Radarfallen Blitzen Freisteller

AN-Forum: Alle Kandidaten machen eine gute Figur

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
7765598.jpg
Reges Interesse: Rund 200 Besucher im Saalbau Kappertz nutzten beim „Nachrichten“-Forum die Chance, den acht Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters kritische Fragen zu stellen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Am Ende durften sich alle Kandidaten irgendwie als Sieger fühlen, auch wenn bei Björn Jansen in der Schlussrunde die größte Geräuschentwicklung aus dem Publikum registriert wurde. Dem SPD-Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters brachte das beim „Nachrichten“-Forum zur Kommunalwahl am Dienstag immerhin zwei Flaschen Wein und womöglich noch einen Motivationsschub für den Endspurt bis zum Sonntag.

Aber so repräsentativ wie eine handfeste Meinungsumfrage war dieses Ergebnis natürlich nicht. Sollte es auch gar nicht sein: Zu einem bunten Mix aus Polit-Talk und Unterhaltung hatten die „Nachrichten“ alle acht OB-Kandidaten in den Saalbau Kappertz geladen. Und die berüchtigte „Hölle“ in Rothe Erde ist nun mal kein Wahllokal, sondern viel gastfreundlicher. So konnten die rund 200 Besucher die heiße Phase des Wahlkampfes bei kalten Getränken erleben.

Wer da mit welchen Themen punkten will, wurde schon in den vier Fragerunden mit den Moderatoren Margot Gasper, Martina Feldhaus, Achim Kaiser und Gerald Eimer deutlich. Die Zusammensetzung orientierte sich dabei an den Gepflogenheiten einer Fußball-WM: Die Paarungen wurden ausgelost.

Deshalb traf Sozialdemokrat Jansen nicht auf den Amtsinhaber Marcel Philipp von der CDU, sondern auf den UWG-Kandidaten Horst Schnitzler. Letzterer erklärte seinen Plakat-Slogan „Mit Liebe anders“ an einem griffigen Beispiel. Man müsse Nicht immer etwas bekämpfen, sondern könne auch „positive Alternativen“ bieten. Als eine solche sieht er etwa den urbanen Gemeinschaftsgarten an der Richardstraße an, wo nach dem Abriss eines Gebäudes eine grüne Oase mitten in der Stadt von Bürgern selbst gehegt und gepflegt wird.

Jansen hingegen denkt weniger an den Garten als an das Haus: Preiswerter Wohnraum sei Mangelware, sagte der SPD-Kandidat, es fehlten „mindestens 1500 Wohnungen im Bezahlbaren Segment“. Er sprach sich für eine Erhöhung der Quote an öffentlich gefördertem Wohnraum von 20 auf 30 Prozent aus.

Das Los führte auch den FDP-Kandidaten Wilhelm Held und Marc Salgert von der Piratenpartei zusammen, die politisch wenig Gemeinsamkeiten zeigten. Während Helg die Finanzpolitik in den Focus rückte und die Notwenigkeit eines ausgeglichenen Haushalts betonte („wir können uns keine Großprojekte mehr leisten“), forderte Salgert mehr Transparenz ein. „Wir wünschen uns, dass die Politik im Rat gemacht wird, und nicht im Ratskeller oder auf den Fraktionsfluren“, sagte Salgert, der ansonsten auf eine breite Bürgerbeteiligung setzt. Den Einwand, dass man damit aber noch nichts über die von den Piraten zu erwartende Politik wisse, parierte Salgert mit beeindruckender Offenheit: „Das können Sie auch nicht wissen“.

Bei Marcel Philipp dürften die Wähler allerdings inzwischen wissen, wo sie dran sind. Seit fünf Jahren sitzt der Christdemokrat auf dem Chefsessel im Rathaus. „Gute Arbeit“ in dieser Zeit bescheinigt er nicht nur sich selbst, sondern dem „gesamten Rat“. Einiges hat er noch vor: Familien stärken, Arbeitsplätze schaffen und Lebensqualität verbessern – das hat er sich auf die Fahnen geschrieben.

Das dürfte ein bisschen Geld kosten, und sein zugeloster Gegner Leo Deumens von den Linken weiß, woher es kommen müsste. Der Anteil der Kommunen an den Steuereinnahmen müsse erhöht werden, forderte Deumens. Damit finanzieren würde er gerne einen „attraktiven und bezahlbaren“ Öffentlichen Nahverkehr, den sich auch Hartz-IV-Bezieher leisten können. Für sie sollte es ein „Mobilitätsticket“ zum Preis von höchstens 15 Euro geben.

Direkte Reibungspunkte gab es dann beim Zusammentreffen von FWG-Spitzenkandidat Hans-Dieter Schaffrath mit Gisela Nacken von den Grünen. Für die Umweltdezernentin ist die Energiepolitik ein „Kernthema“, Die Windräder im Münsterwald hält sie für unverzichtbar, „weil wir auch auf kommunaler Ebene für den Klimaschutz verantwortlich sind“. Schaffrath hingegen wertete es nicht als umweltpolitischen Erfolg, „10.000 Bäume abzuholzen, um sieben Windräder zu bauen“. Der Applaus war ihm sicher, schließlich saßen im Publikum nicht wenige Gegner der Windkraftpläne im Münsterwald. Die setzten auch dem OB in den immer wieder eingeschobenen Fragerunden kräftig zu. Der bleib standhaft: In Sachen Energiewende „müssen wir entscheiden, ob wir das wollen“. Man könne die Rotoren nicht „nach dem Floriansprinzip den Nachbarn zuschieben“.

Neben aller Politik gab es aber auch genug zu lachen. Dafür sorgten nicht zuletzt die Quizfragen zur „Heimatkunde“ der Kandidaten. Grundfläche der Stadt Aachen? Erster Ehrenbürger? Wann wurde Burtscheid eingemeindet? Das hat nicht jeder gleich im Kopf. Nach einer letzten Runde mit politischen Statements wurde dann per „Applausometer“ abgestimmt. Für den Titel „OB des Abends“ mag eine lautstarke Anhängerschaft reichen. Am Sonntag wird allerdings ausgezählt – in aller Stille.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert