An Gymnasien soll in den Sekretariaten gekürzt werden

Von: Margot Gasper
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Gymnasium
An fast allen städtischen Gymnasien soll in den Sekretariaten gekürzt werden. Dort ist die Aufregung groß. Symbolbild: dapd

Aachen. Neulich frühmorgens in einem Aachener Gymnasium. Kurz nach sieben Uhr steht das erste Kind im Sekretariat: Nasenbluten. Ein Schüler humpelt herein, er ist mit dem Roller gestürzt. Und der nächste hat sich am Finger verletzt. Glücklicherweise ist die Schulsekretärin längst an Bord. Bis fast halb acht hat sie alle Hände voll zu tun, Blut zu stillen, Pflaster zu kleben und Kühlpacks zu verteilen. Streng genommen gehört diese Erste Hilfe nicht einmal zu ihren Aufgaben. „Aber natürlich kümmern wir uns“, sagt die Sekretärin, „und das alles kostet Zeit.“

Um so empörter sind sie und ihre Kolleginnen, dass ausgerechnet sieben von acht städtischen Gymnasien ab nächsten Sommer Sekretariatsstunden abgeben sollen, an einigen Schulen eine halbe Stelle. Und zu verdanken haben sie das einer Reform, an der die Sekretärinnen auch noch gut zwei Jahre lang mitgearbeitet haben.

Betroffene berichten

Im Gespräch mit den „Nachrichten“ berichten Betroffene von Aachener Gymnasien über ihre vielfältigen Aufgaben im Arbeitsalltag, die zunehmende Belastung und ihre Kritik an dem geplanten neuen Personalbemessungssystem. Ihre Namen wollen sie lieber nicht in der Zeitung lesen, schließlich betrifft die Kritik auch ihren Arbeitgeber, die Stadt.

Das Thema Schulsekretariate beschäftigt Schulen, Verwaltung und Politik schon einige Zeit. Der neue Stellenbemessungsschlüssel soll sich nicht mehr nur an den Schülerzahlen orientieren. Denn das benachteiligt vor allem die (kleinen) Grundschulen (wir berichteten). Alle Beteiligten sind sich einig, dass hier Änderungen nötig sind. Was aber letzte Woche im Schulausschuss auf den Weg gebracht wurde, empfinden die Sekretärinnen an den Gymnasien als Zumutung.

In mühevoller Arbeit hatte die Arbeitsgruppe Schulsekretariate, in der auch Sekretärinnen der einzelnen Schulformen mitwirkten, einen Tätigkeitskatalog – 90 Einzeltätigkeiten – erarbeitet und mit qualifizierten Zeitschätzungen versehen.

Legt man diese Zahlen zugrunde, dann brauchen die Aachener Schulen insgesamt mehr als 16 zusätzliche Stellen für die Sekretariate. „Und wir hatten gehofft, dass wir wenigstens ein paar Stunden mehr pro Woche bekommen“, erinnert sich eine der Frauen. Allerdings wurde das Ergebnis dann einer „Plausibilitätsprüfung“ unterzogen. Sechs „prägnante Einzeltätigkeiten“ wurden in einzelnen Schulen überprüft. Und da blieb schließlich noch ein Mehrbedarf von fünfeinhalb Stellen übrig, der nach und nach gedeckt werden soll. Außerdem ergab die Vor-Ort-Beobachtung, dass fast alle Gymnasien zu üppig ausgestattet seien. Und das können die, die dort arbeiten, überhaupt nicht nachvollziehen.

Warum, so fragen sie, wurden die ermittelten Schätzwerte letztlich ignoriert? „Wofür haben wir denn zwei Jahre lang gerechnet und Strichlisten geführt?“ Eine Sekretärin hat sich mal die Mühe gemacht zu notieren, wie oft sie an einem einzigen Tag bei einer Tätigkeit unterbrochen wurde, von Schülern, von Lehrern, vom Schulleiter oder von Eltern. „180 Mal ging an dem Tag die Tür auf oder klingelte das Telefon.“

Fragwürdig finden die Sekretärinnen auch den Zeitpunkt der Plausibilitätsprüfung. Im Dezember sei gemessen worden. „Gerade dann ist es an den Gymnasien vergleichsweise ruhig.“

Der Weg in den Ganztag habe den Tagesrhythmus an den Gymnasien verändert, berichten die Sekretärinnen. „Auch die Kleinen sind bis 16 Uhr in der Schule. Und alle kommen mit allem zu uns.“ Schulkinder kriegen Bauchweh, tauchen nicht im Unterricht auf und müssen gesucht werden, verlieren ihren Schlüssel, verpassen den Bus.... Die Sekretärinnen könnten noch viel mehr aufzählen. Und sie finden: Die Kinder dürfen auf keinen Fall leiden, egal wie die Arbeit im Sekretariat überhand nimmt. „Wir sind die Schaltzentralen“, sagen sie. „Ohne uns läuft nichts. Aber wir wissen nicht, wie es weitergehen soll, wenn man uns die Stunden kürzt.“ Auch an einem normalen Schultag sind meist mehr als zwei Dutzend Krankmeldungen aufzunehmen und weiterzuleiten. Und jedes Jahr müssen Hunderte von Zeugnissen das Schulsiegel bekommen.

Im kommenden Jahr, wenn die Schulen als „eigenverantwortliche Schulen“ sehr viel selbstständiger wirtschaften sollen, kommt wohl auch auf die Sekretariate neue Arbeit zu.

In der Politik ist das geplante Personalbemessungssystem ebenfalls umstritten. SPD und Linke kritisierten jüngst im Schulausschuss die Methodik der Erhebung und forderten einen neuen Anlauf. Bernd Krott (SPD) argwöhnte angesichts der „unzureichenden Vorgehensweise“, dass es weniger um eine „sach- und aufgabengerechte Versorgung der Aachener Schulen“ gehe als vielmehr darum, Stellen einzusparen.

Der städtische Personalrat wiederum hätte das Verfahren lieber beschleunigt und den Grundschulen dringend benötigte Zusatzstunden schon zu Jahresbeginn verschafft. Daraus wird auf jeden Fall nichts. Die Entscheidung über den künftigen Personalschlüssel in den Sekretariaten trifft der Personal- und Verwaltungsausschuss. Der berät erst am 9. Januar 2013.

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