„Across the borders”: Der Westwall mitten in der Innenstadt

Von: Martina Rippholz
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Panzersperren aus Spanholz: Mit diesen künstlichen Blöcken mischen 21 junge Designer sich unter die Passanten. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Grenzen erkennen, sich mit ihnen auseinandersetzen, sie überwinden - darum geht es seit den Anfängen des grenzüberschreitenden, städtischen Kulturfestivals „across the borders”.

Mal spielen Grenze und Grenzüberschreitung eher eine subtilere Rolle, mal wird beides ganz offensichtlich thematisiert. Letzteres tut auch die fünfte von insgesamt elf ganz unterschiedlichen Veranstaltungen.

„Walking Westwall” ist ein Projekt der Designmetropole Aachen, einem Zusammenschluss von über 20 jungen Designern aus der Euregio. Sie alle werden am Samstag, 20. August, mit einer besonderen Choreografie in die Aachener Innenstadt - Markt und Fußgängerzone - kommen.

Getarnt als insgesamt zwölf Westwall-Blöcke laufen sie durch die Straßen und bilden Blockaden mit Hilfe ihrer ungewöhnlichen Verkleidungen, eben als laufender Westwall. Und sie erinnern damit deutlich an die militärischen Panzersperren aus dem Zweiten Weltkrieg, die noch heute - stark bemoost - entlang der niederländischen Grenze zu finden sind.

„Mit unserer Kunstaktion wollen wir Fragen stellen”, erklärt Patricia Yasmine Graf von der Designmetropole. „Was bedeutet der Westwall den Menschen in der Region? Welche Grenzen sind in den Köpfen heute noch da? Durch unseren Auftritt als steinerne Höcker werden die Passanten automatisch mit diesen Fragen konfrontiert. Und sie können sich, wenn sie wollen, damit auseinandersetzen.”

Genau das ist die Absicht der Nachwuchs-Künstler. Sie wollen dort hingehen, wo die Menschen sind. Sie wollen die Interaktion, den Austausch. Dass der auch skeptische, ja kritische Reaktionen hervorrufen kann, ist ihnen dabei durchaus bewusst.

Schließlich ist so ein wandelnder Westwall ziemlich provokativ angesichts der damit verbundenen grausamen Vergangenheit. „Deshalb haben wir uns mit dem Thema intensiv beschäftigt”, sagt Graf. „Wir waren alle zusammen zum Beispiel im Museum im Hürtgenwald. Um uns die Geschichte noch einmal in Erinnerung zu rufen und auch Neues zu lernen.”

Dennoch sind Graf und die anderen der Meinung, dass eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit dem Westwall möglich ist. „Wir sind die Enkelgeneration und haben natürlich einen anderen Bezug dazu. Wir gehen heute auf dem Westwall spazieren.”

Dass Ältere mitunter andere Erfahrungen und auch böse Erinnerungen an das Verteidigungssystem aus Gräben, Bunkern und Sperren haben, ist den Designer klar. Graf: „Deshalb wird es auch keine klassische Choreographie wie beim Tanz, sondern eine sehr statische. Eben wie eine Blockade.”

Graf und die anderen 21 Designer sind in jedem Fall für jede Diskussion offen. Deshalb verschwinden auch nicht alle von ihnen unter den acht Kilogramm schweren, künstlichen Panzersperren. Zehn von ihnen laufen einfach mit, sind Ansprechpartner für die Passanten. Und sie verteilen Flyer, die an die Geschichte des Westwalls erinnern.

„across the borders”-Organisator Rick Takvorian von der Stadt verspricht: „Das wird eine spannende Intervention in der Stadt, sowohl für die Macher als auch für die Passanten.” Und er deutet an, dass der „Walking Westwall” auch bei der Kulturhauptstadt Maastricht 2018 eine Rolle spielen könnte.
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