Aachen - Anwohner fürchten Kosten der Straßenerneuerung

Anwohner fürchten Kosten der Straßenerneuerung

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
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Straßenerneuerung: Im Mühlental zahlen die Anlieger. Foto: H. Krömer

Aachen. Wer zahlt schon gerne anteilige Kosten in Höhe eines Urlaubsbudgets, nur weil die Stadt vor seiner Haustür die Straße erneuert. Das aber ist in der Straße Mühlental in Burtscheid der Fall. Die Stadt bittet zur Kasse.

Von der Salierallee aus zieht sich die Straße Mühlental als Tempo-30-Zone anfangs in einer sanften Linkskehre durch die ehemalige belgische Militärsiedlung „Bastogne City” Richtung Eckenberger-/Neustraße/Krugenofen.

Die alten Belgier-Häuser reihen sich schmuck herausgeputzt aneinander. Hier und da ein pastellfarbener Tupfer. Kein Prachtboulevard, aber ein angenehm ruhiges Viertel.

Weniger schön ist die alte Straße. Sie stammt noch aus den 60er-Jahren. Flickenteppich geht in Flickenteppich über, die Fahrbahn ist rissig und porös, die Platten der breiten Gehwege wackeln hubbelig, die Straßenrinne liegt zerfranst.

So ein in die Jahre gekommenes Stück kann nicht mehr instand gesetzt werden, sagt die Stadt, die Straße muss komplett „nachmalig erneuert” werden.

Und auch die Rechtsprechung ist sich einig: Zwischen 25 und 30 Jahre alte Straßen sind zu erneuern. Mühlental hat schon mehr als 40 Jahre auf dem Pflaster. Die Stadt will im Spätsommer mit den Arbeiten beginnen, Bauzeit vier Monate.

Das kostet. Bei einer durchschnittlichen Grundstücksgröße von 200 Quadratmetern werden rund 2500 Euro für jeden der 75 betroffenen Eigentümer fällig, schätzt die Stadt.

Konkrete Zahlen kann sie erst in zwei Monaten präsentieren. Die Stadt kassiert, weil Landesgesetze wie etwa das Kommunalabgabengesetz solche Anliegerbeiträge vorschreiben.

Um auch die Bürger mit einzubeziehen, hatte der städtische Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen zu einer freiwilligen Bürgerinformation eingeladen.

Fast 100 „Mühlentaler” kamen in der Aula der nahen Gemeinschaftshauptschule Burtscheid zusammen.

Fachbereichsleiter Uwe Müller erläuterte zunächst die Planung: neuer Asphalt, teilweise neue Bordsteine, neue Betonplatten für den langen Parkstreifen, neue Platten fürs Trottoir, an den Straßeneinmündungen große Aufstellflächen, so dass sich die 6,6o Meter breite Straße dort auf 4,60 Meter verringert, was vor allem Senioren und Kindern dienen soll.

Sechs neue Bäume sollen gepflanzt werden und die Straße so auch optisch gliedern. An der Einmündung Salierallee soll ein „Baumtor” dem Autofahrer signalisieren: Achtung, Wohnviertel!

Solche Dinge interessierten zwar, aber den Bürgern ging es in erster Linie um die Finanzen. Die meisten müssen nach kostspieliger Renovierung ihre in „Bastogne City” erworbenen Häuschen noch abzahlen.

So entwickelte sich eine rege zweistündige Diskussion, in der es den Mühlentalern vor allem darum ging, dass die Stadt „kostengünstig nur erneuert, was wirklich nötig ist”.

„Warum die Bäume?”, wurde gefragt, „wir haben alle Bäume” Doch die paar Bäume, versicherte Verkehrsexpertin Regina Poth, seien nicht kostenwichtig.

In den vergangenen Jahren sei zu viel Flickschusterei betrieben worden, kritisierten andere, „jetzt wird alles als Erneuerung erklärt, nur um uns zur Kasse bitten zu können”. Oder: „Warum haben Sie die Straße nicht gemacht, bevor die Belgier-Häuser verkauft wurden? Durch die Straße Mühlental bretterten heute schon viele Busse und Lkw und Autos „von überall her”, so Beobachter, werde sie bei einem Ausbau nicht erst recht zur schnellen Verbindung zwischen Salierallee und Krugenofen?

Bei aller Kritik und finanzieller Besorgnis gedieh der Abend dennoch zu einer fruchtbaren Runde. Die Stadt bot mit Uwe Müller, Regina Poth, Ralf Niederhäuser und Stefanie Küpper aber auch ein bürgernahes Quartett auf. Niederhäuser: „Wir sind darauf bedacht, dass es preiswert wird. Niemand wird über den Tisch gezogen.” Die Stadt bietet an, für die Beiträge Ratenzahlungen über zwei Jahre zu vereinbaren. Uwe Müller riet den Bürgern, sich vor den entscheidenden Sitzungen der Bezirksvertretung Mitte und des Verkehrsausschusses im März an die zuständigen Politiker zu wenden und ermunterte zusätzlich: „Rufen Sie uns einfach im Amt an!”
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