Aachen - Adieda, lejjve Heini Mercks!

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Adieda, lejjve Heini Mercks!

Von: Georg Dünnwald
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Heini Mercks ist am Mittwoch gestorben. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Er schöpfte aus dem Vollen, er liebte und lebte das pralle Leben. Und brachte vor allem viel Freude und Frohsinn. Heini Mercks ist am Mittwoch gestorben. Der absolute Öcher Karnevalsstar, schon zu Lebzeiten eine Legende, wurde 82 Jahre alt. Eine Sitzung ohne Heini, das war viele Jahre lang für die Aachener Jecken nicht vorstellbar.

Nicht nur in Aachen und der Region, später gab das Fastelovvends-Genie auch in Köln, Düsseldorf, Bonn, Essen, Berlin, den Niederlanden und Belgien Gastauftritte.

Um den Öcher im stadtfarbenen schwarz-gelben Ringelhemd, in der zu kurzen Bäckerhose, mit schwarz-gelben Ringelsöckchen und einem schwarzen Jägerhütchen auf dem Kopf rissen sich die Präsidenten und Kommandanten der närrischen Vereine. Seine Gestik war bei seinen Auftritten brüllend komisch, seine Mimik meisterhaft, seine Vortragskunst wurde immer feiner. Sogar diejenigen, die kein Öcher Platt verstanden, lachten Tränen. Er war ein Clown. Ein großer Clown.

Heini Mercks kam, wie es sich seinerzeit gehörte, im Mariannen-Institut auf die Welt. Wohlstand und Glück waren dem in bitterarmen Verhältnissen in der Königstraße aufgewachsenen kleinen Jungen sicher nicht in die Wiege gelegt worden. Der Vater starb, da war Heini sechs Jahre alt.

Die Mutter musste die drei Söhne und die Tochter alleine erziehen. In einer Zeit, in der „Schmalhans Küchenmeister war“, in einer Zeit als in der kleinen Königstraße Nummer 25, einer zum Wohnhaus umgebauten Knopffabrik, 60 kinderreiche Familien ihr Leben fristen mussten. Es herrschte Hunger, Wanzen, Läuse und Flöhe machten den Menschen das Leben schwer, elektrisches Licht gab es nicht.

Bittere Armut

Heini Mercks wuchs in einer Welt auf, in der Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter, die meisten Antifaschisten lebten. Das hat wiederum den jungen Heini Mercks geprägt. 13-jährig wird Heini in ein Wehrertüchtigungslager in Gevelsberg/Westfalen gegen Kriegsende von den Nazibanden gesteckt. Er sollte den Volkssturm stärken. Aber daraus wurde nicht. „Gottseidank“, bemerkte Heini Mercks viel später.

Zu Fuß machte sich Heini auf den Weg ins heimatliche Aachen, wo er die Mutter und seine Geschwister wieder fand und mit Klauen von Paketen mit Brot, Butter, Corned Beef von Ami-Transportern, Schwarzmarktgeschäften am Kaiserplatz und natürlich Schmuggeln sich und die Familien das Überleben erleichterte.

Es ging bergauf in Trizonesien, den Besatzungszonen der Amerikaner, der Engländer und der Franzosen. Heini, geboren am 17. September 1931, machte auf eigene Kosten einen Elektroschweißerkurs. 1954 begann er bei der Stadt. Bei der Müllabfuhr malochte er, machte sich 17 Jahre lang mit dem Schleppen der damals aus Metall bestehenden Mülleimer den Rücken kaputt. Mit dem kaputten Rücken legte er ein kurzes Gastspiel im Straßenverkehrsamt ein, danach war er bis zur Rente im Jahr 1989 Marktmeister und leitete den Großmarkt und die Wochenmärkte.

Im nächsten Jahr sollte Heini Mercks vom Karnevalsverein Regenbogen Venezia die „Goldene Venezia“ für seine Verdienste bekommen. „Ein großer Verlust ist sein Tod“, kommentierte Alexander Gerkes von dem „etwas anderen Karnevalsverein“. Heini Mercks hinterlässt Ehefrau Uschi, einen Sohn, eine Tochter, vier Enkel und vier Urenkel.

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