Anwohner: Kopfsteinpflaster soll bleiben

Von: Werner Czempas
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Kopfsteinpflaster
Die Promenadenstraße soll nach Ansicht der Anwohner ihren Charakter behalten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es sieht ganz danach aus, als ob der Ausbau der Promenadenstraße vor dem Kadi landet. Verärgerte Anwohner jedenfalls verließen schimpfend den Sitzungssaal der Bezirksvertretung Aachen-Mitte. Im Hinausgehen ließ Sprecher Jörg Polzin die Politiker nicht im Unklaren: „Da bleibt uns nur der Klageweg.“

Und der scheint auf den ersten Blick nicht so aussichtslos. Was ist geschehen? Am 19. Juni dieses Jahres beschloss die Bezirksvertretung Mitte, die Promenadenstraße auszubauen. Weil die Stawag dort Gas-, Wasser- und Fernwärmeleitungen verlegt, sah die Stadt die Chance, sich in einem Aufwasch mit eigenen Arbeiten direkt anzuhängen.

Um immer wieder brenzlige Situationen zu entschärfen, sollen die Radfahrer vom Gehweg runter. Der Bürgersteig wird einen Meter breiter. Das Kopfsteinpflaster wird entfernt und die Fahrbahn asphaltiert. Asphalt sei komfortabler für die Radler, schütze die Anwohner vor Verkehrslärm und sei billiger zu bauen und zu unterhalten.

Wer es von den Anwohnern nicht den Medien entnommen hatte, konnte von alldem erst am 14. August erfahren. Zu diesem Tag hatte die Stawag das Viertel eingeladen, ihre Arbeiten zu erläutern. Flugs schloss sich die Stadt der Bürgerinformation an.

Wohlgemerkt: Die Anwohner wurden von der Verwaltung über etwas informiert, was die Bezirksvertretung schon zwei Monate zuvor festgeklopft hatte. Der Vorschlag der SPD, zumindest im Kreuzungsbereich Gasborn-Promenadenstraße das historische Kopfsteinpflaster zu erhalten, war abgelehnt worden.

In der Runde am 14. August kam denn auch prompt Widerspruch der Bürger auf. Ein Asphaltbelag mache die Promenadenstraße zur Rennbahn und zerstöre das historische Straßenbild. In der Sitzung der Bezirksvertretung vorgestern überreichte eine Abordnung ein in knapp drei Wochen gesammeltes dickes Unterschriftenpaket „Promenadenstraße soll Promenadenstraße bleiben“. Rund 1300 „Freunde und Anwohner“ der Promenadenstraße sprechen sich darin gegen den Asphalt und für das alte Kopfsteinpflaster aus, „damit unser gewachsenes Viertel nicht kaputtsaniert wird“ .

„Zugegebenermaßen“ sei der Ablauf der Baumaßnahme mit der Information der Bürger „zeitlich eng“ geraten, räumte die Verwaltung ein. Regina Poth, Abteilungsleiterin Straßenbau, versuchte tapfer zu retten, was möglicherweise nicht mehr zu retten ist: Dass die Stawag einlade, die Stadt sich anschließe und die Bürger erst informiert würden, nachdem die Politik beschlossen habe, sei „normalerweise nicht unsere Vorgehensweise“.

Aber: Die Stawag sei in Handlungszwang geraten durch einen privaten Investor, der sein großes Gebäude an der Promenadenstraße umbauen und an die Fernwärme anschließen wolle. Was die Stawag genutzt habe, gleichzeitig Kanal- und andere Leitungen zu erneuern. Das wiederum sei die Chance für die Stadt, im direkten Anschluss die Promenadenstraße umzugestalten.

Einen erfahrenen Kommunalpolitiker wie den SPD-Ratsherrn Heiner März konnte diese Argumentation nicht beeindrucken. „Das heißt doch, dass wie jetzt im Fall Stawag der Bürger keine Chance hat, mitzusprechen. Dann hätten wir ja eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei der Bürgerbeteiligung. Das darf nicht sein. Nur weil die Stawag rangeht, sind die Bürger jetzt gekniffen. Das ist nicht gut gelaufen. Die Bürger wollen ihre Straße so erhalten wie sie ist“, tadelte März.

Die Stawag habe „plötzlich“ handeln müssen, hielt Regina Poth noch einmal dagegen. In 95 Prozent ihrer Arbeiten sei das nicht der Fall. Im Schnitt 30 gemeinsame Baumaßnahmen Stawag-Stadt pro Jahr würden „vorher abgestimmt“. Bezirksbürgermeister Achim Ferrari meinte, „neue Erkenntnisse“ sehe er beim Ausbau der Promenadenstraße auch durch die Unterschriftenliste nicht.

Was möglicherweise Regina Poth aufs juristische Glatteis schliddern ließ, indem sie arglos in die Runde fragte, ob es in der Bezirksvertretung denn einen anderen Beschluss gegeben hätte, wenn die Politiker vom Wunsch der Bürger gewusst hätten, das alte Kopfsteinpflaster zu behalten. „Das weiß doch keiner“, antwortete Heiner März.

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