Aachen - Anne-Frank-Gymnasium kooperiert mit der Akademie Vogelsang

Anne-Frank-Gymnasium kooperiert mit der Akademie Vogelsang

Von: Martina Stöhr
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Die Kooperation mit der Akademie Vogelsang ist besiegelt: von links Sabine Weber, Stefan Wunsch, Caroline Maiß, Schulleiter Wolfgang Gurzan, Gerd Weidner und Katja Meyer. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Burg Vogelsang war ein Ort der gelebten Menschenfeindlichkeit“, sagte Stefan Wunsch, Akademie Vogelsang, als das Anne-Frank-Gymnasium und die Akademie Vogelsang jetzt einen Kooperationsvertrag unterschrieben.

„Wie sind aus Kindern solche Menschenhasser geworden?“, fragen sich die Schüler mit Blick auf Deutschlands Nazivergangenheit.

Wie Täter zu Tätern wurden, ist offensichtlich eine der Fragen, die sie am meisten beschäftigen. Auf Burg Vogelsang hoffen sie, Antworten zu finden. Oder sie haben sie bereits gefunden. Denn beim Anne-Frank stehen Besuche der Burg Vogelsang bereits seit geraumer Zeit auf dem Programm. Doch mit der Kooperationsvereinbarung soll die Zusammenarbeit noch intensiver werden.

Laut Gerd Weidner, Initiator der Vereinbarung und Lehrer am Anne-Frank, geht es vor allem darum, Erinnerungsarbeit zu leisten, um dann Parallelen zu heutigen Strömungen zu ziehen. Und daran knüpfen sich dann Fragen wie: „Was heißt es, wenn Politiker Begriffe wie „völkisch“ verwenden, oder wenn Politiker sagen, der eigene Staat soll zuerst kommen?

Die Schüler sollen die Vergangenheit begreifen, um dann zu verstehen, „dass das nie wieder geschehen darf“, so Weidner. Die Frage nach dem „Warum“ der Gräueltaten interessiert die Schüler offenbar sehr. Im Konferenzraum haben sie sich mit Lehrern und Vertretern der Akademie Vogelsang zur Unterzeichnung des Kooperationsvertrags eingefunden. An einer Stellwand hängt das Bild eines Hitlerjungen und gleich daneben eines von Anne Frank. Der eine vielleicht Täter, die andere Opfer. Wie kam es dazu? Diese Frage findet auch Schulleiter Wolfgang Gurzan, spannend.

Entrechtet und verfolgt

Stefan Wunsch freut sich über das Interesse des Gymnasiums. „Anne Frank, die Namensgeberin Ihrer Schule, wurde entrechtet, verfolgt und dann ermordet“, sagte er. Burg Vogelsang nehme vor allem aber die Täter in den Blick. Schon die Dauerausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“ sei ein Hinweis darauf. Die Ausstellung versuche Antworten auf die Frage zu finden, was Burg Vogelsang damals für junge Männer so attraktiv machte. Hier wurden sie als Führungsnachwuchs der NSDAP gedrillt.

Groß sei die Burg, erzählte eine Schülerin. So groß, dass man sich dort sehr klein fühle. „Und genau so war es auch gewollt“,meinte daraufhin Geschichtslehrerin Jennifer Kunze. Denn nur in der Gemeinschaft sollte sich der NSDAP-Nachwuchs stark fühlen. Dass heute auf Anweisung des Landes NRW auf der Burg Flüchtlinge untergebracht sind, stellte Wunsch zur Diskussion. Dass nun ausgerechnet die, „die ganz sicher Opfer des Nationalsozialismus geworden wären“, auf der Burg leben sollen, fanden die Schüler zunächst einmal fragwürdig. Doch die Begegnung mit Flüchtlingen an diesem historischen Ort berge auch Chancen, so Wunsch.

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