Anwälte feiern starkes Stück Rechtsgeschichte

Von: az
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Freude über das 100-Jährige am Freitagnachmittag im Sonnenschein (vor dem späteren Gewitter): Auch Peter Blumenthal (links), Präsident der Anwaltskammer Köln, gratulierte Kanzlei-Geschäftsführerin Susanne Meyer und Seniorchef Professor Dr. Kurt Vogel (rechts). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Rund 200 Gäste feierten am Freitag mit einem Sommerfest ein starkes Stück Aachener Rechtsgeschichte. Die Anwaltskanzlei Sina – Maassen hatte zu ihrem 100-jährigen Bestehen geladen. „Wir sind stolz, auf eine so lange Zeit zurückblicken zu können. Gleichzeitig ist dies für uns auch Ansporn, das weiterzuführen, was die verehrten Kollegen geschaffen haben“, so die Begrüßung von Geschäftsführerin Susanne Meyer.

Letztere sind im Rückblick Kanzleigründer Heinrich Kutsch anno 1913, schließlich dessen Sohn Walter Kutsch sowie Günter Kern, Dr. Peter Sina und Dr. Walter Maassen (siehe Kurzchronik in der Infobox).

In Anwesenheit von Peter Blumenthal, Präsident der Rechtsanwaltskammer Köln, sowie Thomas Polhammer, Vorsitzender des Aachener Anwaltsvereins, würdigte Kanzlei-Senior Professor Dr. Kurt Vogel nicht nur die Verdienste der Sozietäts-Vorfahren, sondern auch den Wandel des Berufsstandes: „Der Einzelanwalt, der Generalist von damals“, sei heute in großen Kanzleien „durch den Spezialisten abgelöst worden.“ Dies halte er „für die wesentlichste Änderung in den letzten Jahrzehnten“. Dem gegenüber stehe auch die Wandlung der Bürotechnik. Vogel: „Deren Fortschritt hat unsere Arbeit ebenso tiefgreifend verändert wie die Spezialisierung.“

Schon träumte dessen jüngster Kollege Dr. Thorsten Wellens in seiner Ansprache „vom rein digitalen, papierlosen Büro“. Mit Risiken für die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht? Denn gleichzeitig gab der 34-Jährige auch die Diskussion um „die Abschöpfung des E-Mailverkehrs durch Geheimdienste“ zu bedenken. Die Frage sei mittlerweile, „ob sensible Kommunikation zukünftig nur noch nach vorheriger Verschlüsselung möglich ist“.

Präsident Blumenthal warf einen kühnen Blick in die Zukunft einer Anwaltskanzlei 2030 und deren Anforderungen: „Der Wettbewerbsdruck, auch international, wird zunehmen. Die Vielfalt der Kanzleien steigt, das Wissensmonopol der Anwälte schrumpft. Die technologische Entwicklung wird zum zentralen Treiber für die Anwaltschaft, der Zugang zum Recht verändert sich.“ Mehr denn je werde unternehmerische Kompetenz gefordert – sicher sei er, dass Sina–Maassen auch 125 Jahre feiern werde.

Bei der Gründung der Kanzlei 1913 standen noch zwei Weltkriege bevor. Ein Beispiel ganz anderer Kommunikation der Rechtspflege zu dieser Zeit – ohne Handy, Kopierer, Fax, Auto – ist von Rechtsanwalt Heinrich Kutsch überliefert, einem auch im Dritten Reich als unerschrocken geltender Strafverteidiger. Als einer seiner Mandanten wegen Betruges (!) die Todesstrafe erhalten hatte, schrieb der kahlköpfige Kämpfer sofort nach dem Urteil im Gerichtssaal ein Gnadengesuch und schilderte dabei das Schicksal der herzkranken Frau des Verurteilten.

Lebensrettender Einsatz

Alsdann lief er zum Aachener Hauptbahnhof und drückte dem Lokführer des Zuges nach Köln den Brief in die Hand. Der dampfte mitsamt letzter Hoffnung davon und übermittelte das Papier umgehend dem Generalstaatsanwalt. Die Aktion rettete dem Mandanten das Leben, das Gesuch hatte Erfolg.

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