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Antoniusstraße: Die FDP will kein Bordell in Kita-Nähe

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Liberale fordern weiter eine Verlagerung der Rotlichtmeile von der Antoniusstraße an den Stadtrand. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es ist wie der Kampf von David gegen Goliath, und die FDP will ihn einfach nicht verloren geben: Die dreiköpfige Ratsfraktion setzt weiterhin alles daran, die Antoniusstraße von den Bordellen zu befreien. „Da gehört kein Puff hin“, sagt der liberale Ratsherr Peter Blum.

Wer das jetzt nicht einsehen wolle, zementiere in bester Innenstadtlage einen Rotlichtstandort mit all seinen negativen Folgewirkungen „für die nächsten hundert Jahre“, warnt er.

Anlass für den neuerlichen Vorstoß sind die großangelegten Planungen für ein neues Altstadtquartier, das vom Büchel bis zur Großkölnstraße reichen soll. Im Zuge dessen wird nicht nur das marode Parkhaus verschwinden, auch der Sperrbezirk soll ausgeweitet werden. Viele alteingesessene Bordellbetriebe sollen verschwinden und Platz machen für neue Wohnungen, Geschäfte sowie neue Fußwege und Plätze.

Das Rotlichtmilieu soll sich auf einen eng abgesteckten Raum in Richtung Mefferdatisstraße konzentrieren. Um der Nachfrage der Freier dennoch gerecht zu werden, ist ein mehrstöckiges sogenanntes Laufhaus geplant.

Bessere Kontrolle

Schon aus Sicherheitsgründen soll das Milieu nicht in städtische Randlagen abgedrängt werden, sagen die Befürworter. In der Innenstadt gebe es mehr soziale Kontrolle, auch könnten die Arbeitsbedingungen für die Frauen in einem modernen Laufhaus verbessert und besser überwacht werden. Von der CDU bis zu den Linken reichen daher die Stimmen derer, die die jahrhundertealte Geschichte der „Hurengasse“ Antoniusstraße weiterschreiben wollen.

„Dafür fehlt unserer Fraktion jedes Verständnis“, sagt hingegen Blum, der sich auch durch die jüngst aufgekommene Diskussion um einen Kita-Standort bestätigt sieht. So hat sich die städtische Verwaltung kürzlich gegen einen Kita-Bau in Bordellnähe ausgesprochen, was für viel Unmut in der Politik sorgt, die eine weitere Kita in diesem Innenstadtbereich für dringend nötig hält.

Auch die FDP sieht das so. Nicht auf eine Kita, sondern aufs Bordell müsse man daher verzichten. „Wer will denn dort seine Kinder anmelden“, fragt Blum, der sich aber auch ansonsten Sorgen um die weitere Innenstadtentwicklung macht. Er stellt sich rund um die Antoniusstraße ein attraktives Viertel mit kleinen Boutiquen, Geschäften und Restaurants vor, das zugleich einen hohen Wohnwert habe. All dies werde aber torpediert von einem horizontalen Gewerbe, das einem nicht gerade das Gefühl von Sicherheit und Sauberkeit vermittle.

Viele andere Städte hätten daher längst die Rotlichtviertel ausgelagert. Entsprechende Ausweichquartiere am Rande der Innenstadt gebe es auch in Aachen, konkrete Standorte will Blum allerdings nicht nennen.

Die Kita-Diskussion zeige ihm, dass es für Umplanungen noch nicht zu spät ist, meint Blum. Die FDP will möglichst noch in diesem Jahr einen Antrag auf Auslagerung des Rotlichtviertels einbringen. Das Grundstück für das an der Antoniusstraße geplante Laufhaus soll alternativ für sozialen Wohnungsbau genutzt werden.

Ungeklärte Rechtsfragen

Für vergleichbare Anträge hat die FDP bislang zwar nie eine Mehrheit gefunden. Aufgeben will sie dennoch nicht. „Es gibt viele Befürworter unserer Forderung auch in anderen Fraktionen“, ist Blum überzeugt, „die trauen sich nur nicht aus der Deckung.“

Die FDP ist allerdings überzeugt, ein weiteres gewichtiges Argument auf ihrer Seite zu haben. Nur eine Komplettverlagerung der Bordellbetriebe sei rechtssicher. Wer einzelne Betriebe weiterlaufen lasse, andere aber schließen wolle, riskiere eine Klagewelle, warnen die Liberalen.

Für die Ratsmehrheit bekräftigt hingegen CDU-Planungspolitiker Alexander Gilson, an den Laufhaus-Plänen aus guten Gründen festhalten zu wollen. Eine Auslagerung würde vermutlich auch an der zu erwartenden Gegenwehr der dann betroffenen Anwohner in den Außenbezirken scheitern.

Gilson gesteht jedoch zu, dass das Thema überaus komplex sei – und auch deswegen mit einer schnellen Verwirklichung all der schönen Pläne nicht zu rechnen ist. Noch seien ja nicht mal Architekten mit konkreten Planungen beauftragt.

Gut möglich also, dass nicht nur in der Antoniusstraße noch ein Weilchen auf voller Länge alles beim Alten bleibt, sondern dass auch das Parkhaus Büchel, das bereits vor Jahren abgerissen werden sollte, noch zum Weihnachtsmarkt 2017 angesteuert werden kann.

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