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An der roten Säule kann jeder das AKW Tihange aushebeln

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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OB Marcel Philipp (2.v.l.) ist der Erste, der als „Ausschalter“ an der roten Säule vor dem Bürgerservice gegen den Pannenmeiler in Tihange Hand anlegt. Schöpfer Lars Harmens (l.) und Rolf Jägersberg (2.v.r.) sowie Sponsor Tom Dahmen (r.) assistieren. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Eine weitere Möglichkeit zum Anti-AKW-Protest gibt es seit gestern in Aachen: Man kann den Pannenmeiler Tihange in Belgien symbolisch „aushebeln“. Solange, bis der Betreiber – die belgische Electrabel – des Kernkraftwerkes rund 60 Kilometer vor den Toren Aachens endlich mal Reaktion zeige.

Das jedenfalls wollen die Initiatoren, der Künstler Rolf Jägersberg und der Designer Lars Harmens, die es mit Hilfe von Sponsoren geschafft haben, mitten in der Stadt am Eingang zum Bürgerservice Katschhof in der Johannes-Paul-II.-Straße 1 eine 1,80 Meter große Anti-Tihange-Stele zu platzieren.

Der Gag: Mit einem Hebel, der beim Betätigen ein Zählwerk in Gang setzt, können Aachens Tihange-Gegner protestieren. Der umgelegte Hebel zählt dann die Einwände gegen den von Rissen im Reaktorschutzmantel zerklüfteten Meiler Tihange 2., der ebenso wie die Kraftwerksblöcke in Doel nahe Antwerpen als Risikomeiler gelten.

„Man darf auch mehrfach drücken, das zeigt dann die Intensität des Protestes an“, fordert Harmens lächelnd die Bürger zur spontanen Aktion auf, zwei weitere der Anti-Tihange-Säulen stehen bereits in der Eifel, in Simmerath und in Monschau-Imgenbroich, weitere sind geplant in der Städteregion.

Begeistert von der Aktion vor dem Rathaus zeigt sich auch Oberbürgermeister Marcel Philipp, der gestern Mittag der Erste war, der Hand an den Hebel zum symbolischen Abschalten von Tihange legte. „Wir erhöhen mit dieser Aktion die Präsenz und den Druck auf die Betreiber in Belgien“, versichert der OB. Er drückte entschlossen ein paar Mal den Hebel mit einem lauten Klacken herunter.

Philipp berichtete nochmals über die schwierigen Verhandlungen mit den belgischen Verantwortlichen über das Problem Tihange. „Irgendwann“, so der Eindruck des OB, „schwappt das über nach Belgien, dann werden auch dort kritische Stimmen in der Bürgerschaft zu hören sein“, ist er überzeugt. In den benachbarten Niederlanden habe sich der Protest gegen die Gefahr aus Tihange deutlich erhöht, hat Philipp beobachtet, die niederländische Presse berichte jetzt seit einiger Zeit regelmäßig über die Gefahr im Nachbarland. „Wir wollen eine offene Diskussion über das Problem“, sagt Philipp mit Blick auf Brüssel und Lüttich, wo die politisch Verantwortlichen sitzen.

Klage gegen das AKW

Die „Erfinder“ der Säulen wollen Electrabel und die belgische Regierung wöchentlich über die Protest-Klick-Zahlen vom Rathaus-Seiteneingang informieren. An der Säule in Simmerath, berichtet Harmens, sei Tihange in einem Monat bereits 22.000 mal „ausgeschaltet“ worden, noch bessere Zahlen erwarte man in Aachen. Die Städteregion klagt mit Unterstützung des Landes NRW bereits vor einem belgischen Gericht gegen den weiteren Betrieb des Meilers nahe Lüttich. Doch die Sorge wächst weiter, seit die belgische Atomaufsicht moniert hatte, dass geforderte Nachbesserungen im Brandschutz bislang ausgeblieben seien und es durchaus im Bereich des Möglichen liege, dass es im Brandfalle zu Kernschmelzen kommen könne.

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