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Art‘n Schutz: Aachen verliert einen Teil seiner musikalischen Vielfalt

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:
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Das Art‘n Schutz Orchester sagt „Tschö wa!“ Mit einem gewohnt vielseitigen Programm lud der Klangkörper letztmals zum Neujahrskonzert. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es ist fast so etwas wie Tradition, wenn das Art‘n Schutz Orchester am Neujahrstag die Bühne betritt. Eine Tradition, die dieses Jahr endet, denn nach nun mehr acht Jahren trennen sich die Musiker in dieser Formation.

Zum Abschluss prägten auch in diesem Jahr ungewohnte Klänge in der voll besetzten Klangbrücke die Atmosphäre. Den Ball in die Zukunft rollen lassen, das wollen die sieben Musiker, auch wenn er nicht mehr so rollt wie bisher. So ein bisschen war das auch das Thema ihres ersten Stückes, dessen Hauptgegenstand die noch vorhandene Rente war. Für Rente ist es sicherlich für das Orchester noch zu früh, aber die Gesellschaftskritik war nicht zu überhören.

Alle Stücke des Orchesters sind selbst komponiert, viele davon stammen aus der Feder von Luxaries-Records-Gründer Heribert Leuchter. An diesem Abend spielt er Sopran- und Baritonsaxophon. Überhaupt bietet die Gruppe besonders viele Saxophone, denn auch Uli Jends jazzige Töne aus dem Sopran- und Altsaxophon bereicherten ein klangliches Spektrum, welches es in dieser Art nicht häufig gibt.

Beinahe dadaistisch kamen zuweilen die Texte daher, zumindest dann, wenn Sängerin Anirahtak nur noch aneinandergereihte Laute ihrer Kehle entlockte. Doch ihre Stimme konnte auch an diesem Abend dunkel, sanft und weich an den einzelnen Tönen kleben und romantisch-verträumte Bluesmelodien von Saxophon und Gitarre versüßen.

Durch das Programm führte in weiten Teilen Jürgen Sturm, der selbst auch Stücke, wie etwa „Das Graslied“ komponierte. Seinen bestechend klarer Gitarrensound konnte man dank der überaus guten Akustik der Klangbrücke Ton für Ton hören, selbst dann, wenn die Töne ins Absurd-Disharmonische abdrifteten und sich zu einem grotesken Sound mit den anderen Instrumenten vereinigten. Aber auch das Experimentieren mit Klang ist Teil der Musik des Art‘n Schutz Orchesters. Da fanden auch ausgiebige Schlagzeugsoli ihren Platz, die man sonst eher in anderen Musikrichtungen vermutet und auch hier kann die Gruppe mit Hans Günter Eisele einen Musiker vorweisen, der genau weiß, wann er welches der zahlreichen Percussioninstrumente einsetzen muss. Im Rhythmus unterstütze ihn am Bass Lothar Galle-Merkel.

Dass ein Flügel ein Tasteninstrument ist, wissen wohl die allermeisten. Dass man es aber auch gut zupfen kann, bewies Ludger Singer, als er in den Korpus des Instrumentes hineingriff und die Saiten per Hand zum Klingen brachte. Es war ein langes Konzert, aber mit vielen interessanten Eindrücken, Aachen verliert mit dieser Tradition sicherlich auch einen Teil seiner musikalischen Vielfalt.

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