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Ärger mit Domkapitel: „Fühlen uns nicht ernst genommen“

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
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Die Karlsbüste vor dem Karlsschrein im Aachener Dom: Die Büste wurde nach der Restaurierung im Jahr 2005 wieder in die Schatzkammer zurückgeführt. Mit ihrer Aufarbeitung begann damals der Streit zwischen Förderverein und Domkapitel. Foto: Andreas Hermann

Aachen. Ralph Leroy ist maßlos enttäuscht, der Vorsitzende des „Vereins zur Erhaltung des Hohen Doms zu Aachen“ sieht keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit mit dem Domkapitel und dem Leiter der Domschatzkammer Dr. Georg Minkenberg. „Unsere Arbeit zur Erhaltung des Weltkulturerbes findet einfach keine Anerkennung und keine Wertschätzung“, klagt Leroy.

Im Jahr 1985 hatte der damals 18-Jährige mit drei jungen Freunden den Verein ins Leben gerufen, jetzt soll ein Schlussstrich gezogen werden. „Wir haben beschlossen, der nächsten Mitgliederversammlung die offizielle Einstellung unserer Aktivitäten für die Erhaltung des Aachener Doms nahe zulegen“, heißt es in einem Schreiben an die rund hundert Mitglieder.

345 000 Euro haben Leroy und seine Mitstreiter in den vergangenen 28 Jahren für das Münster gesammelt. So hat sein Verein beispielsweise das Schloss für den Marienschrein gestiftet. Das war im Jahr 2007, zur Heiligtumsfahrt. Es war die letzte Spende des Vereins.

Zusammen mit der GSBA-Stiftung (Graduate School of Business Administration) in Zürich ermöglichte Leroy zwei Jahre zuvor auch die kostspielige Restaurierung der Karlsbüste. Und damit begann auch die eigentliche Auseinandersetzung. Das Domkapitel habe im Jahr 2005 ursprünglich 35.000 Euro für die Aufarbeitung der Büste veranschlagt, wenig später aber eine Rechnung über 71.000 Euro präsentiert, sagt Leroy. Schließlich sei die Rechnung auf 53.000 Euro korrigiert worden.

„Die beschriebene Differenz über die Abrechnung der Restaurierung ist zwischen dem Vereinsvorsitzenden und dem damaligen Leiter der Domverwaltung einvernehmlich als beendet erklärt worden“, heißt es in einer Erklärung des Domkapitels. „Es gab seinerzeit Irritationen und eine Entschuldigung von uns, die Herr Leroy angenommen hat“, erklärt Günter Schulte, Geschäftsführer des Domkapitels.

„Das stimmt“, bestätigt Ralph Leroy, „als aber Herr Minkenberg im Jahr 2012 die Kosten für die Konservierung in einer Publikation auf 30 000 Euro bezifferte, haben wir uns schon gefragt, welche Zahlen denn nun zuverlässig sind.“ Das sei ein Fehler gewesen, gesteht Minkenberg. „Ich hätte diese Summe direkt richtig stellen müssen.“ Alle großen Restaurierungsprojekte würden samt Rechnungen jährlich von der Bezirksregierung geprüft, erläutert Geschäftsführer Schulte: „Es gab nie Beanstandungen.“

Eigene Dokumentation

2005 war auch vereinbart worden, dass dem Verein eine eigene Dokumentation zur Restaurierung der Karlsbüste erstellt werde. „Wir sind immer wieder vertröstet worden, passiert ist nichts“, beklagt sich Leroy. Auch den letzten zugesagten Aushändigungstermin des Heftes, den 30. April 2013, habe das Domkapitel kommentarlos verstreichen lassen.

Zudem ärgert sich Leroy, dass er keine näheren Auskünfte von Minkenberg für den Internetauftritt seines Vereins bekommen hat. „An dieser Stelle würden wir Sie gerne näher über die einzelnen Erhaltungsprojekte informieren. Leider sieht das Domkapitel keine Möglichkeit, uns die hierzu erforderlichen Informationen zur Verfügung zu stellen“ heißt es auf der Webseite der Domförderer.

„Die Vorstellungen von Herrn Leroy entwickelten sich in Dimensionen, die unüblich waren. Ich habe versucht, diesen Wünschen zu entsprechen, aber das hat leider nicht immer geklappt“, räumt der Leiter der Domschatzkammer Versäumnisse ein.

Als eine „Verkettung unglücklicher Umstände“ beschreibt das Domkapitel eine nicht beglichene Vorleistung des Vereins aus dem Jahr 2011. Der hatte vor zwei Jahren offene Rechnungen für Domkalender und Seifentaler mit dem Konterfei Karls des Großen moniert, eine Summe von rund 1300 Euro stehe, so Leroy, im Raum. „Eine Abmahnung der offenen Posten durch den Verein ist auf dem üblichen Weg bis heute nicht erfolgt“, kontert das Domkapitel.

„Es sind diese Umstände, die uns an der Ernsthaftigkeit und Richtigkeit der Aussagen und Zusagen zweifeln lassen“, erklärt Leroy. „Wir fühlen uns in unserer Arbeit nicht ernst genommen. Es ist uns unverständlich, weshalb man Menschen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren, derart verprellt und deren berechtigte Anliegen ignoriert.“

Hohe Bedeutung

Georg Minkenberg, stets Ansprechpartner des Domkapitels für den „Verein zur Erhaltung des Hohen Doms zu Aachen“, bedauert „die Entwicklung zutiefst“. Einen Teil der Dokumentation über die Karlsbüste hat er Leroy zugesandt, der Rest soll zügig folgen. „Das Engagement des Vereins war von hoher Bedeutung für das Domkapitel“, betont Minkenberg. Er würde sich wünschen, dass es doch noch zu einem klärenden Gespräch zwischen Vertretern des Domkapitels und des Vereins kommt.

Davon will Vereinschef Leroy nichts wissen: „Wir haben in der Vergangenheit oft zusammengesessen und geredet. Wir haben stets den Kontakt hergestellt, auf uns ist keiner zugekommen. Ich sehe jetzt wirklich keinen Handlungsbedarf mehr. Das Fass ist voll.“ Und die Entscheidung des Vorstands stehe fest: „Wir werden unseren Mitgliedern empfehlen, den Verein aufzulösen.“

Zeit für eine offene Aussprache der beiden Kontrahenten gäbe es noch reichlich. Denn erst im Herbst will der Verein zur Erhaltung des Hohen Doms zu Aachen zu seiner möglicherweise letzten Versammlung einladen.

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