Alemannias Fans setzen ein Zeichen gegen Gewalt

Von: Wolfgang Schumacher und Niels Heinichen
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Rund 300 Fans haben sich nach dem Rettungsspiel eindeutig gegen Gewalt und politischen Extremismus in Fußball-Stadien ausgesprochen. Sie möchten damit jene 99 Prozent der Alemannia-Anhänger repräsentieren, die sich absolut korrekt verhalten. Fotos (2): Dagmar Meyer-Roeger Foto: Dagmar Meyer-Roeger
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Seit Sonntag sind die Alemannia und der FC Bayern dicke Freunde, wie dieser Schal zeigt.

Aachen. Mit den Worten „Toll gespielt! Toll gespielt!“ spurtete Bayern-Trainer Jupp Heynckes am Sonntag nach dem Rettungsspiel der Alemannia gegen den großen FC Bayern München aus der Kabine an Journalisten und jungen Fans vorbei in Richtung Mannschaftsbus. Mit „toll gespielt“ lobte er die von der Insolvenz bedrohten Alemannen, die vor 31.600 Zuschauern auf dem Tivoli lange Zeit mithielten mit dem deutschen Rekordmeister, dann aber doch 2:5 unterlagen.

Aber ganz so flott wollte sich Heynckes dann doch nicht aus Aachen verabschieden, also hielt er inne, schrieb bereitwillig Autogramme und gab noch schnell ein Interview, bevor er mit seinem Privatwagen davon brauste. Zurück blieben Aachener und Alemannen, die allesamt beeindruckt waren von Heynckes und den Bayern. Mit Plakaten wie „Danke Uli! Danke FC Bayern!“ zollten sie der vielleicht „lebensrettenden“ Geste des Klubs von Bayern Präsident Uli Hoeneß.

Auch die ansonsten leider üblichen Schmähungen bei gegnerischen Toren blieben völlig aus, die Stimmung am Tivoli war auch dank der hoffnungsvollen Mannschaftsleitung der jungen Alemannen gegen die Weltklassespieler wie Arjen Robben und Co. zwar nicht ausgelassen, aber gut. Der nach der Geller-Kündigung schnell eingestellte Sicherheitsdienst GSE Protect hatte überhaupt keine Probleme mit den Zuschauern. Einzig Stadionsprecher Robert Moonen mahnte wegen des Schnees und Glatteis mehrfach zu großer Vorsicht auf den Rängen und rund ums Stadion.

Das Wetter hatte bereits bei der Anreise der Fans für Probleme gesorgt. Es kam zu Staus in der Innenstadt und auch auf der Autobahn A4 staute sich der Verkehr auf der Zufahrt zur Krefelder Straße. Dass das Spiel überhaupt stattfinden konnte, war schließlich einem Heer von freiwilligen Helfern zu verdanken, das den Platz im Vorfeld freigeräumt hatte.

Dennoch: Trotz der guten Stimmung war die drohende Insolvenz allgegenwärtig. So grüßte etwa ein Spruchband die Spieler beim Einlaufen mit dem römischen Gladiatoren-Spruch „ave, morituri te salutant“, was so viel heißt wie „die Todgeweihten grüßen dich“.

Nicht todgeweiht, aber immerhin in Verruf geraten, waren zuletzt auch Teile der Alemannia-Fans wegen der fortwährenden Auseinandersetzungen zwischen der rechts-unterwanderten Karlsbande und den Aachen-Ultras. Um diesem Eindruck entgegenzuwirken nutzten rund 300 Fans das Rettungsspiel und versammelten sich rund 20 Minuten nach Spielschluss auf der Gegentribüne unter dem Motto „Gewaltfrei. Demokratisch. Alemannia-fanatisch. Wir sind die 99 Prozent.“

„Es ist nur ein kleiner Teil der Fans, der immer negativ auffällt und gewaltbereit ist. Aber wir gehören da nicht zu“, betonte Lou Suiker aus dem Vorstand der Interessengemeinschaft der Alemannia-Fans und Fan-Clubs (Fan-IG) ausdrücklich.

„Der Großteil von uns ist gewaltfrei. In den Medien wird das nicht immer genau erwähnt. Deswegen wollen wir heute mit der Aktion verdeutlichen, dass wir Fußballfans von Alemannia Aachen sind und keine Nazis“, fügt Suiker an.

Seit geraumer Zeit haben die Fans den Eindruck, in den Medien falsch dargestellt zu werden. Vor allem bemängeln die Fans, dass den 99 Prozent der Alemannia-Fans, die sich absolut korrekt verhalten, nur wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit geschenkt wird. „Es wird viel verallgemeinert. Diese negative Presse ist schädlich für die Alemannia. Daher ist es toll, dass so viele verschiedene Fanclubs heute gekommen sind, um zu zeigen, dass sie mit Gewalt in keinerlei Form etwas zu tun haben“, sagte Lou Suiker.

Parallel zu dieser Aktion veröffentlichte die Fan-IG eine Erklärung. Darin heißt es unter anderem: „Wir verachten Gewalt, Rechtsextremismus und politische Agitation. Die Werte einer demokratischen Gesellschaft sind das Fundament unserer Gemeinschaft und unseres Vereins. Wer sie nicht achtet, hat in der Alemannenfamilie nichts verloren.“

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