Ärzte-Notruf: Telefon-Terror kaum zu stoppen

Von: Heiner Hautermans
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Notfall Telefon Notruf
Der Telefon-Terror ist kaum zu stoppen. Foto: dpa

Aachen. Der Telefon-Terror dauert schon seit fast einem Jahr an, und er ist offenbar kaum zu stoppen. Seitdem ruft eine 48-jährige Frau fast jede Nacht die Notrufzentrale der Kassenärztlichen Vereinigung an und dirigiert die Mediziner unter Angabe falscher Namen und Adressen zu Wohnungen im gesamten Stadtgebiet - mitunter bis zu fünf Mal pro Nacht.

Die Ärzte haben längst Anzeige erstattet, die Strafverfolger stoßen allerdings an ihre Grenzen. Schon vor Monaten teilte die Polizei auf Anfrage mit, dass gegen die geschiedene Frau wegen penetranten und wiederholten Missbrauchs von Notrufen ermittelt werde. Weil die Frau Vorladungen nie Folge leistete und der Telefon-Terror trotz der Ermittlungen weiterging, griffen die Fahnder auf Weisung der Staatsanwaltschaft jetzt zu härteren Mitteln. Sie durchsuchten die Wohnung der Frau in der Innenstadt und „stellten die Bude auf den Kopf”, wie ein Polizist es ausdrückt.

„Konkrete Ergebnisse dieser Durchsuchung liegen noch nicht vor”, drückt Oberstaatsanwalt Robert Deller es zurückhaltender aus. „Ob man einem derartigen Treiben seitens der Strafverfolgungsbehörde ein Ende setzen kann, daran habe ich nach wie vor meine Zweifel.” Schließlich könne man sich ja völlig problemlos ein neues Handy besorgen, falls ein anderes beschlagnahmt werde.

Deller zeigte großes Verständnis für die Ärzte, verwies allerdings darauf, dass bei einem derartigen Tatbestand (Missbrauch von Notrufen wird mit einer Geldstraße oder Freiheitsentzug von bis zu einem Jahr bestraft) nicht mit einem Haftbefehl operieren können. Der Oberstaatsanwalt gab jedoch seiner Hoffnung Ausdruck, dass „wir jetzt an einem Punkt angekommen sind, wo das Nachdenken einsetzen könnte”. Klar sei auch für ihn, dass da irgendetwas passieren müsse, um die Frau zu stoppen.

Eine andere Behörde, die in derartigen Fällen zum Einsatz kommen kann, ist das Ordnungsamt. Dort hat man von dem Telefon-Terror schon gehört oder gelesen. „Diese Frau, die immer die Arztzentrale anruft, ist leider kein Einzelfall”, berichtet Elke Wartmann, Abteilungsleiterin Allgemeine Sicherheit und Ordnung: „Auffällig ist eine starke Häufung dieser Verhaltensweise. In diesem Jahr haben wird schon fünf bis sechs derart massive Fälle.” Sie richteten sich zum Beispiel gegen die Justizbehörden, auch schon mal gegen eine Anwaltskanzlei. „Das ist nicht nur lästig, sondern kann bis an die Substanz der Betroffenen gehen.”

Wenn entsprechende Ersuchen beim Ordnungsamt eingehen, lässt die Behörde prüfen, ob im Zusammenwirken mit dem Gesundheitsamt eine Einweisung nach dem PsychKG, dem Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten, erfolgen könne. Vielfach fehle aber die Voraussetzung der Eigen- oder Fremdgefährdung, so dass allenfalls noch die Anordnung einer Betreuung erfolgen könne. Aber auch ein Betreuer könne nicht Tag und Nacht neben seinem Schützling stehen.

Mit geballter Faust

Die Kreisstelle Aachen der Kassenärztlichen Vereinigung hat schon alle möglichen Stellen eingeschaltet, um den massiven Missbrauch zu beenden, unter anderem die Krankenkassen. Vorsitzender Dr. Wolfgang Claßen: „Das ist eine Ausnahmesituation, das gibt es in ganz Nordrhein-Westfalen nicht noch einmal.” Möglicherweise werde die juristische Lage besser, wenn man durch die neue Rufnummer 115116 den Notrufen 110 und 112 gleichgestellt werde. „Noch gelten wir als Privatinstitution.”

Vorläufig müssten die Kollegen mit geballter Faust rauszufahren, wenn ein Anruf kommt: „Wenn etwas anderes dahinter steckt, ist sonst der Teufel los. Im Endeffekt lähmt das unseren Notdienst.”
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