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Alte Aachener Tram soll nun auch Mallorca als Vorbild dienen

Von: Atze Schmidt
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Die alte Aachener Tram hat den Inselpräsidenten dazu animiert, auf Teneriffa eine Straßenbahn zu installieren, jetzt wird auch auf Mallorca ein solches Projekt geplant. Foto: www.wochenblatt.es

Aachen. 36 Jahre sind vergangen, seit Aachen Abschied genommen hat von seiner Straßenbahn. „Ade, du liebe alte Tram”, überschrieben die „Aachener Nachrichten” 1974 eine Sonderseite: Rückblick auf die 94-jährige Geschichte der „Elektrischen” und ein Nachruf „Wir werden Dich nicht vergessen, liebe Tram, es war schön mit Dir zusammen”.

Doch als Aachens Straßenbahn noch durch die Kaiserstadt kurvte, studierte an der RWTH ein junger Spanier. Er wurde später Präsident des Cabildos (des Inselrats) von Teneriffa: Ricardo Melchior Navarro. Sein nahezu perfektes Deutsch habe Melchior, schreibt die auf Teneriffa verlegte deutschsprachige Zeitung „Wochenblatt”, während seiner Studienjahre erworben. Aber noch etwas anderes nahm der Spanier aus Aachen mit, nämlich seine Überzeugung, dass eine Straßenbahn gar kein übles Verkehrsmittel sei, sondern im Gegenteil ein recht passables.

Hartnäckige Planungen und dann ein Volksfest

Hartnäckig verfolgte der Inselpräsident seine Idee, fünf Jahre dauerten Planung und Bauarbeiten, 306 Millionen Euro kostete die Attraktion, und 2007 wurde die „Tranvia”, wie die Tram auf Spanisch heißt, mit einem großen Volksfest in Betrieb genommen. Ein Bischof segnete den ersten Zug, die Begeisterung der Insulaner übertraf alle Erwartungen, rund 170.000 Fahrgäste wurden allein an den ersten drei Tagen gezählt. „Via Libre für Teneriffas Straßenbahn”, titelte die deutsche Inselzeitung.

Die AN erfuhren von der verkehrstechnischen Neuerung weitab im Süden, auch davon, welche Rolle Aachen dabei gespielt hatte, und setzten den Bericht „Wie einst in Aachen: Eine Straßenbahn für Teneriffa” ins Blatt.

Teures Schwarzfahren

Die Teneriffa-Tram verbindet die Stadtzentren von Santa Cruz und La Laguna. 37 Minuten dauert die Fahrt, für die 1,25 Euro zu zahlen sind. Teuer wird es allerdings für Schwarzfahrer, sie müssen mindestens 40 Euro berappen, und wer dann innerhalb von fünf Tagen nicht zahlt, bekommt einen Strafbefehl über 400 Euro ins Haus.

Schon bald hatte sich die Straßenbahn der kanarischen Hauptinsel so gut bewährt, dass man auf Mallorca hellhörig wurde. Auch dort gab es schon seit längerem Überlegungen, wie das wachsende Verkehrsaufkommen in den Griff zu kriegen sei. Also reiste der Balearen-Minister für Transportwesen und Territoriale Ordnung, Gabriel Vicens, nach Teneriffa, wo er alles über dieses Verkehrsmittel in Erfahrung brachte. Nach dem Ministerbesuch war in der Inselpresse zu lesen, die Balearen-Regierung habe Teneriffas Straßenbahn zum Vorbild auserkoren, um die auf Mallorca geplante „Metro Ligero” voranzutreiben.

Dass einst in Aachen gewonnene Erfahrungen eines spanischen Studenten Jahrzehnte später zur Einrichtung von Straßenbahnen auf spanischen Inseln führen könnten, das ist uns damals, als wir in der AN-Redaktion den Nachruf auf die „liebe alte Tram” schrieben, nicht in den Sinn gekommen.
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