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Alte Waldschule weicht einem Neubau

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Das Ende der ehemaligen Waldschule Breuer war schon länger besiegelt, jetzt rücken die Bagger an und reißen die alte Villa ab. Der Eigentümer des Areals am Brüsseler Ring will dort einen dreigeschossigen Neubau errichten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Mit einigem Entsetzen verfolgen Anwohner und Spaziergänger in diesen Tagen die Abrissarbeiten der alten Waldschule Breuer am Brüsseler Ring und den damit verbundenen Kahlschlag auf dem einst so idyllisch wirkenden Grundstück.

Etliche Bäume sind dort in den letzten Tagen gefällt worden, und nicht nur Nachbarn fragen sich, ob dort alles mit rechten Dingen zugeht. Am Dienstag nahm auch ein Vertreter des städtischen Fachbereichs Umwelt das Grundstück in Augenschein. Ergebnis: Offiziell gibt es nichts zu beanstanden.

Die vorgenommenen Baumfällungen sind genehmigt, teilte Fachbereichsleiter Elmar Wiezorek auf Anfrage mit. Verstöße gegen die Baumschutzsatzung habe der zum Außentermin entsandte Fachmann bislang nicht feststellen können. „Alles im grünen Bereich“, vermeldet Wiezorek. Doch das dürfte all jene nicht trösten, die das Grün nun vermissen: Eine zuvor von Bäumen gesäumte kleine Wander- und Joggingstrecke ist komplett kahl. „Hier wurde ein Stück Idylle zerstört“, meint eine Nachbarin, die nun hofft, dass weitere Eingriffe in das angrenzende Waldstück unterbleiben.

Geschaffen wird dort in diesen Tagen unter anderem eine befestigte Zufahrt für Baumaschinen. Denn die in den 1920er Jahren errichtete Villa muss einem Neubau weichen. Damit geht auch ein Stückchen Aachener Schulgeschichte verloren. Seit 1955 beherbergte der Bau ein privates Gymnasium, bekannt als Waldschule Breuer, aus dem nach dem Umzug nach Laurensberg Ende der 1970er Jahre das Anne-Frank-Gymnasium hervorging.

Von der einstigen Pracht der Villa ist seit Dienstag kaum noch etwas zu erahnen. Das Gebäude wurde inzwischen in großen Teilen dem Waldboden gleichgemacht. Möglich wurde dies freilich erst nach längeren juristischen Auseinandersetzungen zwischen dem heutigen Eigentümer und der Stadt Aachen, die die alte Schule gerne erhalten hätte.

Doch der erst seit 2001 geltende Denkmalschutz musste städtischerseits vor gut drei Jahren zähneknirschend wieder aufgehoben werden, nachdem das Verwaltungsgericht deutlich gemacht hatte, dass dem Eigentümer, einem bekannten Aachener Rechtsanwalt, eine aufwendige Sanierung nicht zuzumuten sei. Unter anderem soll der „echte Hausschwamm“ dem historischen Bau den Rest gegeben haben.

Gebietsstruktur erhalten

Im vergangenen Jahr wurde schließlich der Bebauungsplan für das Flurstück 263, auf dem das umkämpfte Anwesen steht, geändert. Erklärtes Ziel von Politik und Verwaltung war es, die vorhandene Gebietsstruktur zu sichern sowie „der gebietsprägenden Vegetation und der klimaökologischen Bedeutung des Plangebiets“ gerecht zu werden. Auf einer Grundfläche von maximal 620 Quadratmetern darf dort ein dreigeschossiger Neubau hochgezogen werden, Tiefgarage und Schwimmbecken inklusive.

Besonderen Wert hat die Stadt auf den Erhalt einer großkronigen Linde, mehrerer Kastanien und alter Bäume – darunter ein Naturdenkmal – gelegt. Auch musste der Bauherr nachweisen, dass die Tiefbauten keine schädlichen Auswirkungen auf das Grundwasser und die umliegende Vegetation haben.

Für eine Stellungnahme ist der Investor derzeit wegen eines Auslandsaufenthalts nicht zu erreichen. So bleibt vorerst offen, wann mit der Fertigstellung des neuen Wohngebäudes zu rechnen ist.

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