Am Samstag feiern Orthodoxe Weihnachten

Von: Lina Wallrafen und Georg Dünnwald
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Anjelika Krivonos übersetzt a
Anjelika Krivonos übersetzt als Dolmetscherin , wenn sich Besucher mit dem russisch-sprechenden Archimandrit Josef Pustoutov unterhalten wollen. Gestern Abend zelebrierte der hohe Geistliche in der Kirche Heilige Tamara, Zarin von Georgien, eine Messe. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Am Freitag war Heiligabend. Samstag ist Weihnachten. Das ist kein Scherz, das ist Realität. Und zwar in der russisch-orthodoxen Kirche. Auch in Aachen, in der Schützenstraße, gibt es eine Gemeinde, die dem russisch-orthodoxen Patriarchen „von Moskau und für ganz Russland” folgt.

Möglicherweise feiern die rund 300 Menschen, die am Freitag zur Christmette kamen, am Samstag ihr Weihnachtsfest sogar mit Öcher Prente.

Die Russen und auch andere orthodoxe Christen, wie beispielsweise die Serben, feiern jetzt erst Weihnachten, weil für sie der julianische Kalender maßgeblich ist, Der ist älter als der uns bekannte gregorianische. Papst Gregorius der Große hat im sechsten Jahrhundert den alten Kalender, der von Julius Cäsar eingeführt wurde, verändert. Er hat ihn genauer gemacht. Aber für einige orthodoxe Kirchen ist immer noch der alte Kalender maßgeblich, deshalb hinken sie der üblichen Zeitrechnung 13 Tage hinterher.

In der Pfarrkirche „Heilige Tamara Zarin von Georgien” trafen sich Freitagabend die Gläubigen, um die traditionelle dreistündige Weihnachtsliturgie zu feiern. Der Archimandrit Josef Pustoutov (62) zelebrierte sie.

Anjelika Krivonos, die sich für ihren Sprengel ehrenamtlich engagiert, erzählt, wie die Vorweihnachtszeit gestaltet wird. Im Gegensatz zum uns bekannten Plätzchennaschen und dem dadurch bedingten Zunehmen, fasten die russisch-orthodoxen Christen nach wie vor in der Vorweihnachtszeit. Sie verzichten dabei auf tierische Produkte, sogar auf Eier und Honig und Milch. Wer den Vorschriften genau folgt, isst mittwochs und freitags erst dann, „nachdem der erste Stern am Himmel zu sehen ist”, sagt Anjelika Krivonos. Die Fastenzeit dauert 40 Tage. Aber auch am 24. Dezember versammeln sich in Aachen viele Familien, vor allem dort, wo zwei Kulturen aufeinandertreffen. Geschenke gibt es jedoch erst an Neujahr.

Beim Gang durch den mit Teppichen und unzähligen Ikonen geschmückten Liturgieraum betont Anjelika Krivonos, dass alle in der Gemeinde ganz besonders stolz auf eine der Ikonen sind. Die hängt ganz hinten im abgetrennten Altarraum und stammt aus der Schule eines berühmten russischen Malers. Sie stellt die Muttergottes mit dem Jesuskind dar.

Der Zutritt zum Altarraum ist nur Männern gestattet. Eine Wand trennt das Allerheiligste vom restlichen Kirchenraum. Die Wand ist mit vielen Ikonentafeln geschmückt, die mit Gold und Silber besetzt sind. Die Farbe Weiß tritt in der Vorweihnachtszeit mehr und mehr in den Vordergrund. Sie steht für die kindliche Unschuld. In einer Ecke leuchtet eine Krippe mit Figuren. Die sind von den Kindern der Gemeindeschule selbst gebastelt und dann bemalt worden.

Gut zu sprechen ist Archimandrit Josef Pustoutov auf Ex-OB Jürgen Linden. „Herr Linden hat uns unterstützt, wo er nur konnte.” Vor fünf Jahren war Linden auch einmal in der Weihnachtsmesse. Beeindruckt hat den Priester, „dass Herr Linden unsere Gemeinde als eine solche genannt hat, die aus verantwortungsvollen deutschen Bürgern besteht. Bürgern, die aus allen GUS-Staaten nach Aachen gekommen sind, und einen orthodoxem Hintergrund haben.”

Der Geistliche: „Eine Äußerung, die mich sehr in meinem Engagement für unsere Gemeindeschule, die immerhin von rund 70 Kindern besucht wird, bestärkt.” Dort wird der Katechismus unterrichtet. dort wird auch die alt-slawische Sprache gelehrt, in der die Liturgie gehalten wird.Die Entwicklung des Christentums wird berücksichtigt und, so der Geistliche, die „reiche Geschichte Deutschlands kommt zur Sprache”. Und weil alle irgendwie auch Öcher sind, ist selbstverständlich auch Karl der Große (auf russisch) ein Teil des Unterrichts.

Für den Archimandriten („das ist so was wie Monsignore in der katholischen Kirche”, erklärt Pustoutov) ist es enorm wichtig, dass sich seine Gemeinde in die deutsche Gesellschaft integriert.

Ein Beispiel dafür ist die 29-jährige Anjelika Krivonos, die aus Usbekistan stammt. Als sie vor neun Jahren nach Aachen kam, studierte sie erfolgreich Germanistik und Psychologie. Sie steht ihrer Gemeinde oft als Dolmetscherin zur Seite.
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