Aachen - Adieu, Kopfnoten: „Auf die Rechnerei verzichten wir gerne”

Adieu, Kopfnoten: „Auf die Rechnerei verzichten wir gerne”

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Vor zweieinhalb Jahren haben sie in Aachen sogar gegen die Kopfnoten demonstriert. Rund 300 junge Leute zogen im Juni 2008 protestierend durch die Stadt und forderten: „Weg mit den Kopfnoten!” Nun sind sie weg. Der NRW-Landtag hat die Änderung des Schulgesetzes beschlossen.

Schon auf dem nächsten Halbjahreszeugnis Ende Januar 2011 gibt es keine Noten mehr fürs Arbeits- und Sozialverhalten. Und Andor Schmitz sagt voller Überzeugung: „Ich bin froh, dass die Kopfnoten abgeschafft sind.”

Schmitz, angehender Abiturient am Gymnasium St. Leonhard, ist Schülersprecher seiner Schule. Er ist aber auch Vorstandsmitglied der Bezirksschülervertretung, die den Kopfnoten stets kritisch gegenüberstand und seinerzeit auch die Demo durch die City organisierte. „Auftreten und Verhalten von Schülern lassen sich nicht in Noten erfassen”, sagt Andor Schmitz, „durch die Kopfnoten sind manche Kinder auch beschämt worden”. Und er ist überzeugt: Die Standardnote ist an den einzelnen Schulen unterschiedlich ausgelegt worden. „Was an der einen Schule eine Eins ist, ist an der nächsten Schule eine Drei.” Und das, sagt Schmitz, sei ja wohl auch nicht fair.

Eine Rückmeldung zum Sozialverhalten hält der Schülersprecher indes sehr wohl für wünschenswert: „Die Schulen brauchen eine Kultur des ständigen Gesprächs, einen Dialog zwischen allen Beteiligten.” Und als junger Politiker - Andor Schmitz ist auch Vorsitzender der Juso-Schüler in Aachen - freut er sich, dass das erste Wahlversprechen der rot-grünen Regierung in Düsseldorf umgesetzt ist.

Gute Noten für das Ende der Kopfnoten gibt es auch von der Stadtschulpflegschaft. „Wir sehen das sehr positiv”, erklärt Heike Lube vom Sprecherteam. „Die Kopfnoten sind seinerzeit ungünstig eingeführt worden, und sie sind auch an den Schulen unterschiedlich gehandhabt worden. Für die Schüler hat das zu einer Ungleichbehandlung geführt.” An den Schulen sei noch viel an Qualitätsverbesserung nötig, sagt Lube, auch mit Blick auf die Schulzeitverkürzung an den Gymnasien. „Weiterer Druck durch Kopfnoten ist da kontraproduktiv.”

Kritik der Handwerkskammer

Ganz und gar nicht begeistert ist man dagegen bei der Handwerkskammer Aachen über die Abschaffung der Kopfnoten. „Aus unserer Sicht ist das eine Rolle rückwärts”, kommentiert Sprecher Harald Feiber. „Aus Sicht der Handwerkskammer waren die Kopfnoten kein Disziplinierungsinstrument. Für Betriebe seien die Kopfnoten vielmehr ein wichtiger Anhaltspunkt gewesen, um zum Beispiel die Sozialkompetenz von Lehrstellenbewerbern einzuschätzen. „Diese Auswahl wird nun schwieriger.”

„Zähneknirschend akzeptiert”

Und was sagen die Lehrer zum Ende der Kopfnoten? „Wir haben die Kopfnoten seinerzeit zähneknirschend akzeptiert”, sagt zum Beispiel Sibylle Reuß, Schulleiterin der Luise-Hensel-Realschule. Nun allerdings steht sie da mit einen Stapel Zeugnisformulare, auf denen die Kopfnoten vorgesehen sind. „Da werden wir bei diesen Rubriken einen Strich machen.”

Reuß ist überzeugt: „Bis Mitte Januar kriegen wir keine neuen Formulare.”Und teuer würde die Sache zudem. Ohnehin, berichtet die Schulleiterin, werden an der Schule im Gillesbachtal „besondere Verhaltensweisen” mit Kommentaren gewürdigt. Wie man das künftig handhaben kann, darüber werde im Kollegium nun diskutiert.

Günther Sonnen, Schulleiter am Couven-Gymnasium, findet es wichtig, Schlüsselqualifikationen wie Sozialkompetenz zu kommentieren. „Aber nicht in Notenform”, sagt er. Und für die Lehrer seien die Kopfnoten ohnehin eher eine Belastung gewesen: „Auf die Rechnerei verzichten wir gerne.”

Auch Sonnen ist dafür, den jungen Leuten herausragende Sozialkompetenz auf dem Zeugnis zu bescheinigen. Und wenn es was zu kritisieren gebe, könne man Kritik durchaus als Ratschlag formulieren. Demnächst wird sich die Schulkonferenz mit dem Thema befassen.
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