Aachen - Archäologische Funde am Kapuzinergraben: Investor muss warten

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Archäologische Funde am Kapuzinergraben: Investor muss warten

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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In der Baugrube haben die Archäologen Teile der Barbarossamauer und einer Befestigungsanlage aus dem 12. Jahrhundert sowie ein römisches Wohnhaus gefunden. Deshalb müssen die Mitarbeiter des Grabungsunternehmens den Boden mit viel Gefühl untersuchen, um eventuelle Funde nicht zu zerstören. Foto: Andreas Herrmann
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In der Baugrube haben die Archäologen Teile der Barbarossamauer und einer Befestigungsanlage aus dem 12. Jahrhundert sowie ein römisches Wohnhaus gefunden. Deshalb müssen die Mitarbeiter des Grabungsunternehmens den Boden mit viel Gefühl untersuchen, um eventuelle Funde nicht zu zerstören. Foto: Andreas Herrmann
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In der Baugrube haben die Archäologen Teile der Barbarossamauer und einer Befestigungsanalge aus dem 12. Jahrhundert sowie ein römisches Wohnhaus gefunden. Deshalb müssen die Mitarbeiter des Grabungsunternehmens den Boden mit viel Gefühl untersuchen, um eventuelle Funde nicht zu Foto: Andreas Herrmann
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Stützmauer der Wehranlage

Aachen. Die Landmarken AG wird sich noch ein wenig gedulden müssen: Während die Bauarbeiten für das Motel One und auch das geplante Appartementhaus zwischen Kapuzinergraben und Elisabethstraße nach den archäologischen Untersuchungen einigermaßen pünktlich begonnen haben, müssen die Planungen für das Büro- und Geschäftshaus links von der ehemaligen Dresdener Bank überarbeitet werden.

Der Grund: Eine wahre Schatzgrube hat sich den Stadtarchäologen und Denkmalpflegern dort auf einer Fläche von etwa 15 mal 30 Metern aufgetan. Knapp drei Wochen gräbt man jetzt schon und findet immer mehr.

Wie eine kleine Szene von der Baustellenbegehung für die Presse zeigt: Während Stadtarchäologe Andreas Schaub Skizzen hochhält und Grabungsleiterin Sabrina Wittka von „Goldschmidt Archäologie & Denkmalpflege“ auf Mauerreste deutet, drückt ihr ein Mitarbeiter ein tönernes Püppchen ohne Kopf und Beine in die Hand. Gerade ausgegraben, wahrscheinlich mittelalterlich. 60 Fundstellen wurden bislang bereits mit gelben Schildchen markiert. Wie viele noch dazukommen, ist im Moment kaum abzuschätzen.

Doch nicht das Püppchen und auch nicht der tönerne Becher sind sensationell. „Wir haben nicht nur ein Stück der Barbarossamauer, sondern einen vollständigen Teil der Befestigungsanlage aus dem 12. Jahrhundert gefunden“, frohlockte Schaub über den viel größeren Schatz. Will sagen: Überreste der inneren Stadtmauer sowie des Grabens und der Konter-Eskarpe – so nennt sich die äußere Stützmauer im Graben – und zudem eine Damm-Eskarpe, die quer zum Graben verläuft.

Einzig die Eskarpe, die Stützmauer an der Stadtmauerseite, wurde bislang nicht gefunden. „Finden wir datierbares Material, wissen wir möglicherweise bald, wann der Graben verfüllt wurde“, freute sich Schaub auf zukünftige Erkenntnisse.

Nach Studium von Karten mutmaßt er zudem, dass die Damm-Eskarpe die kanalisierte Pau als Frischwasserversorgung im Bogen von der heutigen Elisabethstraße über den Kapuzinergraben aus der ersten Stadtbefestigung hinaus in die neuen Stadtviertel innerhalb der 150 Jahre später entstandenen zweiten Stadtmauer leitete.

Dort, wo Wittka eigentlich die Eskarpe vermutete, stieß ihr Team hingegen auf etwas ganz anderes, ebenso Überraschendes: Überreste eines römischen Wohnhauses aus dem 2. Jahrhundert. Und zwar in einem Gebiet, das die Stadtarchäologie bislang noch nicht zum römischen Siedlungsgebiet gezählt hatte. „Damit ist unser bebautes römisches Aachen größer geworden. Bisher haben wir die Grenze am Elisengarten gezogen“, so Schaub.

Das alles ist so bedeutend, dass die Leiterin der städtischen Denkmalpflege, Monika Krücken, kurzerhand die vorläufige Eintragung der Grabungsfunde in die Denkmalliste der Stadt veranlasst hat – in Absprache mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR). „Dieser besondere Einblick in die Siedlungsstruktur und die technische Infrastruktur ist bedeutend für die Menschheit und deshalb erhaltungswürdig“, erklärte sie.

Das bedeutet für den tatsächlich etwas überraschten Investor: Abwarten, was noch kommen wird und anschließend die Pläne in Absprache mit der Denkmalpflege anpassen. „Wir werden das Bürohaus aber auf jeden Fall bauen. Und jetzt Ideen entwickeln, wie wir das Bodendenkmal erhalten und möglicherweise auch sichtbar machen können“, reagierte Nils Perpeet von der Landmarken AG dennoch relativ gelassen.

Glasscheiben könnten da zum Einsatz kommen oder auch technische Möglichkeiten. „Wir haben mit dem LVR bereits vereinbart, dass die ganze Ausgrabungsstätte für spätere Visualisierungsprojekte in 3D dokumentiert wird. Das ganze Ausgrabungsgebiet wird man nicht sichtbar lassen können“, kennt Schaub auch die Grenzen der Denkmalpflege.

 

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