Geld und kreativem Schaffen sei einfach zu groß gewesen. Marks: „Wir hätten uns mehr Support gewünscht, um auch wachsen zu können, etwas Größeres zu schaffen. Doch das Signal von städtischer Seite war klar: Mehr Unterstützung gibt es nicht.“

Fehlende Wertschätzung

Das Wort Wertschätzung spielt in diesem Zusammenhang für Marks und die anderen eine große Rolle. Oder vielmehr: fehlende Wertschätzung – für ihre einzigartige Musik. Denn covern gibt’s bei den sieben Art’n Schutz-Jazzern nicht, nur Eigenes, das sich im Prozess des Muszierens stets verändern kann. Seit knapp 30 Jahren kennen sich die meisten Mitglieder, sie alle fühlen sich beim Labels Luxaries gut aufgehoben. Was sie alle eint, ist „das Vermögen gemeinsam Musik zu machen“, wie Heribert Leuchter es formuliert. Und dazu gehöre jede Menge Vertrauen.

So ist auch die Entscheidung, nach dem 1. und 2. Januar Schluss zu machen, eine gemeinsame gewesen. Den Schritt tun sie ohne Groll und schon gar nicht deprimiert. Die Künstler freuen sich auf neue Herausforderungen und Projekte. Einer von ihnen, Ludger Singer, plant sogar schon für Neujahr 2014 bereits etwas – ebenfalls in der Klangbrücke. Das Konzept steht bislang nur sehr grob: Mehrere kleine Ensembles sollen zusammen spielen, miteinander interagieren und sich vermischen. Natürlich sind auch Musiker von Luxaries dabei. Von Resignation kann also überhaupt nicht die Rede sein. Schließlich ist auch das Art’n Schutz Orchester vorerst nur in Warteschleife, wie Marks sagt. „Wenn uns jemand will, kann er sich gerne melden.“

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