AfD: Die Europakritiker wollen den Stadtrat aufmischen

Von: Gerald Eimer
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Bezeichnet sich selbst als wertekonservativ und patriotisch: Der Selbstständige und Aachener AfD-Spitzenkandidat Markus Mohr. Foto: Harald Krömer

Aachen. Über kaum etwas ärgert sich Markus Mohr mehr, als in die Ecke der Europafeinde gestellt zu werden. „Ich stehe voll und ganz zu Europa, wir brauchen die enge Zusammenarbeit“, sagt er und betont: „Wir sind nicht europafeindlich, wir sind europakritisch.“

Mit „wir“ meint er die „Alternative für Deutschland“ (AfD), für die der 29-Jährige als Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl antritt. Wenn es nach ihm geht, wird die AfD nach dem 25. Mai in Fraktionsstärke in den Rat einziehen.

Insbesondere von der Antifa wird die AfD seit längerem verdächtigt, rechtes und nationalistisches Gedankengut gesellschaftsfähig zu machen. So wurde es in den zurückliegenden Monaten auch den Aachener AfD-Anhängern erheblich erschwert, Räume für ihre Versammlungen zu finden. Und auch im laufenden Wahlkampf werden immer wieder Plakate zerstört.

Die – auch medialen – Angriffe würden die meisten Mitglieder als „ungerecht“ empfinden, sagt Mohr. Die AfD ist in seinen Augen „eine sehr bürgerliche Partei“, in der sich vor allem gut ausgebildete Mittelständler aufgehoben fühlten. Es mag einen national gesinnten und auch einen sehr christlich-konservativen Flügel in der AfD geben – doch welche Partei habe solche Flügel nicht, fragt er.

Mohr selbst würde sich als „wertekonservativ und patriotisch“ bezeichnen. Vor knapp zehn Jahren habe er mal seine politische Heimat bei der FDP gesehen. Doch wie die anderen „Altparteien“ sei ihm auch die FDP zu bürgerfern. „Die Bürgerinteressen bleiben im Rat auf der Strecke“, meint er.

Ein „schockierendes“ Beispiel seien etwa die Vorgänge um den neuen Tivoli, wo ein privatwirtschaftlicher Verein aus reinem Opportunismus auf Kosten der Bürger saniert worden sei. Um so etwas künftig zu verhindern, wolle man „eine vernünftige Oppositionsarbeit machen“. Damit die Aachener wissen, worauf sie sich einlassen, haben die örtlichen AfDler auf zwölf Seiten eine Arbeitsgrundlage formuliert. Es liest sich wirtschaftsfreundlich und ordnungsliebend und hinterlässt den Eindruck, als hätten Vordenker von FDP und CSU den Stift geführt. Die AfD kritisiert die Gewerbesteuererhöhung und prangert Steuergeldverschwendung an – etwa für „nutzlose Genderprojekte“ oder „zweckentfremdete Kulturförderung“. Für fragwürdig hält AfD-Mann Mohr etwa die Unterstützung des „linksextremen“ Autonomen Zentrums.

Seine Partei steht für das dreigliedrige Schulsystem und gegen den gebundenen Ganztag an Schulen. Die traditionelle Familie sei ein hoher Wert, meint Mohr, der selbst noch alleinstehend ist. Kinder gehören seiner Meinung nach eher in die Familie als in die Obhut „staatlicher Einrichtungen“. Die U3-Betreuung ist somit für die AfD gar kein Thema, dafür sollen aber laut Programm die Spielplätze sauberer und sicherer werden.

Mit mehr Ordnungspersonal und Polizeiwachen an Brennpunkten sollen „Angsträume“ beseitigt werden. Der Verkehrsfluss müsse erhöht werden, sagt die AfD, die dabei ausschließlich Autofahrer im Blick hat. Sie spricht sich gegen die Errichtung weiterer Windkraft-Anlagen aus und will damit den „Windrad-Wahnsinn“ beenden.

In das konservativ ausgerichtete Programm fügt sich beinahe folgerichtig das Ansinnen ein, öffentliche Gebäude ganzjährig mit einer Deutschland- und Aachenfahne zu beflaggen. Mohr meint: „Ich liebe die Gegend und das Land, ich finde, das kann man zeigen.“

Er selbst komme aus einer Arbeiterfamilie, sagt Mohr. Sein Vater war Installateur. Der 29-Jährige betreibt nach einer Banklehre und einer Ausbildung zum Versicherungsfachwirt heute ein eigenes Maklerbüro auf der Hüls. Er ist überzeugt: „Die Aachener sind unzufrieden mit der Politik. Sie möchten eine Alternative, und die wollen wir bieten.“ Bei der Bundestagswahl überzeugte dies allerdings gerade mal 3,1 Prozent der Aachener Wählerschaft.

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