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Adalbertsteinweg verliert immer mehr an Qualität

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
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Problemlage: Etablierte Einzelhandelsgeschäfte verschwinden mehr und mehr am Adalbertsteinweg. Foto: Harald Krömer

Aachen. Dem Adalbertsteinweg geht es nicht gut. Wer noch weiß, wie einst alteingesessener Handel, das Handwerk und eine gepflegte Gastronomie blühten und Kunden aus der ganzen Stadt anzogen, sorgt sich um die Entwicklung zwischen Kaiserplatz und St. Josef. Wer im Viertel lebt und es liebt, dem kommen die Tränen.

Stadt und Politik raffen sich auf, den städtebaulichen Niedergang zu bremsen – zunächst mit Verboten. Die Politik vergab dabei eine Chance.

Kioske und Billigläden

Gleich zweimal stand der Adalbertsteinweg jetzt auf der Tagesordnung der Politik. Für die Bezirksvertretung Aachen-Mitte und den Planungsausschuss hatte die Verwaltung eine umfangreiche Vorlage erarbeitet. Die beschönigte nichts. Stichworte: Charakter des Adalbert­steinwegs gefährdet. Seit Jahren negativer Strukturwandel, dadurch städtebaulich angespannte und instabile Situation. Ladenleerstand steigt. Alter Einzelhandel vermehrt ersetzt durch Kioske, Internetcafés, Billigläden. Zahlreiche Gebäude aus der Gründerzeit und Nachkriegsbauten in einem mäßigen Zustand. Anstieg der sozialen Problemlagen verschärft Qualitäts- und Imageverlust.

„Der Adalbertsteinweg ist funktional aber auch qualitativ in seiner Funktion als Hauptversorgungszentrum und zentraler Wohnstandort gefährdet“, warnt die Verwaltung. Die akute Gefahr wächst: Anfragen liegen vor, auf dem Adalbertsteinweg weitere Spielhallen und Wettbüros zu eröffnen. „Trading-Down-Effekte“, sagen die Fachleute, wenn sich im Umfeld solcher Einrichtungen alles zu minderwertigen Nutzungen und weiteren Vergnügungsstätten mit negativen städtebaulichen Folgen hin wandelt. „Ziel ist aber, die heutige Nutzungsstruktur im Bereich Adalbertsteinweg zu erhalten beziehungsweise wieder herzustellen, mit der bisherigen Mischung aus kleinteiligem Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen und Wohnen“, empfiehlt die Verwaltung.

Keine Bordelle, keine Wettbüros

Deshalb sollen gleich zwei Bebauungspläne her. Einmal wird ein Bebauungsplan aufgestellt für den Bereich vom Kaiserplatz hoch bis zum Ostfriedhof auf der einen und bis zum Justizzentrum auf der anderen Seite. Der zweite ändert einen bestehenden und umfasst das Karree Steffensplatz/ Friedrichstraße/ Augustastraße/ Frankenstraße/ Adalbertsteinweg. Zielsetzung beider Pläne: Vergnügungsstätten oder bestimmte Arten von Vergnügungsstätten auszuschließen, sofern sie eine Beeinträchtigung für die städtische Funktion eines Gebiete darstellen.

Konkret heißt das, für die beiden Plangebiete am Adalbertsteinweg sind folgende Nutzungen nicht zulässig: Bordelle oder bordellartige Einrichtungen einschließlich der Wohnungsprostitution. Vergnügungsstätten mit den Zweckbestimmungen Sex-Darbieten und/oder Sex-Filme und/oder Sex-Videovorführungen. Spielhallen und Vergnügungsstätten, die zur Erzielung von Gewinnen durch Wetten o.ä. dienen und Einrichtungen, die dem Aufenthalt und/oder der Bewirtung von Personen dienen und in denen gleichzeitig Glücksspiele, Wetten, Sportwetten oder Lotterien angeboten werden.

Sowohl die Bezirksvertreter in Aachen-Mitte als auch die Mitglieder im Planungsausschuss stimmten den Bebauungsplänen zu. Einstimmig. Was am Schicksal des Adalbertsteinwegs interessierte Bürger allerdings erstaunte und wohl auch enttäuschte, war die Geschwindigkeit, in der das geschah. Beide Gremien brauchten dafür keine zehn Sekunden. Diskussion gleich null. Im Planungsausschuss muffelte Norbert Plum (SPD) lediglich: „Stand doch alles schon in den Zeitungen.“

Wie aber, mag sich mancher Zuhörer gefragt haben, glaubt die Politik das gesteckte Ziel erreichen zu können, den für alle sichtbaren Niedergang einer einst schillernden und attraktiven Einkaufsstraße zu stoppen? Gibt es außer Bordell- und Spielhöllenverbot andere Ideen? Macht sich wer Gedanken? Eine längst überfällige Diskussion fand nicht statt.

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