Aachen - Alemannia darf vorerst weiter am Tivoli spielen

Whatsapp Freisteller

Alemannia darf vorerst weiter am Tivoli spielen

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
20130412_00001d204fd5aece_rat_Alem_Rostock_01.jpg
Alemannia Aachen darf vorerst weiter am Tivoli spielen. Der Stadtrat gewährt einen Betriebskostenzuschuss für die nächste Spielzeit.

Aachen. Was die schwarz-grüne Ratsmehrheit in ihren Haushaltsreden im Januar noch kategorisch ausgeschlossen hat, ist nun doch eingetreten: Die Stadt gewährt dem Pleiteclub Alemannia für die nächste Saison einen Betriebskostenzuschuss, der je nach Liga-Zugehörigkeit zwischen 850.000 und mindestens 1,5 Millionen Euro liegen wird. Dazu hat sich der Rat am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung mehrheitlich durchgerungen.

Damit soll dem völlig überschuldeten Noch-Drittligisten die Chance für einen Neustart offengehalten werden, den derzeit Sanierungsgeschäftsführer Michael Mönig in Zusammenarbeit mit Sachwalter Rolf-Dieter Mönning und Frank Kebekus, Insolvenzverwalter der Stadion GmbH, anstreben.

Hätte die Stadt am Mittwoch nicht zugestimmt, hätte dies wohl nicht nur das schnelle Ende des Traditionsvereins herbeigeführt, sondern der Stadt auch einen leeren und nutzlosen Fußballtempel beschert. Am Ende hätte wohl die Zwangsversteigerung des Tivoli gestanden – ohne dass irgendjemand eine Vorstellung hat, was damit anzufangen ist.

Nach dem Ratsbeschluss, dem die FDP, UWG-Einzelkämpfer Horst Schnitzler und zwei CDU-Mitglieder nicht zustimmten – zwei Enthaltungen gab es bei den Grünen – ergeben sich aus Sicht der Politiker jedoch wieder Handlungsoptionen, was in der derzeit völlig verfahrenen Situation immer noch als die beste unter all den schlechten Möglichkeiten angesehen wird.

Alemannia kann demnach in der Spielzeit 2013/14 weiter im Tivoli spielen – nach Lage der Dinge wird sie dies eher in der Regionalliga als in der Dritten Liga tun. Für die Stadt hat dies höhere Kosten zur Folge, da Alemannia in der niedrigeren Spielklasse auch weniger Einnahmen erzielt. Sie wird somit nur einen geringen Teil der Stadion-Betriebskosten erwirtschaften können, die mit rund zwei Millionen Euro veranschlagt sind – für Sicherheitsdienste, Strom, Wasser, Reinigung, Busse, Leasingverträge und anderes.

Aktuell rechnet die Stadt damit, dass sie wohl mindestens 1,5 Millionen Euro zuschießen muss, um den Spielbetrieb am Tivoli in der nächsten Saison zu sichern. Obendrauf kommen noch 200.000 Euro für ein geordnetes Insolvenzverfahren der Stadion GmbH und 100.000 Euro für die Entwicklung eines Nutzungs- und Vermarktungskonzepts des Stadions.

Denn die Zeit, die am Mittwoch erkauft wurde, soll nicht ungenutzt bleiben, versichern die Politiker über alle Fraktionsgrenzen hinweg. So sollen möglichst schnell die Eigentumsrechte an dem Stadion geklärt werden. Eine denkbare Variante: Land und Aachen-Münchener – neben der Stadt die größten Gläubiger – verzichten auf ihre Forderungen und überlassen der Stadt den Tivoli.

Zeitnah soll nun auch überlegt werden, welche Bereiche des Stadions für eine Drittvermarktung in Frage kommen, um höhere Einnahmen zu erzielen. Dafür kommen unter anderem der Klömpchensclub, VIP-Bereiche, Fanshop und Büros in Frage. Und sobald die Eigentumsfrage geklärt ist, müsse aus Sicht der Politiker zudem überlegt werden, ob das Stadion auch durch andere Vereine, andere Sportarten oder für andere Events genutzt werden kann.

Das gestaltet sich allerdings deswegen schwierig, weil das Stadion nach Darstellung der Verwaltung als „Sonderbauwerk“ bisher nur sehr eingeschränkt genutzt werden kann. Auch „geringfügige Änderungen“ seien nicht ohne Bebauungsplanänderungen und neue Gutachten möglich.

Sachstandsbericht im Oktober

Unter diesen Vorzeichen haben sich die Politiker für eine auf ein Jahr begrenzte Finanzspritze ausgesprochen. Eine von der FDP gewünschte Deckelung der Zuschüsse hat keine Mehrheit gefunden, da sie offenbar nicht mit dem Insolvenzrecht vereinbar ist. Die Arbeit an einem neuen Nutzungskonzept für das Stadion wollen die Politiker nicht dem Insolvenzverwalter überlassen, sondern lieber in Händen der Stadt sehen. Bis Oktober erwarten die Ratsleute nun einen Sachstandsbericht zu den weiteren Nutzungsmöglichkeiten des Stadions.

Vorerst ist die Existenz der Alemannia somit gesichert. Einen Blick über die nächste Spielzeit hinaus wollte gestern hingegen niemand wagen. Aus Sicht der Sanierer wird es „mindestens fünf Jahre, möglicherweise sogar sieben Jahre dauern“, bis die Alemannia wieder höherklassig spielen wird. Das ist eine Perspektive, die jeden Politiker blass werden lässt. In der Summe müsste die Stadt demnach gut zehn Millionen Euro zuschießen, um den Spielbetrieb an der Krefelder Straße langfristig aufrechtzuerhalten.

„Jedes Jahr 1,5 Millionen Euro nachschieben wäre ein politischer Skandal“, sind hingegen auch die meisten Politiker überzeugt. Der gestrige Beschluss könne daher keine Vorentscheidung für die Zukunft sein. Jetzt wolle man erst mal abwarten, was mit dem Tivoli neben dem Fußball noch anzufangen ist, dann werde man weitersehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (15)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert