Albrecht-Dürer-Stube: Traditionslokal wird abserviert

Von: Wolfgang Schumacher
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Marion Körner ist traurig. Nach 13 Jahren muss sie am Ende des Jahres die Albrecht-Dürer-Stube aufgeben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die romantische Ecke am Fischmarkt gegenüber der Statue des Fischpüddelchens wird im kommenden Jahr wohl merklich trister. Denn die Gaststätte Albrecht-Dürer-Stube, in deren Mauern sich seit Jahrhunderten die Dombesucher (wie einst der berühmte Maler Albrecht Dürer) nach Gebet, Messfeier oder Besichtigung mit Speis‘ und Trank erfrischen können, wird zum Ende des Jahres schließen müssen.

Dabei haben Betreiberin Marion Körner mit Tochter Sandra Albarus nach 13 Jahren keinesfalls die Lust an der Gastronomie verloren. Vielmehr hat ein bekannter Aachener Projektentwickler, der in anderen Großprojekten wie der damaligen Kaiserplatz-Galerie und jetzigem Aquis Plaza als Investoren-Vertreter aufgetreten war, das schöne alte Haus erworben und will es nun nach eigenem Bekunden „zunächst völlig kernsanieren“. Dass er dort jedoch partout keine Gastronomie mehr haben will, ist für Marion Körner die eine Hälfte der für sie absolut traurigen Geschichte.

Die andere ist für sie die Weigerung des alten Hauseigentümers, den Wirtsleuten einen weiteren Mietvertrag anzubieten, weil er sein Haus veräußern wollte. Der neue Besitzer wehrt sich auf Anfrage der „Nachrichten“ jedenfalls gegen die öffentlichen Vorwürfe, er zerstöre hier ohne Not ein Stück Aachener Lebensqualität.

„Man kann wieder Gastronomie rein machen – und das tut auch keinem weh“, poltert dagegen die erboste 69-Jährige Restaurantbetreiberin, die richtig stolz darauf ist, dass „bei uns die Soßen noch selbst gemacht werden, und dies ohne jeglichen Geschmacksverstärker“. Doch diese werden ebenso wie die anderen Öcher Leckereien – „Hömmel än Eäd“ (Himmel und Erde) oder „Puttes mit Zwiebeln“ (Blutwurst mit Zwiebeln) – ab 2017 von der Speisekarte gesetzt.

Die Körners kommen aus einer traditionellen Gastronomiefamilie: „Wir hatten immer gute Objekte“, trauert Marion Körner, ein Ersatz lasse sich nicht von jetzt auf gleich aus dem Hut zaubern. Und richtig schade sei es außerdem um die historische Kneipe mit den alten Stichen und einer traditionellen Holztäfelung.

Der Käufer des Objekts macht geltend, er habe bereits das heruntergekommene und über Jahren leerstehende ehemalige Degraa-Haus an der Ecke zur Anna­straße grundsaniert und mit einem Café-Betrieb wieder attraktiv gemacht. „Eine richtige Gastronomie aber mit den heutigen Auflagen, das ist zu teuer“, lautet sein Fazit. Aber: „Einen Fischladen am Fischmarkt, das könnte ich mir auf jeden Fall vorstellen.“

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