Aachen - Alemannias Kredit: Risiken sind verteilt

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Alemannias Kredit: Risiken sind verteilt

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
Alemannia Aachen - Neuer Tivoli
Blick auf die Front des neuen Tivolis. Foto: dpa

Aachen. Als „unglücklich” bezeichnet Helmut Ludwig, Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, die Entscheidung der Sparkasse Aachen, der Alemannia den so dringend benötigten Kredit nicht zu gewähren. Stattdessen hat nun die Kreissparkasse Heinsberg dem klammen Fußballzweitligisten den Rettungsanker zugeworfen.

Es könnte der Eindruck entstehen, so Ludwig, dass der Rat und die Sparkasse der Stadt und Städteregion nicht an einem Strang ziehen. Zumal im Verwaltungsrat der Sparkasse Aachen neben Ludwig mit Claus Haase (SPD), Harald Baal (CDU) und Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) drei Ratsmitglieder sitzen, die bei der entscheidenden politischen Abstimmung für die Bürgschaft votiert haben.

Allerdings, so Ludwig und Baal unisono, werde der Sparkassen-Verwaltungsrat bei solchen Entscheidungen nicht gefragt: „Die Kreditvergabe obliegt einzig und alleine dem Vorstand.” Lediglich im Risikoausschuss der Sparkasse seien die drei Politiker über Alemannias Kreditanfrage informiert worden. Und: Möglichkeiten der Stadt, die Sparkasse zu dem Kredit zu zwingen, gibt es nicht.

„Wenn schon eine Sparkasse aus der Region einen Kredit gewährt, wäre es wünschenswert gewesen, wenn dies die Sparkasse Aachen gewesen wäre”, betont Ludwig.

„Normaler Vorgang”

Der Sozialdemokrat Haase bewertet die Haltung der Sparkasse in Sachen Alemannia-Kredit hingegen als „normalen Vorgang”: „Für die Kreditvergabe müssen gewisse Grundlagen eingehalten werden. Die Sparkasse hatte der Alemannia mitgeteilt, was geregelt werden muss. Wenn der Verein das nicht schafft, ist es aus Sicht des Sparkassen-Vorstandes richtig, das Risiko eines solchen Kredits nicht einzugehen.”

Nach Informationen der „Nachrichten” hatte die Sparkasse schon Ende März die Geschäftsführung von Alemannia informiert, dass sie gerne alle Gläubiger an einen Tisch bringen und einen externen Sanierer einsetzen wolle. Die Alemannia habe dann sechs Wochen nichts mehr von sich hören lassen. Schließlich sei sie von den Vorschlägen auch alles andere als begeistert gewesen. Alemannias Geschäftsführer Frithjof Kraemer wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern: „Ich bitte um Verständnis, aber zu derartigen Kreditgeschäften kann ich in der Öffentlichkeit nichts sagen.”

„Ich finde das Verhalten der Sparkasse absolut in Ordnung und richtig”, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Harald Baal. Es gäbe nun mal unterschiedliche Einschätzungen bezüglich der Risiken. Außerdem müsse sich ja auch derjenige, der ein Darlehen haben will, um mehrere Ansprechpartner bemühen. „Im Sinne der Verteilung des Risikos ist das eine gute Entscheidung”, sagt Baal. Schließlich sei die Stadt Aachen mit der Bürgschaft schon im Risiko, „da muss unsere Tochter nicht noch das weitere Risiko nehmen”.

Die Sparkasse selbst will „zu Kundengesprächen keine Aussagen machen”. Sprecher Erich Timmermanns unterstreicht aber, dass die Ablehnung des Kredits in keinem Zusammenhang mit einem weiteren Sponsoring steht. „Das sind zwei getrennte Paar Schuhe. Das Sponsoring bei der Alemannia setzen wir gerne fort”, sagt Timmermanns. Und sollte die Alemannia in Zukunft noch mal in arge Finanznöte geraten, werde das Kreditinstitut „keine Gespräche verweigern”: „Wir werden auch in Zukunft mit allen Kunden reden.”

Alemannia muss den Nachweis erbringen

Der Rat der Stadt hatte der wegen des Stadionbaus in finanzielle Bedrängnis geratenen Alemannia am 21. April eine Bürgschaft in Höhe von 5,5 Millionen zugesagt. Sie sichert die Kreditsumme zu 80 Prozent, das Restrisiko trägt der Darlehensgeber.

Bis zum 2. Juni muss Alemannia Aachen der zuständigen Deutschen Fußball Liga einen Nachweis über 3,75 Millionen Euro erbringen. Nur dann erhält der Zweitligaklub die notwendige Lizenz, die den Spielbetrieb für die kommende Spielzeit sichert.
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