Am Dreiländerpunkt ist Neutral-Moresnet fast ganz verschwunden

Von: hau
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Diese Tafel erinnert jetzt an das politische Kunstgebilde Neutral-Moresnet, im Pflaster dagegen, so hat VHS-Führerin Yvonne Hugut-Zgodda erfahren, ist davon kaum noch etwas zu sehen. Foto: Leah Hautermans

Aachen/Vaals. „Ein Land ist verschwunden”, schlug eine „Nachrichten”-Leserin Alarm. Yvonne Hugot-Zgodda weiß, wovon sie redet. Sie ist Führerin bei der VHS und war vor kurzem mit einem Bus voll Interessierter unterwegs in Richtung Dreiländerpunkt.

Unterwegs erzählte sie viel über die Tatsache, dass es sich lange um einen Vierländerpunkt gehandelt habe. Das lag an Neutral-Moresnet, einem Kunstgebilde, das von 1815 bis 1919 existierte, weil sich in der Zeit nach Napoleon Preußen und das Königreich der Niederlande nicht einigen konnten, wem die rohstoffreichen 270 Hektar zugeschlagen werden sollten.

Dort wurde Galmei abgebaut, das für die Zink- und Messingherstellung am Anfang des 19. Jahrhunderts notwendig war und von Moresnet aus nach ganz Europa exportiert wurde. In Neutral-Moresnet siedelten sich viele junge Männer an, um den Militärdienst zu umgehen, so wuchs die Einwohnerzahl von 256 bei seiner Entstehung 1815 auf 4668 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Erst im Versailler Vertrag erkannte Deutschland die volle Souveränität Belgiens über das Provisorium Neutral-Moresnet an. Dessen nördlichster Punkt grenzte gut hundert Jahre lang an den Drielandenpunt und war im Pflaster um den Grenzpfahl auch deutlich zu erkennen - bis der Dreiländerpunkt im Zuge der Euregionale nun umgestaltet wurde.

Uns so kam es, dass Yvonne Hugot-Zgodda, die freiberuflich an der Volkshochschule tätig ist, den etwa 20 Busgästen die Vorfreude auf den Vierländerpunkt weckte, der nach ihrem Wissen bis dahin sinnlich auf dem Boden zu erleben war, aber voller Verwunderung entdecken musste, dass das zuvor farblich abgehobene Neutral-Moresnet in der unmittelbaren Umgebung des Grenzpfahls nicht mehr nachzuvollziehen war: „Da ist ein Stückchen Geschichte verlorengegangen.” Das tortenartige Stückchen Pflaster, nur wenige Fußbreit groß, habe die Menschen neugierig gemacht.

Architekt Paul Dunkel von dem bei der Umgestaltung federführenden Planungsbüro Dunkel und Korte sind die Klagen über das Verschwinden von Neutral-Moresnet schon zu Ohren gekommen: „Die Kritik haben wir schon gehört.” Zwar sei bei genauem Hinsehen Neutral-Moresnet auch nach der Umgestaltung im äußeren Ring durch andere Pflasterung und eine Erhöhung im grünen Außenring zu identifizieren, aber das gelte eher für Eingeweihte: „Wenn man es weiß, ist es erkennbar.”

Deshalb werde man die Linien nun besser sichtbar machen, etwa durch eine Beschriftung mit den Länderbuchstaben B, D und NL. Und Neutral-Moresnet werde außerdem durch eine Tafel gewürdigt. Im Übrigen sei die Angelegenheit etwas verzwickt: Denn die vorherige Markierung von vier Staaten sei eigentlich nicht korrekt gewesen: „Belgien gab es 1815 noch nicht.” Die parlamentarische Monarchie hatte sich erst 1830 vom Vereinigen Königreich der Niederlande abgespaltet.
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