Alemannia: Den Ehrenpäsidenten haut keine Krise um

Von: Achim Kaiser
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90 Minuten mit Leopold Chalupa auf dem Tivoli: Der Ehrenpräsident ist krisenerprobt, was die Alemannia betrifft. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Leopold Chalupa ist ein Mann, den eine schwarzgelbe Krise so schnell nicht umhaut. Als der Ex-General im Jahr 1990 das Präsidentenamt bei der sportlich und finanziell desolaten Alemannia übernahm, stand der Abstieg so gut wie fest.

Sein erster öffentlicher Auftritt war umso spektakulärer. Vor dem Anpfiff des letzten Zweitligaspiels auf dem – alten – Tivoli ergriff der ehemalige Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa das Stadionmikrofon und wandte sich an die Fans. „Achtung! Achtung! Hier spricht der Präsident“, hallte es durch das Stadion.

24 Jahre später muss auch der mittlerweile 86-jährige über seinen damaligen Auftritt schmunzeln. „Ich wollte die Leute noch mal wachrütteln und ihnen Mut machen, dass es auch in der Oberliga weitergeht“, erinnert er sich.

Damals waren die Schwarzgelben ins Amateurlager abgestürzt, in dem sie nun auch wieder ihre sportliche Heimat gefunden haben. Diesmal ist Leopold Chalupa von den Mitgliedern zum Ehrenpräsidenten gekürt worden. Und diesmal verläuft sein erstes Spiel in neuer Funktion weitaus weniger aufregend als noch am 17. Mai 1990, als die Alemannia die Stuttgarter Kickers mit 2:1 schlug. Anschließend nahmen übermütige Anhänger fast den Tivoli auseinander und mehr als 15.000 Zuschauer feierten ihre schwarzgelben Kicker, als seien sie nicht ab-, sondern aufgestiegen, eine bizarre Szenerie.

Anders die 90 Minuten beim jüngsten Pflichtspiel der viertklassigen Alemannia gegen die Sportfreunde Siegen. Es gibt artigen Applaus am Ende, die riesige Arena wirkt leer. Der Nachfolger des verstorbenen Ehrenpräsidenten Leo Führen verfolgt die Partie mit Leidenschaft. Zwar kann er bei der flotten Nullnummer nicht zum Jubel ansetzen, schließlich ist er aber zufrieden, dass immer noch 5600 Tivoli-Besucher den Weg an die Krefelder Straße finden und die junge Mannschaft sich tapfer gegen die starken Gäste aus der Affäre gezogen hat.

„Alemannia gehört einfach zu Aachen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Zukunft meistern werden“, blickt Chalupa optimistisch nach vorne. Dass der neue Präsident Heinz Maubach nicht aus dem Fußball kommt, sei durchaus von Vorteil, sagt die im Sternzeichen Löwe geborene Frohnatur. „So wird deutlich, dass Alemannia mehr ist als Fußball“.

Dennoch weiß auch er, dass die Kicker das Aushängeschild des Traditionsklubs sind und ein längerer Aufenthalt in der Regionalliga womöglich nicht finanziert werden kann. Viel Hoffnung setzt der ehemalige Soldat in das neue Präsidium: „Ich bin sicher, dass es dem Team gelingt, die Alemannia wirtschaftlich wieder auf einen stabilen Kurs zu bringen“, sagt der Wahl-Aachener und setzt dabei besonders auf den erfolgreichen Unternehmer Tim Hammer.

Vor 24 Jahren belasteten die Alemannia rund 2,5 Millionen Mark Schulden. „Wir konnten sie während meiner Amtszeit auf 1,2 Millionen drücken. Aber mir war klar, dass nur ein wirtschaftlich starker Präsident den Verein wieder nach oben bringen konnte.“ So blieb er nur eine Amtszeit an der Spitze des Klubs. „Mir ist es dann gelungen, den früheren Zentis-Chef Heinz-Gregor Johnen für die Alemannia zu begeistern“, erzählt der 86-Jährige. Tatsächlich trat Johnen im Jahr 1992 Chalupas Nachfolge an, Aachens Rückkehr in den Profifußball gelang aber erst sieben Jahre später.

In der aktuellen Situation bleiben dem Regionalligisten keine neun Jahre Zeit für den Wiederaufstieg in die dritte (Profi-)Liga. „Wir haben die Insolvenz für den Verein vermieden. Jetzt müssen wir eine spielstarke Mannschaft zusammenstellen, um schnell wieder hochzukommen“, sagt der Ehrenpräsident.

„Hipp, Hipp, Hurra“

Und wieder wird seine erste Amtshandlung zumindest den Mitgliedern in Erinnerung bleiben. Kurz nach seiner Wahl wollte er die Antrittsrede in der Tradition seines Vorgängers Leo Führen mit einem dreifachen „Hipp, Hipp Hurra“ beenden. Das „Hipp, Hipp“ blieb jedoch auf der Strecke, und Chalupa holte zur Verwunderung aller Anwesenden nur zu einem dreifachen „Hurra“ aus. „Ich habe das Hipp, vergessen“, gesteht der aufrechte Alemanne und gelobt Besserung: „Bei der nächsten Versammlung denke ich dran.“

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