Anklage wegen 13-fachen versuchten Mordes

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Das Szenario im Keller des Hauses Hansmannstraße 40 in Eilendorf nahm die Feuerwehr in der Nacht zum 1. März dieses Jahres erst einmal gar nicht so richtig ernst.

Dann, so berichtete der damalige Einsatzleiter vor dem Aachener Schwurgericht, sahen die Wehrleute ein verängstigtes Gesicht am Fenster des 2. Obergeschosses, es war ungefähr 3.50 Uhr. Eine Frau mit einem kleinen Kind rief nach Hilfe in dem brennenden Haus, die Wehrleute stürmten sofort die Treppe hoch.

Während sie den lichterloh brennenden Müll aus diversen gelben Säcken auf dem Treppenabsatz des 2. Obergeschosses löschten, holten andere Wehrmänner die Mutter und das Kind mit der Drehleiter in sichere Gefilde.

Auf dem Treppenabsatz hatte tatsächlich, wie am Montag das vom Gericht verlesene Gutachten des Brandsachverständigen bestätigte, jemand einen Brand gelegt, der bereits auf die Türzarge der nebenan liegenden Wohnung übergegriffen hatte. Die Rauchschwaden hatten bereits im Dachgeschoss einen Mieter soweit vergiftet, dass er fast ohnmächtig und kaum ansprechbar auf seinem Bett lag.

„Die Türe der Dachwohnung stand einige Zentimeter offen”, berichtete ein Feuerwehrmann vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl, „wir beobachten des Öfteren, dass durch den Schock provoziertes Fehlverhalten zu lebensgefährlichen Situationen führt”, erklärte der Feuerwehrmann.

Denn geschlossene Türen und Fenster schützen schon eine Zeit lang vor den giftigen Branddämpfen, denen beim dem Geschehen in der Hansmannstraße eine Katze, aber Gottseidank kein Mensch zum Opfer fiel.

Was allerdings darüberhinaus hätte passieren können, mag sich keiner vorstellen. Denn im Keller fanden die Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr aus Eilendorf jenes entsetzliche Szenario, dass dem gesamten Wohnblock an der Ecke Hansmann/Karlstraße den Garaus hätte machen können.

Die „Freiwilligen” stießen im Keller auf eine dreifach angebohrte Gasleitung, das mittlere Loch war aus ungeklärten Gründen mit Panzertape verklebt. „Ich hörte es Zischen”, hatte der Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr wie auch der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr sofort bemerkt, letzterer stellte einen „starken Luftzug” fest. Glücklicherweise waren die Löcher im Metall nur zwei Millimeter groß, das Gas-Luftgemisch hatte noch keine kritische Dichte erreicht.

Die Katastrophe wäre kaum ausgeblieben, weil im Nebenraum ein mit einer Zeitschaltuhr ausgerüsteter Toaster bereits Stoffdecken in Brand gesetzt hatte - sie glimmten und sollten den verheerenden Explosionsfunken geben.

Der Kölner Hausverwalter Yusuf K.(43) hörte sich die Schilderungen unbewegt an. Er leugnet die Brandstiftung und das Anbohren der Gasleitung. Angeklagt ist er wegen dreizehnfachen versuchten Mordes, der Prozess geht am Dienstag weiter.
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