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Alemannia empört über Schelte der Politik

Von: Christoph Pauli und Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Sehen sich nicht gerne in Verbindung mit einer kriminellen Vereinigung gebracht: Interims-Geschäftsführer Michael Mönig, Sprecher Holger Voskuhl und Sachwalter Rolf-Dieter Mönning baten bei ihrer Vorstellung um Vertrauen. Jetzt fühlen sie sich zu Unrecht angegriffen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Kritik an der Alemannia ließ am Mittwoch im Rat an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Bei der Stadionumfinanzierung sei die Stadt „belogen und betrogen“ worden, sagte CDU-Fraktionschef Harald Baal. Von Täuschung sprach Grünen-Fraktionssprecherin Ulla Griepentrog. Die Reaktion des Pleite-Klubs fiel am Donnerstag ebenso unmissverständlich aus. „Wir sind äußerst irritiert über solche Unterstellungen“, sagt Klub-Sprecher Holger Voskuhl.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch lange nicht abgeschlossen, und auch die Insolvenzverwaltung hat noch nicht alle Unterlagen ausgewertet. Erst dann würde feststehen, ob und wer sich bei wem entschuldigen müsste.

„Sowohl uns nahestehende Sponsoren als auch Mitglieder des Aufsichtsrats sind schlicht entsetzt, dass sie pauschal in den Kanon einer kriminellen Bande gesetzt werden“, sagt Voskuhl. „Diese Äußerungen sind harter Tobak.“ Für Alemannias Verantwortliche ist der Bogen überspannt, weil im Rat eben der Bogen auch zu den aktuell Verantwortlichen gespannt wurde. Eine Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Gegenwart fiel weitgehend aus.

Selbstverständlich hielten sich sowohl Interims-Geschäftsführer Michael Mönig als auch Sachverwalter Rolf-Dieter Mönning streng an gesetzliche Vorgaben. Den Vorwurf werden die Angegriffenen keineswegs so hinnehmen. Auch eine angedeutete Bereicherung mit Spendengeldern wies Voskuhl scharf zurück. Für das Insolvenzverfahren gebe es gesetzlich festgelegte Honorarsätze, keinen willkürlichen Spielraum. „Die Höhe des Honorars steht erst am Ende eines Insolvenzverfahrens fest und wird vom Gericht festgelegt.“

Voskuhl ärgert sich über die einseitige Kritik. Denn auch im Rathaus könne man die Erfolge, die innerhalb weniger Wochen beim insolventen Klub bereits erzielt worden seien, durchaus mal zur Kenntnis nehmen. „Wir haben es geschafft, das Defizit bis zum Saisonende von mehreren Millionen auf etwa 1,2 Millionen Euro zu reduzieren.“

Der viel zu hohe Personalaufwand sei reduziert worden. Mit Streetscooter sei ein interessanter Brustsponsor aus einem Bereich gewonnen worden, der sich bislang noch nicht bei der Alemannia engagiert habe, der aber an die Zukunft des Vereins glaube. Mit anderen wichtigen Sponsoren würden aussichtsreiche Gespräche laufen. „Aber sie sehen sich nicht gerne in Verbindung mit einer kriminellen Vereinigung gebracht, was einige Politiker gerade versuchen.“

Das Wichtigste: Die Mannschaft sei deutlich verbilligt worden. „Da ist gerade ein junges, talentiertes und sympathisches Team unterwegs, das unbedingt den Klassenerhalt schaffen will.“ Immer noch – und das sei schon ein großer Zwischenerfolg – lasse sich der Abstieg sportlich und finanziell vermeiden.

Die Fronten zwischen dem Klub und den Politikern sind seit der Haushaltsdebatte am Mittwochabend weiter verhärtet. „Es ist Wahlkampf, und da werden populistisch die dicken Geschütze herausgeholt“, findet Voskuhl, „aber sie zielen auf die Leute, die gerade den Verein retten wollen.“

Unterdessen sehen Baal und Griepentrog keinen Anlass, etwas von ihrer Kritik an der Vereinsführung zurückzunehmen. „Das Thema Alemannia belastet den Haushalt, die Stadt ist dadurch ärmer geworden“, sagt Baal. Bis jetzt gebe es keine verlässlichen Informationen über die wahre finanzielle Lage, kritisiert auch Griepentrog.

Stattdessen fahre auch die Interims-Geschäftsführung die Strategie, sich als „die Guten“ darzustellen, die den Verein retten wollen, und die Politik als die „bösen“ Bremser darzustellen. Kein anderer Verein in Aachen sei in den letzten Jahren „so von der Politik getragen worden wie die Alemannia“, betont Griepentrog. Da könne man es nicht widerspruchslos hinnehmen, dass der Klub auch jetzt wieder auf öffentliche Gelder schiele.

Knackpunkt Stadionkosten

Hintergrund sind die augenscheinlichen Bestrebungen der Interims-Geschäftsführung, das Stadion in Zukunft mietfrei zu nutzen, für das die Stadt im März vergangenen Jahres bekanntlich einen Kredit von 18,85 Millionen Euro gewährt hat. „Alle Aussagen im Zusammenhang mit dieser Umfinanzierung waren falsch“, unterstrich Baal am Donnerstag erneut.

Und auch die Planungen für die neue Saison hätten vorne und hinten nicht gestimmt. Bis jetzt habe dafür niemand die Verantwortung übernommen oder sich entschuldigt. Stattdessen verfestige sich „die Einsicht zur Gewissheit, dass deren Strategie darauf gerichtet ist, die Stadt in Kollektivhaftung zu nehmen“, sagte Baal im Rat. „Wer damit auch in Zukunft rechnet, kann sich schnell verrechnen.“

Ähnlich warnende Worte wählte Griepentrog: „Die Anstrengungen, die Saison zu Ende zu spielen, machen nur Sinn, wenn in der Kalkulation des Spielbetriebs der nächsten Spielzeit auch die Kosten der Stadionfinanzierung enthalten sind. Eine kostenlose Stadionnutzung kann es aus unserer Sicht nicht geben.“

Die gestrige Replik der Alemannia quittiert sie mit den Worten: „Die Politik ist das falsche Feindbild. Wir haben deutliche Versuche gemacht, Alemannia zu retten und sind bitter enttäuscht worden.“

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