Aachen - Angst um Philips-Standort Aachen

Angst um Philips-Standort Aachen

Von: Heiner Hautermans
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Philips
Die IG Metall sieht das Aachener Philips-Werk mit seinen fast 1800 Mitarbeitern akut in Gefahr. Foto: André Schäfer

Aachen. Die Börsen jubeln, die IG Metall aber schlägt Alarm und fürchtet um den Standort Aachen des Philips-Konzern mit seinen insgesamt mehr als 1700 Mitarbeitern. Das Elektro-Weltunternehmen hat am Montag in Hamburg angekündigt, die Bereiche „Lumiled LED“ und „Automotive“ in eine eigene Firma mit dann etwa 1,4 Milliarden Euro Umsatz auszugliedern, an der man nur noch eine Minderheitsbeteiligung halten will.

Nach Ansicht von Analysten wollen die Niederländer so Geldgeber für die aufwendige Entwicklung von LED-Lampen und Autolicht gewinnen. Der Lichtmarkt wird durch das schleichende Ende klassischer Glühbirnen derzeit kräftig umgewälzt, etablierte Hersteller wie Philips müssen sich mit neuen Konkurrenten aus Ostasien messen und immer schneller neue Produkte auf den Markt bringen.

Künftig will Philips sich stärker auf komplexe LED-Systeme konzentrieren, kündigte Konzernchef Frans van Houten an. Die Ausgründung, von der in Aachen 1200 Mitarbeiter betroffen sind, soll Mitte 2015 abgeschlossen sein. Philips-Aktien legten danach um 3,4 Prozent zu.

Franz-Peter Beckers, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Aachen, spricht dagegen von einer „dramatischen Entwicklung für den Standort Aachen“. Beckers befindet sich derzeit zu einer Aufsichtsratssitzung in Hamburg und wurde von der Mitteilung der Konzernleitung am Morgen überrascht. „In Aachen werden größtenteils konventionelle Lampen gefertigt, die spielen keine Rolle mehr“, begründet der Gewerkschafter seine Skepsis. Die Autoindustrie wolle auch bei den Frontscheinwerfern auf LED statt Xenon umrüsten. „Dann kann man spekulieren, wie lange es in Aachen noch dauert, vier oder sieben Jahre.“

Der IG Metall-Chef fühlt sich fatal an die Situation nach der Jahrtausend-Wende erinnert, als die Bildröhrenfertigung in ein Joint Venture ausgelagert wurde, weil man sich „aus einer auslaufenden Technologie verabschieden wollte“. Das Bildröhrenwerk mit etwa 1000 Mitarbeitern wurde daraufhin 2004 geschlossen, die Glasfabrik mit weiteren 400 Beschäftigten folgte zwei Jahre später. Zwar gebe es noch einen weiteren Bereich in Aachen, Halogenlampen für den Haushaltsbereich mit 230 Beschäftigten, aber der sei durch EU-Vorgaben gefährdet und könne 2016 auslaufen. „Man muss sich fragen, was das langfristig bedeutet, wenn man den größten Bereich runterfährt, zerbricht die ganze Infrastruktur“, fürchtet Beckers. Er fordert Zusicherungen, massiv in die Zukunftssicherung der Aachener Arbeitsplätze zu investieren: „Wir sehen hier Philips in der Verantwortung.“

Am Hamburger Firmensitz wollte man die Befürchtungen nicht kommentieren. Beide betroffenen Bereiche seien überdurchschnittlich profitabel, wie sie sich in Zukunft entwickelten, könne man nicht vorhersagen. Sprecher Steve Klink in Amsterdam: „Es sind keine Veränderungen in der Produktion zu erwarten. Auch nicht beim Personal.“

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