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Alemannias Rettung ist noch möglich

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
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Aufsichtsrat Michael Nobis (links) und Finanzsprecher Holger Voskuhl appellieren an die Fans: „Helft der Alemannia!“ Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Wir brauchen ganz schnell frisches Geld.“ Das sagt Holger Voskuhl, seines Zeichens „Managing Director“, mit ernster Miene. Er ist derzeit Alemannias Finanzsprecher. Noch glaubt auch er, dass der Spielbetrieb des Drittligisten bis zum Saisonende weitergeführt werden kann: „Da müssen aber alle beteiligten Gläubiger Entgegenkommen signalisieren.“

Alemannias Restrukturierungsbeauftragter Michael Mönig muss heute den schweren Gang zum Amtsgericht antreten, zudem kommen die Gläubiger zusammen, um die Weichen für Alemannias nahe Zukunft zu stellen. Signalisieren sie ihre Bereitschaft für ein Insolvenzplanverfahren, könnte der marode Drittligist möglicherweise einen Neustart in der Regionalliga anstreben.

Scheitern die Gespräche, müsste die Alemannia-GmbH abgewickelt werden. Die direkte Insolvenz würde dann die Rückstufung des Traditionsklubs in die Kreisliga C bedeuten.

Eine Rettung sei grundsätzlich möglich, meint Voskuhl, „aber es müssen einige Stellschrauben deutlich bewegt werden“. Und damit spielt Alemannias Finanzsprecher auf die Einnahmenseite an. Denn laut Voskuhl fehle derzeit eine siebenstellige Summe, um den Spielbetrieb bis zum Ende der Saison zu gewährleisten. Außerdem brauche die Alemannia noch eine „deutliche Summe“, um heute an einer direkten Insolvenz vorbeizuschlittern.

Sollte der Drittligist heute in ein Insolvenzplanverfahren gelangen, könnte auch seine kleine Kam­pagne Früchte tragen. Alemannia hofft wieder einmal auf die Unterstützung der leidgeprüften Fans. Sie haben vier Möglichkeiten, ihr Scherflein beizutragen: über ein Rettungskonto sowie über den Kauf eines Rettungsshirts, eines Rettungsbuttons und eines Rettungstickets.

So soll in den kommenden Tagen bei der Sparkasse ein Spendenkonto eingerichtet werden, das zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs verwaltet wird. „Geld, das hier eingezahlt wird, kommt ausschließlich der Zukunft des Vereins zugute“, versichert Alemannias Aufsichtsratsmitglied Michael Nobis. Weitere Informationen dazu will die Alemannia zeitnah bekanntgeben.

Zum Preis von 20 Euro werden ab Samstag Shirts mit der Aufschrift: „Rettung – Mit mir“ rund um den Tivoli verkauft. „Mehr als 50 Prozent des Verkaufspreises fließen in die Alemannia-Kasse. Vielleicht finden wir auch einen Sponsor dafür“, erklärt Nobis. Neben dem Rettungsbutton (für drei Euro) setzt die Alemannia auf die Treue der zahlenden Zuschauer. Nobis: „Jede verkaufte Eintrittskarte hilft dem Verein. Ziel ist es, den TSV am Leben zu halten.“

Auch in dem sozialen Netzwerk „facebook“ rufen Fans zur Unterstützung auf: „Ausverkaufter Tivoli gegen Osnabrück – wir stehen hinter Euch.“ Die Zusagen bewegten sich gestern Abend jedoch nur im dreistelligen Bereich.

Unmittelbare Auswirkungen hat Alemannias desolate Finanzsituation schon auf das Spiel am Samstag gegen den ebenfalls von Insolvenz bedrohten VfL Osnabrück. Denn „aufgrund der anstehenden Insolvenz und aus damit verbundenen organisatorischen Gründen ist das Payment-System im gesamten Stadion eingeschränkt“, teilt Alemannia mit.

Das bedeutet, dass Payment-Karten, auf denen sich noch Guthaben befinden, zwar für den Verzehr von Speisen und Getränken genutzt werden können. Das Aufladen der Karten sowie die Rückzahlung des Guthabens sei aber vorerst nicht möglich.

Ab sofort muss demnach im Stadion bar bezahlt werden. Davon ist neben den Kiosken auch der Alemannia-Shop und der Klömpchensklub betroffen. Zusätzlich können an den Tageskassen die Tickets nur gegen Barzahlung erworben werden. Finanzsprecher Voskuhl: „Das ist für uns momentan die einfachste Variante.“

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