Aachen - Alt-Aachener Kaffeestuben stehen vor dem Aus

Whatsapp Freisteller

Alt-Aachener Kaffeestuben stehen vor dem Aus

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
van_bu
Für die legendären Alt-Aachener Kaffeestuben wird ab Januar 2011 ein neuer Betreiber gesucht. Bislang wollte niemand die historische Lokalität übernehmen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es waren die unbestreitbare Romantik der Lokalität wie gleichermaßen das streng geheime Printenrezept des Leo van den Daele, die die Menschen seit langer Zeit scharenweise und immer wieder in das gleichnamige Café direkt am Büchel trieben. Jetzt stehen die ehrwürdigen und überregional bekannten „Alt-Aachener Kaffeestuben” womöglich bald leer, ein Nachfolger für den langjährigen Betreiber Hans-Peter Meier ist bislang nicht in Sicht.

„Ich werde jetzt bald 60. Und da haben wir beschlossen, dass fast 15 Jahre hier in diesem Lokal für uns genug sind”, sagte Meier am Freitag gegenüber den „Nachrichten”. Ein bedauernder Unterton schwang mit, der Entschluss klang gleichwohl unumstößlich.

Da der Pachtvertrag zum Ende des Jahres auslaufe, begründete Meier die persönliche Entscheidung für seine Ehefrau und sich selbst, wolle man die sicherlich süße, aber anstrengende Tätigkeit beenden.

Man betreibe eine schöne alte Backstube mitten im Herzen von Aachen, sagt Meier. Dort fertigen Konditoren und Bäcker - insgesamt hat das Haus vier feste und je nach Saison bis zu 30 Aushilfskräfte - die legendären Reis- und Obstfladen. Der Reisfladen wird natürlich nach belgischer Rezeptur mit hohem Eigehalt und schöner brauner Kruste hergestellt, schließlich kamen die van den Daeles aus dem Land der Flamen nach Aachen.

Es gibt aber diverse Schwierigkeiten, denn die Auflagen der Behörden werden immer strenger. Bereits als die Kaffeestuben 1992 einen neuen Betreiber erhielten und gründlich umgebaut und erweitert wurden, waren erhebliche Mittel nötig. „Wir haben damals ganz schön investieren müssen”, erinnert sich Meier.

1998 wurde das Café, das sich über fünf alte Häuser, zurückreichend ins Jahr 1665, fast bis in die Mitte der Körbergasse erstreckt, so umgebaut, das es so aussah wie vor rund 160 Jahren. Denn zu dieser Zeit kamen die van den Daeles nach Aachen und begannen, ihre Printen in die Formen zu pressen, zu backen und dann zu verkaufen.

Sitzt man in einer der gemütlichen holzgetäfelten Stuben und blickt auf die verführerischen Kuchen, kann wohl niemand so recht verstehen, warum ab dem 1. Januar 2010 noch kein Nachfolger in den Startlöchern steht. Eigentümer der Immobilie sind die Erben der Familie van den Daele.

Professor Karl-Heinz Schiffers vertritt sie und erklärte am Freitag, er suche seit Monaten händeringend nach einem Betreiber, der das Lokal im alten Stil weiterführen soll. Doch es fand sich bislang niemand.

Suche nach einem Betreiber

Schiffers ist der Neffe von Thea und Leo van den Daele, dem 1984 verstorbenen „Printenbaron”. Schiffers hat seiner Tante versprochen, das Lokal in ihrem Sinne weiterzuführen. Das sei heute nicht leicht, merkte er beinahe resigniert an und sucht jetzt Betreiber, die bereits einen anderen Produktionsstandort haben oder ihn schaffen wollen. „So wie Nobis oder Drouven”, bringt Schiffers die „Großen” ins Spiel.

Der blendende Erzähler Leo van den Daele hätte seine Geheimrezeptur schließlich auch überall mixen können. Seine Gäste pflegte der Konditormeister gerne mit einem Rezepturtipp zu faszinieren: „Man nehme Mehl, Wasser, Zucker und allerlei Gewürze”, meinte er todernst. „Dann mische man alles kräftig durcheinander, schiebe es unverzüglich in einen Ofen, schmeiße das Erzeugnis komplett weg - und kaufe meine Printen”, scherzte der listige van den Daele damals.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert