Aachen - Angst vor Milzbrand erreicht die Aachener Drogenszene

Angst vor Milzbrand erreicht die Aachener Drogenszene

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Zusätzliche Gefahr für Heroinabhängige: Vieles deutet darauf hin, dass nun auch in Aachen ein mit Milzbrand-Erregern verseuchter Stoff ein Todesopfer gefordert hat. Foto: imago/Mavericks

Aachen. Durch Milzbranderreger verseuchtes Heroin hat vermutlich auch in Aachen ein erstes Todesopfer gefordert. Die Gesundheitsbehörden schließen einen Zusammenhang mit mehreren Todesfällen in Schottland nicht aus, wo in den letzten Wochen 14 Fälle von Milzbrand nach Heroinkonsum registriert wurden - sieben verliefen bisher tödlich.

Der Drogenabhängige aus Aachen, ein 42 Jahre alter Mann, ist nach Recherchen des Deutschen Ärzteblatts bereits am 13. Dezember an einem Multiorganversagen gestorben. Eine Woche zuvor war er wegen auffälliger Hautveränderungen im Injektionsbereich an der Kniekehle in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Er konnte nicht mehr gerettet werden.

Der Mann hat sich über Jahre hinweg in der Kaiserplatz-Szene aufgehalten und war auch für die Mitarbeiter der Suchthilfe Aachen kein Unbekannter. Sie bemühen sich derzeit verstärkt, ihre Klienten vor der Gefahr zu warnen, die in kontaminierten Drogen lauern könnte.

Wie Verena Bochat, Leiterin der Arbeitsgruppe Infektionsschutz im Gesundheitsamt erklärt, sind die Untersuchungen zur Milzbrandinfektion noch nicht abgeschlossen. So sei noch nicht endgültig geklärt, ob sich der Aachener tatsächlich verseuchtes Heroin gespritzt hat, oder ob der Erreger mit der Injektionsnadel in den Körper gelangt ist. Auch eine Verbindung zu den Todesfällen in Schottland ist noch nicht nachgewiesen, Proben werden derzeit vom Robert-Koch-Institut untersucht.

Bochat hat sich inzwischen mit weiteren Todesfällen in der Drogenszene vertraut gemacht, aber keine Hinweise auf weitere Milzbrand-Fälle im Raum Aachen finden können.

Gleichwohl sind inzwischen Ärzte, Krankenhäuser und Notfallambulanzen sensibilisiert, verstärkt auf Milzbrand-Symptome zu achten. Die Heilungschancen steigen, wenn zügig eine Antibiotikatherapie eingeleitet wird.

In Gesprächen und mit Warnhinweisen bemühe sich auch die Suchthilfe um Aufklärung in der Szene, sagt Geschäftsführerin Gudrun Jelich. Das Problem: Dem Stoff ist die drohende Gefahr nicht anzusehen.

Da ein völliger Verzicht auf die Droge für Abhängige eher unrealistisch ist, sollen sie nun besonders wachsam sein, Vertriebswege hinterfragen und eigenes Spritzbesteck benutzen. Sicherheit aber gebe es nicht, betont Jelich. Krankheitserreger und Gift können in jeder illegalen Droge lauern. Übliches Straßenheroin bestehe heute „zu 94 Prozent aus Dreck”, sagt sie. Denkbar sei es daher auch, dass das Heroin mit Knochenmehl gestreckt und auf diese Weise verseucht worden sei.

Übertragung unwahrscheinlich

Die Normalbevölkerung sei so gut wie nicht gefährdet, sagt Verena Bochat. Mensch-zu-Mensch Übertragungen seien äußerst selten. Beim Hautmilzbrand dringe der Erreger über kleine Verletzungen in die Haut ein. Der Lungenmilzbrand werde durch erregerhaltige Stäube und Tröpfchen verursacht, der Darmmilzbrand entstehe durch die Aufnahme erregerhaltiger Nahrungsmittel.

Tödliche Milzbrandfälle sind in Deutschland außerordentlich selten. Zuletzt hatte es vor acht Jahren im Zuge von Terrorwarnungen eine zeitweilige Milzbrand-Hysterie gegeben.
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