Aachen - Alt-Aachener Bühne startet mit dem turbulenten Schwank

Alt-Aachener Bühne startet mit dem turbulenten Schwank

Von: Von Heinrich Schauerte
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Turbulenzen bei der Alt-Aachener Bühne: Günter Erkens als Ehejubilar Adam Pöttchens trifft auf Brischitt de la Malheur, gespielt von Sabine Plum. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Dieses Jahr fängt ja schon mal gut an für die Öcher-Platt-Gemeinde. Mit dem turbulenten Schwank „Beij Pöttchens ejjen Stroeß“ startet es bei der Alt-Aachener Bühne, wie es sich für ein neues Jahr gehört, gleich mit einem Knaller.

Kann es da ein Zufall sein, dass alles in der Vereinsstraße spielt, wo auch ein bekanntes Öcher Original wohnt, seines Zeichens Pressefotograf? Auf jeden Fall ist in dem Sträßchen ömmer jet meng. Zentrum des Wahnsinns ist der Kiosk von Sieglinde Antönchen, genannt Tönnchen, auch wenn sie das nicht gerne hört.

Da gibt es Klatsch und Tratsch am laufenden Band, und da verknoten sich alle Fäden zu einem großen Wirrwarr, weil die Goldhochzeit von Else und Adam Pöttchens ansteht. Und das ausgerechnet in dem Moment, wo Else nach 244 Fahrstunden, drei Totalschäden, dreißig Blötschen am Auto sowie einem am Fahrlehrer fast schon begriffen hat, wann man aufpassen muss und wann die Versicherung zahlt.

Verschärfend kommt noch hinzu, dass Adam eigentlich gar nicht feiern will und lieber den Playboy liest, ävvel doe kritt heä noch Bescheäd drövver. Genauso wie Tochter Roswitha, die absolut nicht ihr Konfirmationskleid anziehen will, obwohl es doch erst dreimal getragen wurde. Auch hier siegt natürlich die resolute Mutter, nachdem das Kleidchen länger und weiter gemacht wurde. Und überhaupt: Mich kleidt e Höddelche!

Natürlich darf in der Gemengelage auch die neugierige Nachbarin Klör Fenkeschlag nicht fehlen, und zu allem Überfluss erscheint auch noch Elsas alte Busenfreundin Brigitte aus Brüssel, die sich inzwischen Brischitt nennt und mit Nachnamen Malheur heißt. Sie parliert ein fast perfektes Französisch, wenn man mal davon absieht, dass sie Baiser mit Bidet verwechselt. Da hilft oft nur noch Schabau aus besonders großen Kaffeetassen, spätestens als herauskommt, dass Schwiegersohn Freddie die extra angesparte Summe fürs Lotto verjubelt hat.

Für die Verhältnisse des Mundarttheaters ist es ein relativ modernes Stück, das zu einer Zeit spielt, als Negerküsse noch Negerküsse hießen. Es geht ziemlich zügig zur Sache und ist mit zwei Akten in gut zwei Stunden Spielzeit abgetan. Hauptdarstellerin ist automatisch immer Helene Reißer, egal welche Rolle sie spielt. Hier ist sie nicht nur die Herrscherin des Familienclans, sondern liefert als Fahrschülerin auch noch ein Stück absurdes Theater innerhalb der Komödie ab. Auch wenn mal irgendwas nicht klappt, rettet sie jede Situation und macht meistens noch einen spontanen Zusatzwitz draus.

Auch die anderen sind souverän und erfahren genug, um aus jeder Vorlage die größtmögliche Komik herauszuholen. So etwa Günter Erkens, der als widerwilliger Goldhochzeiter eine „impotente Erscheinung“ ist und dort, wo andere einen dicken Pansch haben, über erotische Schwungmasse verfügt. Birgit Drews und Ralf Büter als Tochter und Schwiegersohn sind ein durchaus ebenbürtiges Traumpaar. Madame de la Malheur, hin- und hergerissen zwischen Französisch und Öcher Platt, wird perfekt von Sabine Plum verkörpert. Sie bringt nicht nur internationales Flair, sondern auch alles durcheinander. Da kann man nur anerkennend ausrufen „à votre sanitär!“

Völlig in sein Schicksal ergeben ist Fahrlehrer Pitt Beulen alias Richard Strauch. Dem Schicksal nachhelfen will ständig das ortstypische Tratschweib Irmgard Farber. Stets die ganze Szenerie im Blick hat Büdchenfrau und Reporterin Resi Frings, die stets den Stenoblock parat hat. Am Ende hat auch sie sich, wie alle anderen, schwer in der Lack japaft, und so endet die Aufführung in vollster Pracht der ersten besten Gesellschaft vajjen Vereinsstroeß.

Weitere Vorstellungen

Das Bühnenbild zeigt die schönen Alt-Aachener Häuser, vor denen sich alles abspielt, die Kostüme wurden mit großem Aufwand gefertigt. Sogar Alemannia-Anhänger treten in Mannschaftsstärke auf, sehr zum Vergnügen der legendären Alt-Alemannen Martinelli, Klostermann und Sell in der ersten Reihe. Das Publikum quittierte die gelungene Aufführung mit viel Heiterkeit und starkem Applaus am Ende.

Weitere Vorstellungen gibt es am Samstag, 26. Januar, um 19 Uhr und am Sonntag, 27. Januar, um 18 Uhr im Einhard-Gymnasium. Alle weiteren Termine unter www.alt-aachener-buehne.de

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