Ärger um Kündigungen beim Solarverlag Photon

Von: Wolfgang Schumacher
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Die Photon-Holding mit Sitz an der Jülicher Straße: Weltweit arbeiteten etwa 240 Mitarbeiter für die verschiedenen Töchter des Verlages, dessen Flaggschiff ein Monatsmagazin für Solartechnik ist. Foto: Harald Krömer

Aachen. Weil es der Solarbranche nicht mehr ganz so gut wie einst geht, habe der Aachener Fachverlag Photon Mitarbeiter entlassen müssen. Das ist jedenfalls die Lesart der Geschäftsführung. Dies wird allerdings von der Gewerkschaft Verdi massiv angezweifelt. Sie wirft dem Unternehmen vor, durch die Kündigungen unliebsame Mitarbeiter loswerden zu wollen. Einige von ihnen hatten kürzlich versucht, einen Betriebsrat zu gründen.

Das Verlagsunternehmen Photon beschäftigt weltweit rund 240 Mitarbeiter, 130 davon in Aachen. Entlassen wurden in jüngster Zeit 16 Mitarbeiter, dies vor allem in Aachen, weil hier auch der Vertrieb und die IT des Unternehmens angesiedelt sind. Der Verlag ist organisiert in einer Holding, die sich in diverse weltweit tätige Unterfirmen gliedert. Als Flaggschiff gilt ein anerkanntes Publikationsorgan für die Solarbranche, das Heft erscheint monatlich in einer Auflage von rund 50 000 Exemplaren. Aber auch diverse Newsletter und andere Fachzeitschriften werden produziert. Die Vorgeschichte zum betriebsinternen Knatsch: Als die Gewerkschaft Verdi für den 27. Oktober eine „Versammlung zur Wahl eines Wahlvorstandes“, so die Einladung, für Betriebsratswahlen in dem Unternehmen an die Beschäftigten losschickte, seien die drei Unterzeichner des Schreibens prompt gekündigt worden, stellte Gewerkschaftssekretär Franz Blatt sauer fest.

Die Unterzeichner Julia Hohl, Daniel Thielking und Anja Hammes, so berichteten sie am Mittwoch den „Nachrichten“, seien aus allen Wolken gefallen, als ihnen am 26. Oktober, also einen Tag vor der angepeilten Versammlung, die Kündigungen auf den Tisch flatterten. Doch nicht genug. Die ordentlichen Kündigungen seien postwendend in außerordentliche, sprich fristlose Kündigungen umgewandelt worden. Das gleiche sei weiteren vier Mitarbeitern geschehen, die sich im Umfeld der Gewerkschaft und der aktiv gewordenen Mitarbeiter aufgehalten hätten.

Verdi mit Sekretär Blatt hatte versucht, im Betrieb selbst eine Gründungsversammlung zu starten. Blatt bekam Hausverbot, das durch einen Beschluss des Aachener Arbeitsgerichtes vom 8. November wieder aufgehoben wurde, er darf nun wieder in die Firma an der Jülicher Straße. Ein zweiter Versuch, einen Wahlvorstand in den Gewerkschaftsräumen an der Hars­campstraße zu installieren, scheiterte am 23. November. „Da waren Abteilungsleiter und linientreue Mitarbeiter hingeschickt worden“, monierte Blatt, die Versammlung sei in einer Pattsituation und ohne Erfolg wieder aufgelöst worden. Prompt habe eine weitere Mitarbeiterin, die nicht mit den Linientreuen gestimmt habe, die Kündigung bekommen.

Schlechte Auftragslage

Besonders zornig ist Blatt wegen der nachgeschobenen fristlosen Kündigungen, die nach Ansicht des Verdi-Mannes juristisch völlig unhaltbar seien. Doch sie hätten zur Folge, dass die Betroffenen anders als beim Aussprechen einer „normalen“ Kündigung nicht an dem Wahlverfahren teilnehmen dürfen. All dies zeige, dass die Firma nicht wegen einer Flaute kündige, sondern um eine Mitarbeitervertretung zu verhindern.

Demgegenüber erklärte der Herausgeber und kaufmännische Leiter des Unternehmens, Philippe Welter, am Mittwoch gegenüber den „Nachrichten“, man werde sich momentan im Einzelfall nicht äußern, die Arbeitsgerichte müssten entscheiden. Allerdings leide der Verlag sicherlich unter der momentan schlechten Auftragslage in der Solarbranche.

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