Aktionswoche: Afrika kommt auf Urlaub ins Altenheim

Von: Margot Gasper
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Urlaubsmenü in XXL: Küchenchef Achim Schaumann (2.v.l.) sowie Mirjana Krumbach, Manfred Tirtey und Bozena Wolff vom Küchenteam des Altenheims kochen Afrikanisch. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Zwei Kontinente, drei Länder, vier Urlaubsziele: Die Bewohner des Altenheims St. Elisabeth schaffen das locker in einer Woche. Und sie müssen dafür nicht einmal vor die Tür gehen. Denn die Welt kommt zu ihnen nach Hause. Mit dem Projekt „In fünf Tagen um die Welt“ betritt das Altenheim der Aachener Caritasdienste Neuland.

An der Welkenrather Straße steht jeden Tag ein anderes Urlaubsziel im Mittelpunkt: die Nordsee, die bayerischen Alpen, Italien – und Afrika. Höhepunkt der „Weltreise“ ist dann am Samstag das Sommerfest.

Verreisen im Alter, das ist für viele Senioren zu beschwerlich, für manche auch zu teuer. „Auch wenn Altenheime etwas organisieren, können längst nicht alle mit“, erläutert Pflegedienstleiterin Doris Szeberenyi. Deshalb hat sie die Idee, die Welt einfach ins Haus zu holen, gerne aus einer Fachzeitschaft übernommen.

„Spürnasen“ im Dschungel

Jeden Tag sind die Räume ein wenig landestypisch dekoriert, jeden Tag gibt es Angebote, die zum Thema passen. Am Montag ging es für 135 Bewohnerinnen und Bewohner gleich nach Afrika. Als pfiffige Reiseführer waren Kinder aus der Kita „Spürnasen“ von der Vaalser Straße rübergekommen. Die Kleinen turnen montags regelmäßig in den Räumen des Altenheims. Am Montag wurde die Turnstunde kurzerhand in eine musikalische Dschungelreise umgewandelt. Einige Damen zogen auch wacker singend mit den Kindern durch den Raum.

Mittags gibt es Lamm-Tajine

Ein Bewohner von St. Elisabeth stammt aus dem afrikanischen Ghana. Er stellte nachmittags auf der Terrasse seine Trommelkünste in den Dienst der Aktion und trommelte beschwingte Rhythmen.

Den schwierigsten Job in Sachen Afrika aber hatte am Montag wahrscheinlich die Küche. Denn jeder Tag ist auch eine kulinarische Reise. Dafür legen sich Küchenmeister Achim Schaumann und sein Team gewaltig ins Zeug. Aus 15 Kilo Lammhack, Weizen, Bohnen, Mais und Kartoffelwürfeln zauberten sie am Montag Lamm-Tajine, afrikanisch-kräftig gewürzt, aber natürlich nicht zu scharf. „Normalerweise kochen wir hier vor allem regionale Gerichte“, verrät Schaumann. „Sauerbraten, Reibekuchen, Gulasch oder Möhrengemüse, das mögen die Senioren besonders gerne.“

Lamm-Tajine war also geschmacklich durchaus ein Wagnis. Und nicht alle Bewohner wollten davon kosten. Hungern mussten sie natürlich dennoch nicht. Für eher vorsichtige Esser gab es Gulasch mit Nudeln oder Kartoffelpüree. Annemie Behrend hat das afrikanische Essen aber selbstverständlich probiert. „Ich habe früher sehr gerne gekocht“, sagt die 77-Jährige. Ihre Kochbuchsammlung hat sie verschenkt, als sie ins Altenheim gezogen ist.

Kibbeling und Pizza

Heute, passend zum „Tag an der Nordseeküste“, fahren einige der Senioren zum Markt ins niederländische Heerlen. Mittags gibt’s hier im Haus Kibbeling für alle“, verspricht der Küchenchef reichlich frittierten Backfisch.

Am Mittwoch wird er zum Alpentag eine zünftige bayrische Brotzeit zaubern. Und am Donnerstag heißt es auch auf dem Speiseplan „Bella Italia“. Dann gibt es mittags Pizza und abends ein großes Candlelight-Dinner im Garten. „Das wird bestimmt ganz toll“, sagt Schaumann.

Die ungewöhnliche Urlaubswoche biete den Bewohnern ein Stück Auszeit vom Alltag, erläutert Ergotherapeutin Barbara Bischoff. Das Projekt soll aber auch die Menschen, die in St. Elisabeth wohnen und arbeiten, neu und anders miteinander bekannt machen. Als am Montag in den Wohnküchen der Obstsalat fürs Afrika-Menu geschnippelt wurde, da saßen die Mitarbeiter aus der Verwaltung mit am Tisch und halfen. „Im Urlaub lernt man an den Menschen ja auch ganz andere Seiten kennen“, sagt Bischoff.

Neue Seiten lernen die Senioren in ihrer Urlaubswoche auch an Einrichtungsleiter Peter Rode kennen. Beim italienischen Festschmaus kellnert er nämlich.

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