Aachen - Alemannia: Neuer Geschäftsführer setzt neue Ziele

Alemannia: Neuer Geschäftsführer setzt neue Ziele

Von: Holger Richter und Wolfgang Schumacher
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Drei Neue für die Alemannia: Die Doppelspitze mit Geschäftsführer Michael Mönig (links) und Sachwalter Rolf-Dieter Mönning (rechts) möchte die Alemannia durch das Insolvenzplanverfahren ans rettende Ufer führen. Und das könnte sogar der Klassenerhalt in Liga 3 sein. Finanzsprecher Holger Voskuhl (Mitte) moderiert das Ganze. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Die Stimmung muss brennen“, sagt der eine. „Wir Fans werden jetzt wieder Gas geben und hinter euch stehen. Die Mannschaft und auch Trainer können ja nix dafür“, sagt ein anderer. Die Rede ist hier von den Alemannia-Fans, die trotz der Reihe an sportlichen, finanziellen und sonstigen Hiobsbotschaften immer nicht die Hoffnung verloren haben, die Alemannia doch noch vor dem Untergang zu retten.

Etwa mit der Aktion „Voller Tivoli beim Heimspiel gegen Bielefeld“ im Internet-Netzwerk „Facebook“, wo sich die beiden oben zitierten Anhänger der Alemannia geäußert haben. Bis gestern am späten Nachmittag haben dort zwar nur 541 Fußballfreunde ihr Kommen am morgigen Samstag (Anpfiff 14 Uhr) zugesagt, was zusammen mit den bislang 11000 verkauften Tickets noch keine wirklich große Kulisse für das letzte Heimspiel in diesem Jahr ergibt.

Aber auch Alemannia-Sprecher André Schaefer weiß von großem Zuspruch in den letzten Tagen zu berichten: „Es haben sich Fans bei uns gemeldet, die eigene T-Shirts auf den Markt bringen, Benefiz-CDs zusammenstellen oder auch mit der Sammelbüchse durch die Stadt laufen wollten“ – alles zugunsten der Alemannia. „Wir begrüßen das natürlich sehr.“

Der Verein selbst geht auch zum Spiel gegen Bielefeld wieder mit dem Rettungs-Paket von T-Shirts und Buttons sowie dem neu eingerichteten Rettungs-Konto (Kontonummer: 1009521 bei der Sparkasse Aachen, Bankleitzahl: 39050000, Verwendung: Alemannia-Rettung) an den Start. Bislang hat der Verein mit den verkauften Shirts und Buttons laut Schaefer 30000 Euro eingenommen, die dabei helfen sollen, die Saison in der dritten Liga zu Ende zu spielen.

Dazu fehlen dem neuen Geschäftsführer der Alemannia, Michael Mönig, noch rund 1,5 bis 1,6 Millionen Euro – allerdings nicht nur, um anschließend in der Regionalliga zu starten. „Dazu genügt auch weniger“, so Mönig. Der erfahrene Rechtsanwalt und Insolvenzfachmann gibt in neuer Funktion auch neue Ziele aus: „Ich stehe auf dem Standpunkt, dass derjenige, der einen Verein fast schuldenfrei aus einer Insolvenz herausführt, nicht noch mit einem Zwangsabstieg bestraft werden darf.“

Daher hat er sich zum Ziel gesetzt, „bis zum 30. Juni 2013 jede Möglichkeit zu nutzen, das Insolvenzverfahren wieder zurückzunehmen“. Das könne durch mehr Einnahmen auf der Aktiv-Seite geschehen – wie etwa mit dem vereinbarten Freundschaftsspiel gegen Bayern München am 20. Januar – oder auch durch Einsparungen auf der Passivseite, wenn etwa Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten. „Wichtig ist“, so Mönig, „dass wir ein Zeichen setzen: Wir spielen hier nicht nur für die Galerie, sondern für das sportliche Ziel, in der dritten Liga zu bleiben.“

„Stadt muss sich kramen“

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das weiß auch Michael Mönig, der einräumt: „Die aktuell anstehenden monatlichen Zahlungen kann ich ohne Unterstützung nicht leisten.“ Damit spricht er vor allem die Stadt Aachen an, die bereits angekündigt hat, die Rückstellungen für die Stadionfinanzierung um mindestens zwei Millionen auf dann fünf Millionen Euro oder mehr aufzustocken, um so die Ausfälle der Stadionmiete über mehrere Jahre hinweg auffangen zu können.

Gegenüber weiteren Stundungen zugunsten der Alemannia, beispielsweise Pachtzahlungen und Grundbesitzabgaben, zeigten sich die Aachener Lokalpolitiker zuletzt allerdings eher reserviert.

Nicht zuletzt deshalb sagt der durch das Amtsgericht eingesetzte Sachwalter, Rolf-Dieter Mönning: „Euphorie ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht angebracht.“ Gemeinsam mit seinem Duz-Freund Mönig bildet Mönning die neue Doppelspitze im eingeschlagenen Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung bei der Alemannia.

Mönning ist der Meinung: „Die Stadt muss sich jetzt erstmal kramen.“ Gerade habe sie erst eine Strafanzeige gegen Alemannias Verantwortliche gestellt, und nun solle sie wieder helfen. Da sei noch eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten, so Mönning.

Dennoch ist er ebenso wie Fast-Namensvetter Mönig überzeugt, dass das Insolvenzplanverfahren – sei es mit einem Neustart in der Regionalliga oder sogar einem Klassenerhalt in der dritten Liga – zu schaffen sei. „Vielleicht kann ich ja auch ein wenig als Glücksbringer fungieren“, sagt der Dauerkarteninhaber, der zuletzt allerdings nicht regelmäßig auf dem Tivoli war. Aber: „Die letzten Spiele, die ich gesehen habe, wurden meistens gewonnen.“

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