Aachen - Am Ende kratzt nur die Kommandanten-Perücke

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Am Ende kratzt nur die Kommandanten-Perücke

Von: Holger Richter
Letzte Aktualisierung:
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Der Einmarsch der Oecher Penn mit Spielmansszug und 143 Gardisten in den ausverkauften Europasaal des Eurogress ist ein imposantes Bild und ein würdiger Auftakt zur Penn-Sitzung 2014. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Um kurz nach halb Zwölf am Samstagabend wollte Jürgen Brammertz nur noch eins: „Jetzt muss ich erstmal diese Perücke loswerden.“ Ein verständlicher Wunsch, denn nach einer knackigen dreieinhalbstündigen Sitzung im Aachener Eurogress kratzte der Dreispitz mit weißen Löckchen doch gewaltig auf der Kopfhaut des Penn-Kommandanten.

Größere Probleme hatte Brammertz zu diesem Zeitpunkt nicht. Warum auch? Die Galasitzung der Penn im ausverkauften Europasaal klappte wie am Schnürchen.

Jürgen Brammertz ist 36 Jahre alt, doch gerade war schon seine achte Penn-Sitzung als Kommandant der Stadtgarde zu Ende gegangen. „Da ist also noch Raum für einige mehr“, sagte er lächelnd, obwohl er zugab: „Ich bin immer noch nervös vor jeder Sitzung.“

Die Nervosität dürfte sich am Samstagabend aber schnell gelegt haben. Denn schon beim Empfang im Quellenhof vor der Sitzung zeigte sich die 157 Jahre alte Stadtgarde von ihrer zeitgemäßen Seite. Sie brach nämlich mit einer Tradition und stellte erstmals in ihrer Geschichte einen Damenorden vor, den Brammertz und sein Vizekommandant Georg Cosler allen anwesenden Damen überreichte. „Der Orden kleidet sie sehr gut“, stellte der Kommandant zufrieden fest, bevor er anschließend an der Spitze von 143 Gardisten plus vielköpfigen Spielmannszug in den Europasaal des benachbarten Eurogress einzog.

Penn-Show mit Invalidenchor

Dort präsentierte sich die Penn den 1400 Jecken im Saal erst einmal selbst – mit ihrem Marketenderpaar Nadine Staerk und Frank Radermacher sowie dem Penn-Invalidenchor. Den habe man beim Aufräumen des Marschiertors gefunden, erklärte Brammertz. Und so tapsten ein gutes Dutzend Penn-Soldaten – teils mit Spinnengewebe, teils ohne Kopf – über die Bühne und gaben unter dem Jubel des Publikums Exerzierübungen und Invalidentanz zum Besten.

Dann startete das von Vizekommandant Georg Cosler zusammengestellte Programm mit kölschen Liedern von „Hätzblatt“, Redebeiträgen von Jörg Knörr, „Et Rumpelstilzchen“ Fritz Schopps und Wolfgang Reich sowie einer Tanzshow der „Friends of Fantasy“ aus Horbach, bevor Prinz Bernd I. mit Prinzengarde und Hofstaat einmarschierte.

Vor allem Jörg Knörr begeisterte mit einer brandaktuellen Rede, bei der er einen Bogen vom ADAC über Boris Beckers Autobiographie und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bis zu Angela Merkel, Dschungelcamp, Bischof Tebartz van Elst und wieder zurück zum ADAC schlug. Wer den Entertainer bei der Kölner Prinzenproklamation im WDR gesehen hatte, durfte sich wundern auf welchen kümmerlichen Rest er dort zusammengeschnitten wurde. In Aachen jedenfalls kam Knörr bestens an. Da hatte es „Et Rumpelstilzchen“ Fritz Schopps anschließend ein wenig schwer, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken. Dies ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, dass an dieser Stelle zwei Reden hintereinander platziert wurden.

Doch spätestens Prinz Bernd I. brachte mit seinen Liedern und einer flotten Tanzeinlage, zu der er sich Verstärkung von den „Friends of Fantasy“ mitgebracht hatte, alles wieder ins Lot. Und zum krönenden Abschluss rissen die 4 Amigos die Menschen buchstäblich von den Stühlen, freilich nur um darauf zu tanzen. „Die 4 Amigos am Schluss – das ist natürlich eine Bank“, sagte Jürgen Brammertz nach der Sitzung anerkennend. Und dann durfte er endlich seine Perücke loswerden.

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